Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen | BILAN/JEON/BECHER/EPA-EFE/REX

Kandidaten für den CDU-Vorsitz Pitch bei der Parteijugend

Stand: 17.10.2020 07:51 Uhr

Zum ersten Mal stehen die drei Bewerber für den CDU-Vorsitz heute gemeinsam auf der Bühne. Merz, Laschet und Röttgen buhlen um die Junge Union - die Gruppe der Unentschlossenen ist dort groß.

Von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Beim Golfspiel ist ein Pitch ein Schlag über die kurze Distanz, um so schnell wie möglich auf dem Grün zu landen und einzulochen. Beim Baseball liegt die Kunst für den Pitcher, also den Werfer, darin, so gut zu pitchen, dass der Ball nur schwer zu schlagen ist. In der Werbebranche ist der Pitch eine Kurz-Präsentation. Der bessere Pitcher bekommt den Auftrag. Mit Effet aufs Grün, mit hartem Wurf ans Schlagholz oder mit den besseren Argumenten ins Adenauer-Haus?

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Bei der Jungen Union ist der Pitch die Casting-Show der Kandidaten. Armin Laschet, Friedrich Merz oder Norbert Röttgen? Wer ist der bessere Pitcher? Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz präsentieren sich am Sonnabend dem politischen Nachwuchs von CDU und CSU, allerdings wegen Corona ohne Publikum.

Wild Card zum Zuschauen

Nur vier JU-Mitglieder bekommen einen exklusiven Logenplatz. Eine Wild Card zum Zuschauen. Die Plätze wurden im Vorfeld verlost. Die Veranstaltung im Allianz Forum am Brandenburger Tor wird digital übertragen. Am Ende gibt der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, den Startschuss. Danach haben die Mitglieder 14 Tage Zeit, sich zu überlegen, wer ihr Favorit ist. Eine Mitgliederbefragung also.

Kuban sagt dem ARD-Hauptstadtstudio: "Für meine eigene Wahlentscheidung beim CDU-Parteitag ist das Votum verbindlich und ich werde das Stimmungsbild in die Partei tragen." Für die anderen rund 100 JU-Delegierten sei es sicher eine wichtige Empfehlung, so Kuban. "Wir wünschen uns, dass alle anderen Parteitagsdelegierten es in ihre Entscheidung miteinbeziehen, wen sich die CDU von morgen als Parteichef wünscht."

Viele Unentschlossene

Sympathisanten gibt es an der Basis für jeden der Kandidaten. Manch einer in der JU liebäugelt nach wie vor mit Jens Spahn und grollt insgeheim, dass er sich schon verpflichtet hat, an der Seite Laschets zu bleiben. Spahn allein hätte gute Chancen in der JU. Ob das Laschet am Ende ein paar Stimmen mehr einbringt?

Die Gruppe der Unentschlossenen ist groß. Kuban erklärt warum: "Zu vielen konkreten Forderungen der Jungen Union, wie etwa den Eigenanteil für die Kommunen beim Digitalpakt Schule zu erlassen, Europas Metropolen mit Hochgeschwindigkeitszügen zu vernetzen oder die Minijob-Grenze endlich anzuheben, haben sich die Kandidaten bislang noch nicht eindeutig positioniert."

Jetzt sollen die Kandidaten auf den Prüfstand. Die Regeln: Jeder darf fünf Minuten reden. Die Reihenfolge wird kurzfristig festgelegt. Dann sollen sie gegrillt werden und die Fragen der JU-Mitglieder beantworten. Die werden per Videoleinwand zugeschaltet.

Neues Format

Stefanie Schipanski ist Mitglied im Bundesvorstand. Sie erhofft sich vom Pitch "ein neues Format, mit dem wir den Kandidaten auf den Zahn fühlen. Ich erwarte klare Aussagen zu den Zukunftsherausforderungen." Familie, Bildung, Klima, Digitalisierung. Das sind die Themen, die der Jugend unter den Nägeln brennen. "Für mich ist als junge Mutter vor allem spannend zu wissen, wie der künftige Vorsitzende die Partei für junge Mütter und Frauen attraktiver machen will", sagt Schipanski. Corona habe doch gezeigt, wie es geht.

Für die Digitalkonferenz am Abend haben auch junge Mütter Zeit, für das Bier am Stammtisch weniger. Wie stehen die Kandidaten zu flexibleren Arbeitszeiten, mehr Homeoffice, mehr Zeit für die Familie? Bisher hat die Jugend darauf wenig Antworten bekommen.

Alle drei Kandidaten zeigen sich in diesen Tagen, wann immer die Pandemie es zulässt, gern in den Landesverbänden und bei den Delegierten. Hier wünschen sich viele eine Entscheidung. "Wir brauchen endlich einen Vorsitzenden. Und wir wollen vor allem wissen, für wen wir in den Wahlkampf ziehen werden." Solche Sätze hört man in diesen Tagen öfter. Doch was, wenn Corona allen Planungen einen Strich durch die Rechnung macht?

Arbeit am Plan B

Im Adenauer-Haus arbeiten sie vorsichtshalber an Plan B. Wenn die Pandemie einen Parteitag wegen zu hoher Fallzahlen in Stuttgart verhindert, wird eine zweiter Ort geprüft, der messefähig ist. Leipzig ist im Gespräch. Das wäre dann ein Déjà-vu für Annegret Kramp-Karrenbauer. Hier hat sie vor knapp einem Jahr die Machtfrage gestellt. Der Anfang vom Ende ihrer Zeit als Chefin der CDU.

Die Bühne für die Wahl ihres Nachfolgers ist wegen Corona also noch nicht ganz sicher. Die Pitcher aber drehen schon am Samstag ihre erste gemeinsame Vorstellungsrunde. Pitching-Day bei der Jungen Union. Merz, Laschet, Röttgen - wer kommt besser an bei der Parteijugend? Die Junge Union macht den Aufschlag und könnte mit ihrer Mitgliederbefragung einen wichtigen Impuls in die Reihen der Mutterpartei, die CDU, senden.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Oktober 2020 um 07:27 Uhr.

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Moderation 17.10.2020 • 12:39 Uhr

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