Ein Hausarzt spricht mit einer Patientin in seiner Praxis in Thüringen. | dpa

Daten des RKI Deutlich mehr Atemwegsinfekte als üblich

Stand: 08.07.2022 06:44 Uhr

Das Robert Koch-Institut meldet deutlich mehr Atemwegsinfektionen als in Sommern vor der Pandemie üblich. Bei Erwachsenen seien es meist Corona-Erkrankungen, bei Kindern andere Erreger. Laut RKI steigt die Inzidenz auf 699,5.

In Deutschland leiden derzeit deutlich mehr Menschen unter Atemwegsinfekten als in den Sommermonaten vor der Corona-Pandemie. Allein für die vergangene Woche geht das Robert Koch-Institut (RKI) von 1,2 Millionen Arztbesuchen wegen Atemwegserkankungen und 4,5 Millionen Fällen aus, wie aus dem Wochenbericht des RKI hervorgeht. Diese Werte lägen deutlich über denen der vorpandemischen Jahre.

Stichproben ergaben demnach, dass für den Anstieg bei Erwachsenen vor allem Covid-Infektionen verantwortlich sind. Bei Kindern seien dagegen andere Erreger die Ursache, etwa Parainfluenza- und Rhinoviren.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek wies bei Twitter ebenfalls darauf hin, dass sich in der Diagnostik derzeit ein buntes Bild an Erregern zeige.

Wenn man Symptome habe und eine PCR-Untersuchung auf Sars-CoV-2 negativ ausfalle, "dann ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Infektion mit einem anderen Erreger vorliegt". Falsch negative Befunde gebe es natürlich, dies sei aber selten.

RKI: Millionen Menschen mit "Impflücke"

In einem am selben Tag veröffentlichten Monatsbericht konstatiert das RKI zudem Impflücken bei vielen Millionen Deutschen. Allein 9,2 Millionen Menschen müssten ihren Impfschutz noch mit mindestens einer Auffrischungsimpfung aktualisieren. Nochmals 9,2 Millionen weitere Erwachsene seien bisher gar nicht geimpft.

Die RKI-Experten bekräftigen, dass Auffrischungsimpfungen insgesamt gut gegen eine Einweisung ins Krankenhaus wegen Corona wirken. Die Inzidenz der Krankenhauseinweisungen habe in der Omikron-Welle zwar generell abgenommen. Sie sei zuletzt in allen Altersgruppen in der ungeimpften Bevölkerung jedoch am höchsten gewesen.

Lauterbach sichert Vorkehrungen für den Herbst zu

Angesichts der großen Zahl aktiver Infektionen derzeit sicherte Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu, dass sich auf den Herbst umfassend vorbereitet werde. Die Pandemiebekämpfung werde nicht in die Sommerpause gehen: "Wir dürfen und wir können es uns nicht leisten, ein drittes Mal nicht gut vorbereitet in den Herbst hineinzugehen", sagte Lauterbach.

Ein erster Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen wird nun im Bundestag behandelt. Unter anderem soll damit eine gezielte Impfkampagne bei Menschen über 60 ermöglicht werden. Auch das Medikament Paxlovid, das das Sterberisiko und die Wahrscheinlichkeit, in eine Klinik zu müssen, bei Covid-Erkrankten deutlich senken kann, soll schneller eingesetzt werden dürfen. Ein so genanntes "Pandemieradar" solle zudem bessere Daten liefern zur Bettenauslastung in den Kliniken und zu PCR-Tests.

Noch nicht im Gesetzentwurf enthalten sind neue Corona-Regeln im Infektionsschutzgesetz, die in ihrer aktuellen Form zum 23. September auslaufen sollen.

117.732 Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 699,5

Am Freitagmorgen hat das RKI die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 699,5 angegeben. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 690,6 gelegen (Vorwoche: 682,7; Vormonat: 238,1).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI 117.732 Neuinfektionen (Vorwoche: 113.099) und 131 Todesfälle (Vorwoche: 84) innerhalb eines Tages.

Allerdings liefern die Inzidenz und die Zahlen der Neuinfektionen kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen weiterhin von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.