Coesfeld: Rathausplatz | Bildquelle: imago images/Peter Schickert

Corona-Krise Vollbremsung für Coesfeld

Stand: 11.05.2020 20:06 Uhr

Viele Gastronomen in Coesfeld hatten sich schon auf den Neustart vorbereitet - und bleiben nun auf den Kosten sitzen. Die Kritik an den Schlachthöfen wächst. Immer mehr Fälle werden in dem Corona-Kreis bekannt.

Von Philipp Kappius, WDR

Eigentlich sollten auch im Kreis Coesfeld die Restaurants an diesem Montag wieder aufmachen - doch jetzt macht den Betreibern das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. "Die Mitarbeiter sind sehr enttäuscht", sagt Matthias Rulle, Geschäftsführer eines Coesfelder Brauhauses. "Es ist alles vorbereitet, alles geputzt." Die Mitarbeiter seien über die Maßnahmen unterrichtet worden, auch die Gäste seien enttäuscht. "Es ist ärgerlich, weil wir nichts dafür können."

Der Kreis Coesfeld muss auf die Lockerungen noch warten, er ist zu einem Corona-Hotspot geworden. Vielerorts in Deutschland geht das öffentliche Leben ganz langsam wieder los. In Nordrhein-Westfalen darf man ab sofort etwa wieder unter Auflagen ins Fitness-Studio gehen oder im Restaurant essen.

Der Kreis Coesfeld ist davon jedoch ausgeschlossen - dort ist die Obergrenze für Neuinfektionen mit dem Coronavirus, die die Politik festgelegt hat, überschritten worden. Die Lockerungen müssen hier also erstmal verschoben werden.

Der Faktor "Westfleisch"

In den letzten Tagen wurde mehr getestet im Kreisgebiet. Aktuell seien 805 Fälle gemeldet, erklärt ein Sprecher des Kreises. Allein in einem Fleischbetrieb der Firma "Westfleisch" seien knapp 259 Mitarbeitende positiv getestet worden. 1011 Tests wurden in dem Betrieb durchgeführt, am Freitag war er geschlossen worden. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte daraufhin auch für andere Fleischbetriebe Massentests angeordnet.

Für die deutlich angestiegene Fallzahl der vergangenen Woche sei "Westfleisch" sicherlich ein Faktor, so ein Sprecher des Kreises Coesfeld. Für Politik und Behörden ist klar, dass vor allem die Arbeitsbedingungen bei dem Betrieb der Grund für die vielen Infektionen sind. Gewerkschaften warnen schon länger vor schlechten Arbeitsbedingungen und Ansteckungsrisiken, außerdem gibt es laut Deutschem Gewerkschaftsbund Berichte darüber, dass auch "erkrankte Arbeitnehmer weiter körperliche Schwerstarbeit verrichten müssen".

Verschimmelte Zimmer, keine Abstandsregeln

Auch die Zustände in den Unterkünften der meist osteuropäischen Mitarbeiter werden angeprangert - zum Beispiel von Pfarrer Peter Kossen, der schon länger osteuropäische Fleischarbeiter im Münsterland betreut. Die Ansteckungen seien vorhersehbar gewesen, da die Menschen "massiv in ihrer Arbeit ausgebeutet" würden, sagt er. Sie müssten "unglaublich schwere Arbeit" verrichten und seien dadurch auch ausgelaugt. "Diese Leute sind oft sehr prekär untergebracht in Sammelunterkünften, in verschimmelten Zimmern. Da kann von Abstandsregeln keine Rede sein, auch nicht von Hygiene."

"Westfleisch" wiederum verweist darauf, dass man keine eigenen Sammelunterkünfte habe. Diese würden meist von Subunternehmen gestellt.

Gastronomen müssen Planungen stoppen

Bis einschließlich 18. Mai sind die landesweiten Lockerungen für den Kreis Coesfeld aufgeschoben, so ein Kreissprecher. Einige Gastronomen hatten jedoch schon Ende letzter Woche alles für den kulinarischen Neustart in Coesfeld vorgeplant.

"Wir waren schon am Freitag startklar, hatten schon alles eingekauft und uns tierisch drauf gefreut", sagt etwa Christian Aupers, Geschäftsführer des "Cafe Central". Er habe dadurch wieder einen zusätzlichen Schaden von knapp 3000 Euro. "Das ganze Essen kann man natürlich in ein paar Wochen nicht mehr anbieten." Jeden Tag hofft Aupers, dass er das Restaurant wieder öffnen kann, von den Behörden hat er bisher noch nichts Konkretes gehört.

Im Kreis Coesfeld bleiben nicht nur die Restaurants geschlossen, sondern weiterhin auch alle Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern sowie etliche weitere Betriebe wie etwa Nagelstudios, Freizeitparks oder Spielhallen.

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