Jens Spahn | REUTERS

mRNA-Auffrischimpfungen Spahn wirbt für Moderna

Stand: 22.11.2021 11:57 Uhr

Bis zu 50 Millionen Impfdosen von BioNTech und Moderna stehen laut Gesundheitsminister bis Jahresende zur Verfügung. Spahn bedauerte die BioNTech-Deckelung und warb für die "Rolls-Royce-Alternative".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mögliche Vorbehalte gegen das Corona-Vakzin von Moderna für Booster-Impfungen zurückgewiesen. "Moderna ist ein guter, sicherer und sehr wirksamer Impfstoff", sagte der CDU-Politiker während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, und Leif Erik Sander, dem Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Berliner Charité. Das Vakzin von BioNTech sei der Mercedes und der von Moderna der Rolls-Royce, sagte Spahn.

Zugleich wies der geschäftsführende Gesundheitsminister darauf hin, dass viele Auffrischungsimpfungen auch künftig mit dem bei vielen Bürgerinnen und Bürgern bevorzugten Impfstoff von BioNTech vorgenommen werden. Aktuell mache der Impfstoff von BioNTech über 90 Prozent der Bestellungen aus. Spahn sagte, allein an diesem Montag und Dienstag gingen sechs Millionen BioNTech-Dosen aus den Lagern in die Versorgung. In den Folgewochen seien es jeweils zwei bis drei Millionen Dosen. "Das muss jetzt erst einmal verimpft werden", sagte Spahn. "Die Impfkampagne läuft wieder und weiter hoch."

Bis zum Jahresende stünden insgesamt 24 Millionen BioNTech-Dosen zur Verfügung. "Wenn wir also davon ausgehen, dass wir 25 bis 30 Millionen Auffrischungsimpfungen bis zum Jahresende machen wollen, dann wird ein großer Teil dieser Impfungen, wenn gewünscht, auch mit BioNTech stattfinden können", sagte Spahn.

Hohe BioNTech-Nachfrage und große Moderna-Reserve

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder für die kommenden Wochen zuvor Begrenzungen bei Bestellmengen für den BioNTech-Impfstoff angekündigt. Dafür soll das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommen. Zur Begründung wurde auch darauf verwiesen, dass andernfalls ab Mitte des ersten Quartals 2022 eingelagerte Moderna-Dosen zu verfallen drohten.

Leider sei der Eindruck entstanden, man würde nur deshalb auf den Impfstoff von Moderna setzen, sagte Spahn. Dies sei zwar ein wichtiger Aspekt, so der geschäftsführende Gesundheitsminister. Entscheidend sei aber vielmehr, dass sich die Lagerbestände an BioNTech derzeit rasant leerten und in den kommenden Woche vorübergehend nur eine begrenzte Anzahl an Impfdosen zur Verfügung stünde. "Alles, was wir haben, und alles, was wir neu geliefert bekommen, wird natürlich ausgeliefert", sagte Spahn. "Wir halten nichts zurück."

BioNTech und Moderna gleichwertige Impfstoffe

In den Lagern seien aktuell 16 Millionen Booster-Dosen des Impfstoffs von Moderna verfügbar. Bis zum Jahresende seien es bis zu 26 Millionen Dosen. "Es ist genug Impfstoff für alle anstehenden Impfungen da und beide Impfstoffe wirken", sagte Spahn.

Gleichwohl räumte er ein, dass die Begrenzung der BioNTech-Lieferungen an deutsche Arztpraxen dort für Probleme sorgen könnte. "Mir ist sehr bewusst, dass diese kurzfristige Umstellung für viele engagierte Helferinnen und Helfer vor Ort, in den Arztpraxen und den Impfzentren, viel zusätzlichen Aufwand und auch Stress bedeutet", sagte Spahn. "Geplante Prozesse und Abläufe müssen umgestellt werden und sie müssen Überzeugungsarbeit leisten. Das weiß ich und das bedaure ich auch."

Nach Ansicht des Impfstoffforschers Sander sind die Präparate von BioNTech und Moderna gleichermaßen für die Erstimpfung und das Boostern geeignet. Auch eine Kreuzimpfung mit beiden Stoffen sei sicher und gut verträglich, sagte der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Charité in Berlin. "Wir haben in Deutschland das große Glück, freien Zugang zu den besten, sichersten und modernsten Impfstoffen gegen Covid-19 zu haben", so Sander. "Und wir müssen dieses Geschenk unbedingt annehmen."

