Blumen in Erinnerung an getöteten Chemnitzer | Bildquelle: dpa

Chemnitz Kritik am "späten" Merkel-Besuch

Stand: 02.11.2018 13:29 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel will in zwei Wochen nach Chemnitz reisen. Das sei viel zu spät, meint SPD-Oberbürgermeisterin Ludwig. Familienministerin Giffey will dagegen morgen zum zweiten Mal anreisen.

Ende August wurde ein 35-jähriger Mann in Chemnitz erstochen, die mutmaßlichen Täter sind Flüchtlinge. Die Straftat löste eine ganze Reihe von Kundgebungen und Ausschreitungen aus, die bundesweite Beachtung fanden.

Barbara Ludwig | Bildquelle: dpa
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Merkels Besuch werde die Stadt aufwühlen, sagt Oberbürgermeisterin Ludwig.

In zwei Wochen - also etwa zweieinhalb Monate nach den Ereignissen - hat Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Besuch in Chemnitz geplant. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig bezeichnete den Zeitpunkt als viel zu spät. Der Merkel-Besuch werde die sächsische Stadt erneut aufwühlen, sagte die SPD-Politikerin dem MDR. "Das wird sicher wieder ein schwieriger Tag."

Die Bundeskanzlerin habe ihre Entscheidungen zur Migration 2015 nie richtig erklärt, sagte Ludwig. Damit sei Vertrauen in den Staat verloren gegangen. Das spüre man heute noch, "wenn es um das Thema Sicherheit geht".

Kaffee trinken mit Steinmeier

Ludwig räumte ein, dass kurze Besuche von Bundespolitikern nichts Grundsätzliches änderten. Die Probleme vor Ort seien nicht erledigt, wenn diese "für wenige Stunden" kämen und dann wieder wegführen.

Ähnlich hatten sich gestern Chemnitzer Bürger nach einer "Kaffeetafel" mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geäußert. Das Staatsoberhaupt hatte Chemnitz und zuvor Dresden besucht.

Giffey wieder in der Stadt

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey fährt morgen zum zweiten Mal offiziell nach Chemnitz. Die SPD-Politikerin werde unter anderem Maßnahmen zur Förderung der Demokratie vorstellen, kündigte ihr Ministerium an. Giffey werde zudem mit Opferberatungen sprechen und eine Rede beim Festival "Aufstand der Geschichten" halten.

Giffey war als erste Vertreterin der Bundesregierung im September nur wenige Tage nach den ersten Ausschreitungen nach Chemnitz gefahren. Damals hatte sie angekündigt, wiederzukommen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. November 2018 um 06:11 Uhr.

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