Plenum des Bundestages | Bildquelle: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX/Shutt

Bericht über Spionage China wollte Spitzel im Bundestag anwerben

Stand: 06.07.2018 11:39 Uhr

Chinesische Spione sollen versucht haben, im Bundestag Spitzel anzuwerben. Einem Abgeordneten sei Geld für Insiderwissen geboten worden, berichtete die "SZ". In einem weiteren Fall sei der Versuch erfolgreich gewesen.

Dass Spionage für China eine immer wichtigere Rolle spielt, ist schon lange bekannt. Jetzt haben die Aktivitäten des Pekinger Ministeriums für Staatssicherheit offenbar auch das deutsche Parlament erreicht: Chinesische Spione versuchten nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung", im Bundestag Spitzel anzuwerben. Dem Bericht zufolge kontaktierten sie im Sommer 2016 mehrmals einen Abgeordneten der Union. Gegen Geld habe er Expertise und Insiderwissen liefern sollen.

Post von Mr. Wang

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Archivbild | Bildquelle: dpa
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Verfassungsschutzchef Maaßen wirft China massive Spionage vor.

Absender der Anfrage war demnach ein chinesischer Manager namens Jason Wang, der für "Analysen" mindestens 30.000 Euro als Einstiegsprämie bot. Der Unions-Abgeordnete habe Nachrichten mit Wang ausgetauscht, in denen es zunächst allgemein um Außenpolitik gegangen sei. Dann sei nach Details aus dem Politikbetrieb gefragt worden.

Kurz vor einer Reise des Parlamentariers in die Volksrepublik habe der Verfassungsschutz ihn über den Verdacht informiert, dass sich hinter dem Gesprächspartner aus China ein Agent verberge, berichtete die Zeitung weiter. "Jason Wang" war demnach ein Deckname des Ministeriums für Staatssicherheit. Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen warnte vor einer zunehmenden "Infiltration von Parlamenten, Ministerien und Behörden".

10.000 Euro für Informationen aus Berlin

In einem zweiten Fall sollen Chinas Spione sogar erfolgreich gewesen sein: Ein Mitarbeiter eines Abgeordneten soll für Informationen insgesamt 10.000 Euro erhalten haben. Außerdem sei dieser Mitarbeiter bereits einer Einladung nach China gefolgt und dort unter Druck gesetzt worden. Der Bundesnachrichtendienst schätzt dem Bericht zufolge, dass der chinesische Geheimdienstapparat über mehr als eine Million Mitarbeiter verfügt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2018 um 10:00 Uhr.

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