Blumen und Kerzen liegen am Tatort in Chemnitz | Bildquelle: dpa

Tötungsdelikt in Chemnitz Inhaftierter beteuert Unschuld

Stand: 13.09.2018 22:48 Uhr

Mehr als zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. werden nun Aussagen zum Tathergang in Chemnitz bekannt. Nach NDR-Recherchen bestreitet der inhaftierte Yousif A. die Tatbeteiligung.

Von Irini Bafas, Markus Grill, Tarek Khello, Amir Musawy, Sebastian Pittelkow und Katja Riedel, NDR

Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft haben bisher nähere Angaben zum Tathergang in Chemnitz gemacht. Der NDR hat nun Kenntnis von zwei Schilderungen des Tatablaufs: zum einen von einem unbeteiligten Augenzeugen und zum anderen die Aussage des inhaftierten Yousif A. Beide Stellungnahmen stimmen weitgehend überein und wecken Zweifel am dringenden Tatverdacht gegen Yousif A., gegen den die Staatsanwaltschaft wegen gemeinschaftlichen Totschlags ermittelt. Allerdings sind die Aussagen aus der Gruppe der Opfer bisher nicht bekannt.

Chemnitz:  Polizeifahrzeug steht in der Chemnitzer Innenstadt vor der Kulisse des abgebrochenen Stadtfestes | Bildquelle: dpa
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Nach dem Tod von Daniel H. wurde das Stadtfest in Chemnitz abgebrochen.

Am 6. September besuchte der Leiter der Rechtsabteilung der irakischen Botschaft, Sead Peer Murad, den inhaftierten Yousif A. im Gefängnis in Bautzen und fertigte anschließend einen Bericht an. Yousif A. schilderte gegenüber dem Botschaftsjuristen, dass er und seine Begleiter Farhad A. und Alaa S. an dem Abend der Tat eine Shisha-Bar in Chemnitz besucht und gegen 2.30 Uhr morgens zu einem Döner-Imbiss gegangen seien. Alaa S. sitzt inzwischen ebenfalls in Haft, nach dem flüchtigen Farhad A. wird international gesucht. 

Unterwegs hätten er, Yousif A., und seine Freunde Farhad A. und Alaa S. eine Gruppe von Männern und Frauen getroffen, darunter Daniel H., das spätere Opfer.

Farhad A. sei zu der Gruppe um Daniel H. gegangen, um nach Feuer für eine Zigarette zu fragen. Dabei seien die Männer in Streit geraten. Er, Yousif A., habe den Streit geschlichtet. Dann seien beide Gruppen weitergelaufen.

Heftige Auseinandersetzung

Aus dem Döner-Imbiss seien weitere Bekannte gekommen und hätten gefragt, was der Grund des Streits gewesen sei. Daraufhin seien Farhad A. und mehrere der anderen Männer erneut zu der Gruppe von Daniel H. gegangen. Dann sei es zu einer heftigen Auseinandersetzung und der Messerstecherei gekommen. Er selbst, Yousif A., sei daran nicht beteiligt gewesen, sondern habe mehrere Meter abseits gestanden.

Der Botschaftsjurist sagt, er könne die Angaben von Yousif A. nicht überprüfen, da er die Aussagen der anderen Zeugen nicht kenne.

Anwalt will Aufhebung des Haftbefehls beantragen

Ein Zeuge, der das Tatgeschehen unmittelbar beobachtet und seine Aussage bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat, schildert gegenüber dem NDR ebenfalls, dass es zum Streit zwischen Farhad A. und Daniel H. gekommen sei. Daraufhin seien Alaa S. und zwei weitere Bekannte aus dem Döner-Imbiss zum Geschehen geeilt und gemeinsam mit Farhad A. auf Daniel H. und dessen Bekannte losgegangen. Der Zeuge sagt auch, dass Yousif A. einige Meter abseits gestanden habe.

Yousif A.'s Anwalt, der Berliner Strafverteidiger Ulrich Dost Roxin, will nun die Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten beantragen. Die Auswertung der Spurensicherung belege keine Tatbeteiligung seines Mandanten, sagt Dost Roxin. Auch gebe es seiner Ansicht nach keine belastenden Zeugenaussagen. "Keine der im Haftbefehl benannten Beweismittel weist nur im Geringsten auf eine Tatbeteiligung meines Mandanten hin", sagt der Anwalt gegenüber dem NDR. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Ingrid Burghart, wollte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben zu den konkreten Gründen für den Haftbefehl gegen Yousif A. machen.

Tötungsdelikt in Chemnitz: Tatverdächtiger bestreitet Beteiligung
Benedikt Strunz, NDR
14.09.2018 06:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2018 um 03:00 Uhr.

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