"Wir sitzen im Schlaraffenland"

Auch der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, sagte, beide Impfstoffe seien gleichwertig. Ihr Wirkungsgrad liege bei mehr als 90 Prozent. Studien hätte zudem ergeben, dass die Impfreaktionen bei beiden sehr gering seien. "Beide Impfstoffe sind äquivalent", sagte Cichutek. "Das gibt es keine Zweifel in Bezug auf die Datenlage, in Bezug auf die Zulassung und in Bezug auf die Studien, die nach Zulassung untersucht und Ergebnisse gebracht haben."

Die Debatte über den Einsatz der mRNA-Impfstoffe von Moderna und BioNTech sei unangemessen, so Cichutek. "Wir sitzen im Schlaraffenland", sagte er und betonte, dass in Deutschland anders als in vielen anderen Staaten ausreichend sehr guter Impfstoff zur Verfügung stehe. Die "Botschaft der Saison" sei vielmehr, dass sich alle impfen lassen sollten.

"Katastrophe in mehrfacher Hinsicht"

Zuvor hatten Bundesländer und Ärztevertreter die Ankündigung von Bestellobergrenzen scharf kritisiert. Die Booster-Impfungen nehmen inzwischen Fahrt auf; es gibt Sorgen, dass die BioNTech-Deckelung das ausbremsen könnte.

Berlins Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz sagte dem rbb, die geplante Lieferbegrenzung für das Vakzin von BioNTech sei eine "Katastrophe in mehrfacher Hinsicht". Es zeige sich, dass wieder nicht genug Impfstoff da sei, um die Auffrischungsimpfungen abdecken zu können, sagte der SPD-Politiker. Auch für die Berliner Impfzentren bedeuteten die Pläne eine große Herausforderung, sagte Matz: "Wir würden dann nicht mal die Zweitimpfungen nach erfolgten Erstimpfungen in der vollen Anzahl durchführen können. Da kann man auch nicht wechseln. Nach einer ersten BioNTech-Impfung müssen wir natürlich auch eine zweite BioNTech-Impfung anbieten."

Auch der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, kritisierte in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium die geplante Rationierung. "In der Gesamtschau fürchten wir, dass das von Ihnen vorgesehene Lieferschema eine Beschleunigung der Impfkampagne eher behindert als fördert", zitierte das Portal "The Pioneer" aus einem Brief Weigeldts an das Ministerium. Die Ärzte seien "kurzfristig und sehr überraschend" mit einem Schreiben des Ministeriums konfrontiert worden, in dem eine Beschränkung für Bestellungen von Biontech-Impfstoff auf wöchentlich 30 Dosen ab kommender Woche angekündigt werde, hieß es demnach weiter in dem Brief.

Das Unternehmen BioNTech prüft unterdessen, ob es mehr Impfstoff liefern kann als bisher vereinbart. "Wir prüfen aktuell, ob und wenn ja, wie viele Dosen wir kurzfristig und zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten liefern könnten", sagte eine Firmensprecherin der Nachrichtenagentur dpa.

2,4 Millionen Impfstoff-Dosen für Kinder

Nach Angaben von Gesundheitsminister Spahn sollen im Dezember zudem 2,4 Millionen Dosen des BioNTech-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren zur Verfügung stehen. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA werde wahrscheinlich Ende dieser Woche erfolgen, sagte er. Die gesamte Europäische Union erhalte die erste Lieferung am 20. Dezember. Deutschland erhalte "auf einen Schlag" 2,4 Millionen Dosen für die Fünf- bis Elf-Jährigen, so Spahn.

Angesichts von 4,5 Millionen Kindern dieser Altersgruppe werde wohl ein großer Teil der anfänglichen Nachfrage bedient werden können. Weitere Lieferungen seien in den ersten Monaten des neuen Jahres zu erwarten. Da Kinder eine andere Dosierung benötigten, seien auch eine andere Abfüllung und ein anderer Vorlauf für den Kinderimpfstoff nötig, so der geschäftsführende Gesundheitsminister.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2021 um 06:00 Uhr.