Jens Spahn bei der Pressekonferenz zur "Corona Warn-App" in Berlin. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/POOL/EPA-EFE/Shutt

Spahn zu Millionen Downloads "Starker Start" für Corona-Warn-App

Stand: 17.06.2020 11:43 Uhr

Nicht nur die Bundesregierung hat kräftig für ihre Corona-Warn-App geworben - mit Wirkung: Den Appellen zum Download sind viele Bürger gefolgt. Gesundheitsminister Spahn spricht von einem "starken Start".

6.453.606 Downloads hat das Gesundheitsministerium bis zum Morgen gezählt: Die Corona-Warn-App des Bundes stößt bei den Menschen in Deutschland auf eine überraschend hohe Resonanz. "Das sind weit über sechs Millionen Gründe, warum das Coronavirus künftig weniger Chancen hat", kommentierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Jeder einzelne, der die App nutze, mache einen Unterschied, so der CDU-Politiker. "Dieser starke Start sollte noch mehr Bürger motivieren, mitzumachen. Denn Corona eindämmen, das ist ein Teamspiel."

Ehrlichkeit ist gefragt

Die App war gestern unter anderm von Spahn und Kanzleramtsminister Helge Braun vorgestellt worden. Die Anwendung soll das Nachverfolgen von Corona-Infektionen leichter und schneller machen. Dafür misst sie über Bluetooth, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind.

Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie nachträglich anderen Anwendern, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Dann kann man sich freiwillig - auch ohne Symptome - auf Kassenkosten testen lassen. Kontaktdaten werden nicht zentral gespeichert, sondern nur jeweils auf den Smartphones. Voraussetzung für die Wirksamkeit der App ist allerdings nicht nur die Zahl der Downloads. Wichtig ist auch, dass die Nutzer es angeben, wenn sie infiziert sind.

Laufende Kosten in Millionenhöhe

Der Fraktion der Linkspartei im Bundestag machte unterdessen darauf aufmerksam, dass für die App hohe laufende Kosten anfielen. Bislang hatte die Bundesregierung von 2,5 Millionen bis 3,5 Millionen Euro im Monat für die laufenden Betriebskosten, unter anderem für zwei Telefon-Hotlines, gesprochen. Für die App-Entwicklung wurden rund 20 Millionen Euro veranschlagt.

Aus Antworten des Finanzministeriums auf Fragen des Haushaltsexperten der Linken, Victor Perli, gehe nun hervor, dass der Bund für Wartung, Pflege und Betrieb der App und anderer Komponenten in diesem und im kommenden Jahr mit rund 45 Millionen Euro rechne. Demnach entfallen auf die Telekom-Tochter T-Systems 43 Millionen Euro, auf den Softwarekonzern SAP knapp zwei Millionen Euro. Zudem werden für Werbung vorerst 3,5 Millionen Euro angegeben.

Perli warf Gesundheitsminister Spahn vor, die Zahlen "öffentlich schönzurechnen". Spahn hätte die aktuellen Gesamtkosten von mehr als 60 Millionen Euro gleich nennen sollen. "In Krisenzeiten muss schnell gehandelt werden. Das darf aber nicht zur Intransparenz des Regierungshandelns führen."

Corona-Warn-App stößt offenbar auf großes Interesse
Claudia Plaß, ARD Berlin
17.06.2020 12:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2020 um 13:00 Uhr.

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