Bundeswehreinsatz in Corona-Pandemie | dpa

Kontingent wird reduziert Weniger Soldaten für den Pandemie-Einsatz

Stand: 29.06.2021 18:26 Uhr

Die Bundeswehr fährt das für die Corona-Pandemie abgestellte Kontingent herunter. Beendet ist der größte Inlandseinsatz der Geschichte aber noch nicht. Auch bei der Truppe sorgt man sich um die Delta-Variante.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Der größte Einsatz der Bundeswehr aller Zeiten an der so genannten Heimatfront wird zwar etwas kleiner - zu Ende ist er deshalb aber noch nicht. Aktuell sind noch mehr als 8000 Soldatinnen und Soldaten im Anti-Corona-Kampf engagiert: Sie helfen vor allem in den Impfzentren oder auch in den Gesundheitsämtern, wo sie bei der Kontaktnachverfolgung Infizierter unterstützen.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Krisen-Kontingent wird kleiner

Nun wird das vorgehaltene Krisen-Kontingent der Bundeswehr zum 1. Juli um etwa 10.000 Personen abgeschmolzen, von 25.000 auf 15.000. Dem stellvertretenden Inspekteur der für den Corona-Einsatz zuständigen Streitkräftebasis, Jürgen Weigt, ist eine gewisse Erleichterung anzumerken, wenn er feststellt: Diese 10.000 Frauen und Männer könnten sich dann wieder ihrer Hauptaufgabe widmen, "die ja im Wesentlichen in der Vorbereitung der Gewährleistung der äußeren Sicherheit anzusiedeln ist", so Weigt.

Unter anderem soll die Bundeswehr vom kommenden Jahr an Kräfte für die schnelle NATO-Eingreiftruppe zur Verfügung stellen, die "NATO Response Force". Der Zeitplan für die Ausbildung dieser Soldatinnen und Soldaten sei durch den Pandemie-Einsatz durchaus "ins Rutschen gekommen", sagte Generalleutnant Weigt auf Nachfrage des ARD-Hauptstadtstudios. Er glaube schon, dass man die angeforderten Kräfte stellen könne, dies sei aber jetzt mit einem Kraftakt verbunden.

"Wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie"

Nie zuvor in ihrer Geschichte war die Bundeswehr im Inland so eingebunden wie in den vergangenen 15 Monaten. Mehr als 8000 Amtshilfeanträge ziviler Stellen hatte sie entgegengenommen und in rund 90 Prozent aller Fälle auch helfen können. "Die Bundeswehr hat einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet", sagt Weigt.

Gleichzeitig gilt es aus Sicht der Bundeswehr, Lehren aus dieser Pandemie zu ziehen: wie etwa bei der nächsten Krise der Bedarf an Personal gedeckt werden könne, wenn die Streitkräfte einmal nicht im selben Umfang zur Verfügung stünden. So lautet aus Sicht von Weigt eine der Fragen, die sich der deutsche Staat stellen müsse. Oder: "Wer legt wovon, wo, wie große strategische Reserven an?" Schließlich sei es wichtig - wie das Beispiel Schutzausstattung gezeigt habe - nicht auf den Import aus anderen Staaten angewiesen zu sein.

Was die Länge des Corona-Hilfseinsatzes der Bundeswehr angeht, so lässt sich die genauso wenig exakt vorhersagen wie der weitere Verlauf der Pandemie. Auch für die Truppe hängt von der Delta-Variante also eine ganze Menge ab.

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 29. Juni 2021 um 17:00 Uhr.