Ein Schild weist den Weg zum Corona-Impfzentrum in Greifswald. | dpa

Drei Bundesländer AstraZeneca-Freigabe für alle Impfwilligen

Stand: 22.04.2021 06:11 Uhr

Nach Sachsen haben auch Mecklenburg-Vorpommern und Bayern das AstraZeneca-Präparat für alle Impfwilligen freigegeben - unabhängig von Alter und Priorisierung. Kein Impfstoff solle liegen bleiben.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist in drei Bundesländern für alle Altersgruppen freigegeben worden: Nach Sachsen entschieden auch Mecklenburg-Vorpommern und Bayern, die Priorisierung für diesen Impfstoff komplett aufzuheben. Bei Menschen unter 60 Jahren ist jedoch vor dem Spritzen eine ausführliche Beratung durch den Impfarzt notwendig, wie die Gesundheitsministerien mitteilten.

Der Impfstoff kann in Mecklenburg-Vorpommern in den Impfzentren, durch mobile Teams, in den Krankenhäusern und von den Hausärzten verimpft werden. "Die Freigabe ist ein Angebot, dass diejenigen, die keine oder wenige Vorbehalte gegen den Impfstoff haben, die Möglichkeit nutzen können, sich gegen das Coronavirus auch impfen zu lassen", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe. Ziel sei es, dass kein Impfstoff liegen bleibe.

Immer wieder ungenutzte AstraZeneca-Dosen

In Bayern wird AstraZeneca für Erstimpfungen nur in Haus- und Facharztpraxen genutzt. "Die Ärzte kennen ihre Patienten gut, und wissen, wem sie aus dem Kreis der unter 60-Jährigen unter Berücksichtigung der Vorgaben der Ständigen Impfkommission ein Impfangebot mit diesem Wirkstoff machen können und beraten hierzu ausführlich", sagte Bayerns Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek. "Dieses besondere Vertrauensverhältnis wollen wir nutzen, denn jede Dosis Impfstoff muss möglichst rasch verimpft werden."

Bislang sollte das Präparat von AstraZeneca nur bei Menschen im Alter ab 60 Jahren eingesetzt werden. Laut einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollen Patientinnen und Patienten unter 60 Jahren ausführlich beraten werden. "Auch Hausärzte haben auf diese Weise die Möglichkeit, den Impfstoff für ein größeres Spektrum an Patienten zur Verfügung zu stellen", sagte Glawe. In den Impfzentren von Mecklenburg-Vorpommern waren in den vergangenen Tagen immer wieder Impfdosen von AstraZeneca übrig geblieben. Bislang wurden in dem ostdeutschen Bundesland etwa 115.200 Dosen des AstraZeneca-Vakzins verimpft.

Virusvarianten in 95 Prozent der Proben

Unterdessen ist der Anteil von Coronavirus-Varianten, die als besorgniserregend eingestuft sind, in untersuchten Proben aus Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) auf knapp 95 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung geht ausschließlich auf die ansteckendere, Ende 2020 in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 zurück, wie RKI-Wissenschaftler in einem Bericht schreiben. Es sei wegen dieses hohen Anteils insgesamt nicht damit zu rechnen, dass sich der Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz abschwäche.

Bei einer Erhebung eines Laborverbundes sei ein Anteil der Mutante B.1.1.7 von etwa 93 Prozent erfasst worden, hieß es. Die Angabe bezieht sich auf mehr als 54.000 Proben aus dem Zeitraum vom 12. bis 18. April. Eine schnelle Veränderung der Dominanz dieser Variante sei "nach aktuellen Kenntnissen nicht zu erwarten", bilanzierte das RKI.

Weitere als besorgniserregend eingestufte Varianten bleiben dem Bericht zufolge hierzulande selten: Es sei keine starke Ausbreitung der in Südafrika entdeckten Variante B.1.351 zu beobachten, hieß es. Auch die Variante P.1 wurde demnach bisher nur vereinzelt in Deutschland nachgewiesen. Diese grassiert in Brasilien und ähnelt der südafrikanischen Variante.

Geringerer Infektionsschutz bei B.1.351

Bei der südafrikanischen Virusvariante weisen laut RKI mehrere Studien darauf hin, dass Genesene und Geimpfte weniger gut vor einer Infektion geschützt sind. "Alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, schützen nach derzeitigen Erkenntnissen jedoch sehr gut vor einer Erkrankung durch B.1.1.7 und sie schützen auch vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten", hieß es vom RKI.

Das Institut berichtete zudem von der indischen Variante B.1.617, die bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Beobachtung steht und bisher nicht als besorgniserregend eingestuft ist. "Diese Variante wurde zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra gefunden und verbreitet sich dort stark", erläuterten die Autoren. Sie zirkuliere auch in anderen indischen Bundesstaaten und sei in Großbritannien und Deutschland vereinzelt gefunden worden.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 21. April 2021 um 21:30 Uhr.