Einer der Festgenommenen wird in Karlsruhe zum BGH geführt. | Bildquelle: dpa

"Revolution Chemnitz" Bürgerkrieg im Chat geplant

Stand: 02.10.2018 12:11 Uhr

Chatprotokolle der rechtsextremen Gruppe "Revolution Chemnitz" offenbaren: Die Mitglieder wollten einen Bürgerkrieg auslösen. Auch Schusswaffen konnten sie im Chat bestellen.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

Wie schon bei früheren rechtsterroristischen Gruppen liefen offenbar auch bei der selbst ernannten "Revolution Chemnitz" Planung und Kommunikation über Chats in Messengerdiensten wie WhatsApp und Telegram. Die Auswertung dieser Chats habe ihm tiefe Einblicke in die Denkweise der Gruppe vermittelt, sagt ein hochrangiger Ermittler.

Liest man, was in den Chats geschrieben wurde, klingt es nach fanatischer Entschlossenheit, aber auch nach Größenwahn und Großmauligkeit. So wollte die Gruppe eine Systemwende herbeiführen und einen Bürgerkrieg auslösen. Dabei werde es dann auch Opfer geben, darüber war man sich im Klaren.

"Wir wollen an einem Strang ziehen und etwas bewegen das klappt leider nicht immer gewaltfrei und kann auch Opfer fordern. Sollten wir es schaffen nur ein klein wenig damit zu bewegen und die Geschichte Deutschlands ändern können, sollte das mit Bedacht und Planung geschehen", heißt es beispielsweise in einem Chat.

Alarmierende Inhalte in Chatprotokollen von rechtsextremer Gruppe
nachtmagazin 00:20 Uhr, 03.10.2018, Kolja Schwartz, SWR

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Wortwahl ähnlich dem des NSU

Zur Planung der "Revolution Chemnitz" sollte dabei auch gehören, sich sowohl gegen Ausländer zu wenden, als auch gegen die etablierte Politik, Linke und unliebsame Medien. In der Chatsprache der Gruppe hieß das "Merkel-Zombies" oder "Linksparasiten". Weiterhin hieß es: "Die Mediendiktatur und ihre Sklaven, Antifanten, Schwarzer Block. Egal wer! Es ist an der Zeit, nicht nur Worte sprechen zu lassen, sondern auch Taten."

Die Formulierung erinnert stark an das Motto "Taten statt Worte". So hatte die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" NSU ihre zehn Morde gerechtfertigt. Der NSU sei aber im Vergleich zur "Revolution Chemnitz" nur eine "Kindergarten-Vorschulgruppe" heißt es in den Chats.

Rechte Demonstranten in Chemnitz | Bildquelle: AP
galerie

Nach einem Todesfall in Chemnitz demonstrierten Tausende Neonazis und Hooligans in der Innenstadt. In einer Chatgruppe der "Revolution Chemnitz" schrieb ein Mitglied, es sei an der Zeit, nicht nur Worte sprechen zu lassen.

Kaufangebote für Schusswaffen im Chat

Für die Taten war die Gruppe auf der Suche nach scharfen Waffen. In den Chats wurden konkrete Modelle diskutiert, Preisvorstellungen genannt und Sonderwünsche geäußert. So wurde beispielsweise über eine Maschinenpistole MP5 von Heckler und Koch diskutiert und ein konkretes Angebot besprochen. Eine Waffe für 800 Euro sei zu bekommen, inklusive mehreren Magazinen. Das sei sehr teuer, hieß es in der Gruppe, andererseits sei die Waffe aber echt und nicht nur aufgebohrt.

Wörtlich schrieb ein Gruppenmitglied: "Ich geb‘ Dir gleich mal Meldung wegen der Waffenbestellung. Aber gleich vor weg an Alle: Alles nur bar und anonym machen!"

Keine Auffälligkeiten bis zum Tag X erwünscht

Überhaupt herrschte ein strenger Ton in den Chats. Anwesenheit bei den geplanten Aktionen sei Pflicht, außer man arbeite. Und wichtig war der Gruppe auch, dass es bis zu einer großen Aktion keine Auffälligkeiten geben dürfe.

Das galt besonders Ende August und Anfang September, als es nach dem Tod des Deutsch-Kubaners Daniel H. durch eine Messerstecherei in Chemnitz immer wieder zu Demonstrationen kam. Die Gruppenmitglieder der "Revolution Chemnitz" sollten peinlich genau darauf achten, dass die Polizei bei den Demonstrationen keine verbotenen Gegenstände entdecken könnte. Schlagringe, Quarzhandschuhe und mögliche Waffen sollten in Gebüschen versteckt werden, damit man sie auf Kommando nach der Aktion holen könnte. Auch das Kommando zum Losschlagen wurde vereinbart: "Die Wölfe sind los!"

Für den Tag der Deutschen Einheit war dann die große Aktion geplant. Wie genau sie aussehen sollte, stand offenbar noch nicht fest. Aber der Tag solle zu einem historischen Wendepunkt werden, hieß es in der Gruppe.

Gewalt sollte nach linksextremer Tat aussehen

Und zwar am besten so, dass es zunächst nach Gewalt aussehe, die von Linksextremen ausgehe. "Ich könnte wetten: Sollte ein zweites Hamburg wie zum G20 Gipfel entstehen, sind die Bullen zu 88,88 Prozent auf unserer Seite!", schrieb ein Mitglied des Chats. "Es muss nur so aussehen, als hätten die Parasiten angefangen!"

88,88 Prozent ist dabei wohl mehr als ein Zahlenspiel. 88 ist in der Neonazi-Szene der Code für Heil Hitler - weil H der achte Buchstabe des Alphabets ist.

Was die eigene Rolle an einem kommenden Umsturz angeht, war die Gruppe sehr selbstbewusst, wie ein Zitat offenbart: "Die Revolution fordert Opfer. Nur wir werden keine sein." Diese Hoffnung hat sich offenkundig nicht erfüllt. Gestern wurden bereits vier Haftbefehle gegen mutmaßliche Gruppenmitglieder vollzogen. Am Abend wurde dann noch ein achter Beschuldigter festgenommen.

Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte, zur Organisation der von "Revolution Chemnitz"
02.10.2018, tagesschau 16:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Oktober 2018 um 12:07 Uhr.

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