Das Logo der sogenannten Werteunion in der CDU.  | Bildquelle: dpa

CDU-Kritik an Werteunion "AfD-Hilfstruppe" oder "Basisbewegung"?

Stand: 08.02.2020 11:30 Uhr

Die Krise in Thüringen hat tiefe Gräben innerhalb der CDU aufgezeigt: In der Partei werden Rufe lauter, die sogenannte Werteunion aufzulösen. Die konservative Gruppe wehrt sich. Der Ton ist scharf. Auf beiden Seiten.

In der CDU werden Rufe nach einer Auflösung der konservativen Gruppierung Werteunion laut. Der Bundesvize des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Christian Bäumler, brachte einen Unvereinbarkeitsbeschluss ins Spiel. "Wer die Werte der CDU nicht teilt, hat in der CDU nichts zu suchen", sagte er dem "Handelsblatt". "Wir brauchen keine AfD-Hilfstruppe in unseren Reihen."

Vertreter der Werteunion hatten die mit AfD-Stimmen erfolgte Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten begrüßt. Bäumler betonte, wer den Abgrenzungsbeschluss der CDU zur AfD nicht akzeptiere, dürfe keine Verantwortung in der Union übernehmen.

"Höchste Zeit, Werteunion aufzulösen"

Kritik gibt es auch vom früheren CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz: Bundeskanzlerin Angela Merkel habe im Einklang mit der gesamten Parteispitze der CDU die Ministerpräsidentenwahl als unverzeihlich bewertet. Die Werteunion habe hingegen darauf hingearbeitet, den bisherigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von der Linkspartei "mit Hilfe der faschistischen AfD" abzuwählen und feiere nun das Ergebnis.

"Das geht weit über die mögliche Bandbreite politischer Aktivitäten von Christdemokraten hinaus", sagte Polenz. Es sei daher höchste Zeit, dass der CDU-Bundesvorstand seine Forderung nach Auflösung der Werteunion durchsetze. Ähnlich äußerte sich Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien, ebenfalls von der CDU.

Gruppierung weist Kritik zurück

Der Bundesvorsitzende der Werteunion, Alexander Mitsch, wies den Vorstoß zurück. "Ein linker Ministerpräsident ist Herrn Bäumler also lieber als einer von der FDP", sagte er dem "Handelsblatt". Es sei eine Schande, dass solche Positionen in der Partei Adenauers und Kohls heute unverhohlen vertreten würden. Mit dieser Meinung stelle sich Bäumler selbst ins Abseits.

Die Werteunion ist eine Gruppierung konservativer Christdemokraten. Sie argumentiert, dass die CDU unter Merkel zu weit nach links gerückt sei und wieder konservativere Positionen vertreten müsse. Sie ist ein eingetragener Verein und zählt nicht zu den offiziellen Parteigliederungen. Die Werteunion bezeichnet sich selbst als konservative Basisbewegung der CDU/CSU. Sie schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich aus - anders als die offizielle Beschlusslage der CDU.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Februar 2020 um 10:00 Uhr.

Darstellung: