Das Opernhaus ist nach der Ernennung von Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025 mit Transparenten geschmückt.  | dpa

Chemnitz Kulturhauptstadt mit Hindernissen

Stand: 11.01.2021 17:21 Uhr

Die Kulturministerkonferenz hat Chemnitz zur Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025 ernannt. Eigentlich sollte das bereits im Dezember geschehen, doch dann gab es Vorwürfe rund um das Vergabeverfahren.

Von Mandy Schalast-Peitz und Lucas Grothe, MDR

Die Freude war groß in Chemnitz, als die Stadt Ende Oktober 2020 den Wettbewerb für die Kulturhauptstadt 2025 gewann. Nach den rechten Vorfällen und gesellschaftlichen Spannungen in der Stadt sollte der Titel auch einen Aufbruch markieren.

Nun hat die Kulturministerkonferenz die Stadt ernannt. Doch die Entscheidung wurde von Debatten und Kritik am Vergabeverfahren begleitet. Die ursprünglich vor dem Jahreswechsel geplante Bestätigung des Titels musste wegen der Kritik am Auswahlverfahren sogar verschoben werden.

Vertrauen in externe Berater

Medien hatten zuvor von möglichen personellen Verstrickungen im Vergabekarussell berichtet. Konkret richten sich die Vorwürfe gegen verschiedene Berater, die zum Teil auch parallel für mehrere Bewerberstädte gearbeitet haben sollen. Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" von Anfang Dezember "agierte bis in die Jury hinein ein internationales Friends-and-Family-Netzwerk, dessen Machenschaften an Organisationen wie IOC oder FIFA erinnern". Auffallend oft seien dieselben Experten, Berater und Kulturmanager am Werk; in wechselnden Rollen, Funktionen und Konstellationen, schrieb die SZ.

Auch Chemnitz vertraute auf externe Berater. Denn wer sich für den Titel Kulturhauptstadt bewirbt, muss ein schlüssiges Konzept vorlegen. "Wenn wir mal den Vergleich zum Fußball nehmen: Wenn ich in die Champions League will, brauche ich auch Trainer und ein Mitarbeiterteam, das in diesem Bereich Erfahrungen hat oder in diesem Bereich tätig ist", erklärte Matthias Nowak, Pressesprecher der Stadt Chemnitz, im Dezember.

Bislang konnten keine Unregelmäßigkeiten gefunden werden, doch die Berichte stießen letztlich eine Debatte über Intransparenz und mangelnde Regeln bei der Vergabe des Titels an.

Oberbürgermeisterin von Chemnitz jubelt | dpa

Groß war der Jubel bei Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, als im Oktober die Entscheidung für Chemnitz bekannt wurde. Bild: dpa

Vergabe nach Rotationsprinzip

Bei den europäischen Kulturhauptstädten gilt seit 2005 das Rotationsprinzip - die jeweiligen Staaten stellen die Kulturhauptstädte in einer festgelegten Reihenfolge. 2025 sind Deutschland und Slowenien an der Reihe. Bis Ende September 2019 mussten die deutschen Kandidaten ihre schriftliche Bewerbung bei der Kulturstiftung der Länder einreichen. Von dort wurden die Unterlagen an eine europäische Experten-Jury weitergeleitet, die eine Vorauswahl traf.

Die Städte, die danach noch im Rennen waren, mussten bis zum Sommer 2020 detailliertere Bewerbungen abgeben. Daraus wählte das Gremium seinen Vorschlag für eine deutsche Gewinnerstadt aus - und gab am 28. Oktober 2020 die Entscheidung für Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025 bekannt.

Aberkennung hätte neues Verfahren nötig gemacht

Die Vorwürfe rund um die Vergabe schreckte auch die Kulturministerkonferenz auf: "Wir müssen natürlich aufgrund dieser Vorwürfe das Verfahren genau ansehen", sagte Bernd Sibler, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst und im Dezember Vorsitzender der Kulturministerkonferenz, im Vorfeld. "Wir müssen sicherlich auch mit der Europäischen Kommission sprechen, ob das Verfahren so bleiben kann, wie es ist. Aber es gibt Fragen, die beantwortet werden müssen, denn auch Chemnitz hat das Recht darauf, einen Titel ohne Zweifel zu tragen", so der CSU-Politiker. Denn trotz aller Debatten sollte Chemnitz Kulturhauptstadt bleiben - auch weil eine Aberkennung ein neues Verfahren nötig gemacht hätte.

Über dieses Thema berichtete MDR KULTUR - Das Radio am 11. Januar 2021 um 08:40 Uhr.