Ein Mann legt am Tatort in Chemnitz eine Blume nieder | Bildquelle: dpa

Tötungsdelikt in Chemnitz Tatverdächtige fordern Freilassung

Stand: 14.09.2018 15:45 Uhr

Nach dem Tod eines Mannes in Chemnitz beantragen zwei Tatverdächtige ihre Entlassung aus der U-Haft. Sie beteuern ihre Unschuld, die Staatsanwaltschaft wirft ihnen weiter gemeinschaftlichen Totschlag vor.

Knapp drei Wochen nach dem Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz wollen zwei Tatverdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Beide Männer haben über ihre Anwälte eine Haftprüfung beantragt. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Chemnitz.

Das Amtsgericht könnte demnach in der kommenden Woche über die Anträge entscheiden. Ulrich Dost-Roxin, der Anwalt von Yousif A., hält den Tatverdacht gegen seinen Mandanten für unbegründet. Der 22-Jährige bestreite, an der tödlichen Attacke beteiligt gewesen zu sein, erklärte der Anwalt auf seiner Internetseite. Yousif A. habe einige Meter abseits gestanden. Dost-Roxin bezeichnete den Haftbefehl gegen seinen Mandanten als "rechtswidrig".

Auch Alaa S. war kurz nach der Tat in Chemnitz festgenommen worden. Die Anwälte des 23-jährigen Syrers wollen ebenfalls erreichen, dass ihr Mandant aus der Untersuchungshaft entlassen wird.

Bisherige Aussagen decken sich

Dem NDR liegen zwei Schilderungen des Tatablaufs vor - von einem unbeteiligten Augenzeugen und von dem inhaftierten 22-jährigen Yousif A. selbst. Beide Stellungnahmen stimmen weitgehend überein und wecken Zweifel am dringenden Tatverdacht gegen Yousif A., gegen den die Staatsanwaltschaft wegen gemeinschaftlichen Totschlags ermittelt.

Einem Vertreter der irakischen Botschaft sagte der 22-Jährige demnach, dass er am Abend der Tat mit Freunden auf eine Gruppe von Männern und Frauen gestoßen sei, darunter Daniel H., das spätere Opfer. Einige Zeit danach sei es zum Streit und zur Messerstecherei gekommen. Der Zeuge bestätigte nach NDR-Informationen die Aussagen des Mannes, er sei an der Auseinandersetzung in Chemnitz nicht beteiligt gewesen.

Keine offiziellen Informationen

Die Staatsanwaltschaft machte bislang keine genaue Angaben zum möglichen Tathergang. Eine Sprecherin äußerte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen auch nicht zu den konkreten Gründen für den Haftbefehl gegen Yousif A.. Wie die Begleiter des Todesopfers die Nacht erlebten, ist ebenfalls nicht bekannt.

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz ermittelt gegen den 22-Jährigen, der mutmaßlich aus dem Irak stammt, den ebenfalls in U-Haft sitzenden Syrer und einen weiteren flüchtigen Iraker. Bislang gibt es laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise, wo sich der Mann aufhalten könnte. Die Gewalttat hatte zu Demonstrationen und Übergriffen in Chemnitz geführt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2018 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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