CDU-Logo am Konrad-Adenauer-Haus | dpa

CDU-Parteivorsitz Vier Männer aus NRW wollen es werden

Stand: 18.02.2020 17:15 Uhr

Vier Anwärter, drei offizielle Bewerbungen: Ins Rennen um den CDU-Vorsitz kommt mit der Kandidatur von Norbert Röttgen weitere Bewegung. Während die Noch-Chefin zu Einzelgesprächen bittet, sorgt die NRW-Herkunft der Anwärter für Unmut.

Für den CDU-Vorsitz in der Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer gibt es inzwischen drei offizielle Bewerber. Neben dem Außenpolitiker Norbert Röttgen, der seine Kandidatur in einem Brief an Kramp-Karrenbauer ankündigte, gibt es zwei weitere schriftliche Bewerbungen von CDU-Mitgliedern. Ihre Namen blieben vertraulich, solange sie es nicht selbst offenlegten, hieß es aus der CDU.

Als weitere Favoriten für den Posten gelten der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz, CDU-Vize und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sowie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die scheidende Parteivorsitzende begann heute mit den Vier-Augen-Gesprächen mit den möglichen Bewerbern.

Als ersten traf sie Merz, mit dem sie mehr als eine Stunde über die anstehende Personalentscheidung und die Unions-Kanzlerkandidatur sprach. "Es war ein gutes Gespräch", sagte Merz im Anschluss. Über Inhalte des Treffens wurde vorerst nichts bekannt - darüber war im Vorfeld Vertraulichkeit vereinbart worden. In den nächsten Tagen will Kramp-Karrenbauer mit den restlichen Kandidaten zusammenkommen.

Am kommenden Montag wolle sie dann sowohl das Präsidium als auch den Parteivorstand über den aktuellen Stand informieren, hieß es aus CDU-Kreisen. Ob dann bereits über ein konkretes Verfahren zur Bestimmung eines neuen Vorsitzenden gesprochen werde, sei noch nicht sicher. Die Parteivorsitzende werde das Verfahren weiter von vorne führen und zu gegebener Zeit konkrete Schritte einleiten, die am Ende in einen Parteitag münden sollen mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden.

Niedersachsens CDU pocht auf Mitsprache

Unterdessen wird aus der CDU Kritik laut über die mittlerweile vier möglichen nordrhein-westfälischen Kandidaten für den Parteivorsitz. So pocht der niedersächsische Landesverband auf eine enge Einbindung in die Vorbereitung solcher Entscheidungen.

"Ganz nebenbei sei daran erinnert, dass die CDU Deutschlands aus 15 Landesverbänden besteht, von denen der niedersächsische der drittstärkste ist", sagte Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann. Der CDU sei mit Bewerbungen im Wochentakt nicht geholfen. Althusmann empfehle "allen weiteren potenziellen Bewerbern, Besonnenheit und das große Ganze der Union nicht aus dem Auge zu verlieren".

"Wir haben gewählte Gremien, die einen realistischen Zeitplan, das Verfahren und einen Personalvorschlag zügig erarbeiten, damit wir uns endlich wieder auf politische Sachfragen konzentrieren können", fügte Althusmann mit Verweis auf das von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer angekündigte Vorgehen hinzu.

"Rasche Einigung an der Spitze"

Kritik kam auch aus dem Hamburger Landesverband. "Ich halte nicht viel davon, dass jetzt einzelne Kandidaten unabgesprochen ihre Kandidatur bekannt geben", sagte Hamburgs CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg vor dem Hintergrund der Kandidatur Röttgens. Die CDU müsse rasch zu einer Einigung an der Spitze kommen, mahnte er. 

Zu den drei übrigen Anwärtern, von denen sich bislang noch keiner offiziell zu einer Kandidatur geäußert hat, sagte Weinberg: "Es wäre klug, wenn sich Friedrich Merz, Armin Laschet und Jens Spahn einigen würden, wie die personelle und inhaltliche Verteilung an der Spitze aussehen soll." Auch CDU-Ministerpräsidenten wie Daniel Günther und Michael Kretschmer könnten in ein Spitzenteam eingebunden werden, sagte Weinberg. 

Wer sich als Kandidat beziehungsweise Kandidatin für den Parteivorsitz aufstellen lassen will, muss im Vorfeld von einem Kreis-, Bezirks- oder Landesverband oder einer CDU-Vereinigung wie Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) oder der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) nominiert werden. Möglich ist es auch, beim Parteitag von mindestens einem stimmberechtigten Delegierten vorgeschlagen zu werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2020 um 17:00 Uhr.