Norbert Röttgen | dpa
Analyse

Kampf um CDU-Vorsitz Das Ende des Teamgeists

Stand: 12.11.2021 15:24 Uhr

In der CDU nimmt das Bewerberkarussell Fahrt auf: Sowohl Röttgen als auch Braun haben offiziell ihre Kandidatur angekündigt. Die Zeit des Taktierens ist vorbei, der Teamgeist aber auch.

Eine Analyse von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Die Zeit des Taktierens ist vorbei. Der Teamgeist allerdings auch. Zumindest der Wunsch des scheidenden Vorsitzenden Armin Laschet, dass sich aus den möglichen Kandidaten noch vor dem Ende der Bewerbungsfrist ein Team formen lässt, ist heute offiziell Geschichte.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Ein letzter Wunsch, der nicht in Erfüllung ging. Jetzt ist der Wettbewerb eröffnet. Norbert Röttgen hat daraus heute keinen Hehl gemacht. Er finde einen offenen Wettbewerb durchaus fair. Röttgen hat sich als erster Kandidat für den CDU-Vorsitz offiziell vorgestellt, ähnlich wie beim letzten Mal, mit einem Sechs-Punkte-Plan.

Röttgen will die Basis mehr einbinden, die Themen der jüngeren Generation - wie etwa Klimaschutz - ernst nehmen, die CDU breit aufstellen, Volkspartei bleiben. Es soll ein Angebot für alle sein, die Konservativen, die Liberalen, die Ostdeutschen, die Frauen.

Eine Frau an der Seite

An seiner Seite allerdings, anders als erwartet, eine neue Frau: Franziska Hoppermann, 39 Jahre alt, gebürtig aus Hamburg und ein neues Gesicht im Deutschen Bundestag. Bisher ist sie noch eher unbekannt. Ab heute wird sich das ändern. Damit hat Röttgen zumindest der Konkurrenz schon mal gezeigt, dass er Frauen fördern kann und will.

Hoppermann könnte die Generalsekretärin an seiner Seite werden. Gerade bei dieser Frage hatte es zuletzt für Röttgen einen Seitenhieb gegeben. Auf den Posten der Generalsekretärin hatte sich auch seine einstige Chef-Strategien, Ellen Demuth, Hoffnungen gemacht. Doch nach internen Unstimmigkeiten verließ sie das Team Röttgen wieder.

Röttgen will das heute nicht weiter kommentieren. Er sieht sich mit Hoppermann auf dem Weg ins Adenauerhaus. Die Konkurrenz versucht er heute wegzuloben oder gar in seine Mannschaft zu locken. So werde er gut mit Unionsfraktionschef, Ralph Brinkhaus, zusammenarbeiten. Röttgen signalisiert Brinkhaus damit, dass er nicht nach der Macht in der Fraktion greifen werde. Das sei ein Angebot, keine Absprache, betont Röttgen auf Nachfrage. Friedrich Merz möge er sogar. Die Botschaft: Die Konkurrenz kann kommen, ich fürchte sie nicht.

Außenseiterchancen für Braun

Einer hat schon geblinkt. Kanzleramtschef Helge Braun bewirbt sich auch um den CDU-Vorsitz. Braun werden in der Partei eher Außenseiterchancen eingeräumt. Er könnte als langer Wegbegleiter der Kanzlerin aber durchaus Stimmen aus dem Merkel-Lager auf sich vereinen und diese damit der Konkurrenz wegnehmen. Einige verstehen Brauns Vorstoß auch als Gegenangebot zu Merz, dem viele schon jetzt unterstellen, die Partei zu weit nach rechts zu rücken.

Das hat Norbert Röttgen heute zwischen den Zeilen zumindest auch angedeutet. Seine Betonung, er wolle die Partei in der Mitte halten und meine damit auch ausdrücklich die Konservativen, kann man gut als Versuch verstehen, Merz das Wasser abzugraben.

Merz: Nicht ob, sondern wann

Noch hat sich der ehemalige Unionsfraktionschef nicht geäußert. Doch das scheint keine Frage des Ob und Wie, sondern vielmehr des Wann. Für Merz stellt sich vor allem die Frage, ob er noch eine paar junge und frische Gesichter mitbringt. Das ist zumindest eine Forderung, die auch aus dem Lager seiner Unterstützer kommt. Nicht auszuschließen, dass sich etwa der Chef der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, bei Merz unterhakt. Doch sicher ist das noch nicht, es gibt noch Gespräche.

Unklar ist auch, ob Unionsfraktionschef Brinkhaus selbst noch die Hand hebt. Brinkhaus hatte zuletzt immer wieder betont, dass er sich künftig zumindest als Oppositionsführer sieht und das über das nächste halbe Jahr hinaus.

Am Mittwoch endet die Bewerbungsfrist. Bis dahin dürfte noch Bewegung ins Kandidatenkarussell kommen. Dann haben die Mitglieder das Wort.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. November 2021 um 09:00 Uhr.