Essen liegt in einer Mülltonne. | Bildquelle: dpa

Lebensmittel im Müll "Containern" bleibt verboten

Stand: 06.06.2019 17:02 Uhr

Der Hamburger Justizsenator Steffen ist mit seinem Vorhaben gescheitert, das sogenannte Containern zu erlauben. Damit bleibt es eine Straftat, noch essbare Lebensmittel aus dem Müll von Supermärkten zu holen.

Jeden Tag werfen Supermärkte große Mengen unverkaufter Lebensmittel weg - wegen abgelaufener Mindesthaltbarkeitsdauer oder Druckstellen. Viele der weggeschmissenen Lebensmittel sind aber noch essbar. Doch wer das Essen aus den Abfallbehältern nimmt, begeht nach geltendem Recht in Deutschland einen Diebstahl oder Hausfriedensbruch. Das wollte der Hamburger Justizsenator Till Steffen nun ändern - aber ist daran nun gescheitert.

Das Mitnehmen weggeworfener Lebensmittel aus Abfallbehältern, das sogenannte Containern, bleibt auch weiterhin eine Straftat. Steffens Antrag auf Legalisierung lehnten die Justizminister der Länder bei ihrem Treffen in Lübeck mehrheitlich ab, wie Steffen mitteilte. Stattdessen hätten sie einen Alternativbeschluss gegen Lebensmittelverschwendung gefasst: Der Bund solle es demnach großen Anbietern einfacher machen, Lebensmittel freiwillig und ohne Nachteile an Dritte, etwa an die Tafeln, abzugeben.

"Es versteht kein Mensch"

Steffen zeigte für die Entscheidung kein Verständnis: "Es versteht kein Mensch, warum die Entnahme von Müll bestraft werden muss", sagte der Grünen-Politiker. In Deutschland würden jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. "Dass Menschen auch noch strafrechtlich verfolgt werden, die beim Containern gegen diese Verschwendung aktiv werden, halte ich für falsch."

Laut Steffen scheiterte sein Vorstoß am Widerstand der unionsgeführten Ministerien. "Wie beim Klimaschutz merkt man auch hier, wie weit sich CDU und CSU von der Bevölkerung entfernt haben und der Realität verweigern", kritisierte er.

Kritik auch von den Tafeln

Der Dachverband Tafel Deutschland hätte sich ebenfalls eine Entkriminalisierung des "Containerns" gewünscht, forderte aber zugleich ein gesellschaftliches Umdenken. Die Debatte gehe völlig an den Ursachen der Lebensmittelverschwendung vorbei, sagte der Vorsitzende Jochen Brühl der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Jeder Einzelne könne bei sich selbst beginnen und sein Einkaufsverhalten überdenken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juni 2019 um 16:00 Uhr.

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