Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen | BILAN/JEON/BECHER/EPA-EFE/REX

Machtkampf um CDU-Vorsitz Drei Männer - ein Ziel

Stand: 28.09.2020 08:03 Uhr

Es soll um die Regeln für den CDU-internen Wahlkampf gehen: Heute trifft Parteichefin Kramp-Karrenbauer die drei Kandidaten für ihre Nachfolge zum Gespräch. Wie steht es um die Chancen von Merz, Laschet und Röttgen?

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Heute will die Noch-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer die Spielregeln für den CDU-Wahlkampf festlegen. Am Mittag trifft sie die drei Kandidaten für den Vorsitz ihrer Partei - Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen - zum internen Gespräch. Wie sind die drei Kandidaten durch den Sommer gekommen, wie profilieren sie sich und wie sind ihre Chancen, den Vorsitz zu bekommen?

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Da ist zum einen Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, der ganz auf seine außenpolitische Expertise setzt. Er will derjenige sein, der über den Tellerrand schaut. "Wir müssen wissen als Europäer, es gibt nur eine einzige Sprache, die Putin versteht: Erdgasverkäufe, das ist die einzige Lebensader", sagt er etwa.

Röttgen will der Prinzipientreue sein

In Interviews forderte Röttgen eine Veränderung in der deutschen Russland-Politik sowie den sofortigen Stopp der Ostseepipeline Nord Stream 2. Anlass war die Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny - womöglich mit dem Segen des Kremls und damit Wladimir Putins: "Und wenn er sich so verhält, so menschenverachtend, dann muss es Konsequenzen haben, wenn wir etwas tun wollen, dass sich das ändert. Das ist jetzt die Testfrage, die Glaubwürdigkeitsfrage, ob wir Politik machen wollen als Europäer", so Röttgen. Die Kernbotschaft, die der CDU-Mann aussenden will: Hier ist ein Prinzipientreuer, der Land und Partei mit einer wertegeleiteten Politik durch eine kompliziert gewordene Welt führen kann.

Auch in der Frage des Umgangs mit den Geflüchteten, die derzeit in Lagern auf den griechischen Inseln festsitzen, positioniert sich Röttgen eindeutig: "Das ist kein Argument, die AfD nicht stark zu machen. Wir müssen aus unseren Prinzipien heraus handeln. Wir sind die christlich-demokratische Union, Menschenwürde ist unser Bild. Jeder Flüchtling, der im Dreck in Moria sitzt, hat die gleiche Menschenwürde wie wir hier in Europa."

Im T-Shirt gegen den Eindruck der Arroganz

Das Vorurteil, er sei zwar klug, aber zuweilen arrogant, versucht Röttgen zu entkräften - etwa indem er sich beim Spaziergang in T-Shirt und Wanderschuhen mit Familienhündin Chrissy durch die Äcker bei Königswinter in Nordrhein-Westfalen von einer RTL-Fernsehreporterin begleiten lässt: "Hallo, Herr Röttgen!", sagt die Reporterin. "Schön, Sie hier zu sehen", entgegnet er. "Sie haben heute was ganz anderes an", sagt sie. "Klar, ich gehe nicht mit Anzug und Krawatte spazieren", antwortet er.

Der nächste im Bunde: der Unverstandene. Friedrich Merz - vor vielen Jahren einmal Chef der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, heute ein Wiedereinsteiger mit Kanzlerambitionen. Auch Merz will einen Aufbruch verkörpern: "Wir werden im nächsten Jahr nicht gefragt, was war, sondern wir werden im nächsten Jahr gefragt, was kommt. Wohin geht dieses Land? Was sind die wichtigsten Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen?" So formulierte es Merz in einer Rede beim Niedersachsentag der Jungen Union in Hildesheim.

Merz und seine Aussage über Homosexuelle

Zuletzt musste er sich aber immer wieder mit dem beschäftigen, was er in Interviews gesagt hatte. "Hätten Sie Vorbehalte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler würde?", fragte ihn etwa die "Bild". Merz antwortete: "Nein. Also, ich sage mal so, über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an, so lange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und so lange es nicht Kinder betrifft, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion."

Kritiker werfen Merz seitdem vor, Homosexuelle in die Nähe von Pädophilen zu rücken - ein Vorwurf, den Merz vehement bestreitet. Er verstehe aber, dass man diese Aussage missverstehen könne und sage deshalb ausdrücklich: Wenn sich irgendjemand davon persönlich getroffen gefühlt habe, bedauere er das wirklich sehr. Im Lager seines Konkurrenten Armin Laschet rieben sich schon einige die Hände, dieses Mal habe Merz den Bogen überspannt. Ähnliches war sogar von einigen seiner Unterstützer zu hören.

Friedrich Merz (Archivbild) | picture alliance/dpa

Kandidat Merz: "Die Bereitschaft für Humor und Ironie in dieser Gesellschaft ist unterentwickelt." Bild: picture alliance/dpa

Merz sieht seine Scherze missverstanden

Anstatt über seine politischen Themen muss Merz wegen beiläufiger Bemerkungen immer wieder über sich selbst reden. "Die Bereitschaft für Humor und Ironie in dieser Gesellschaft ist unterentwickelt. Wenn Sie so etwas in Großbritannien gesagt hätten, hätte sich nie jemand darüber aufgeregt", sagt er. Damit könnte Merz zum Beispiel seinen Scherz nach dem angekündigten Rückzug Kramp-Karrenbauers von der CDU-Spitze im Februar meinen. Damals witzelte er, es sei reiner Zufall, dass Tiefs im Augenblick Frauennamen hätten - bald aber wieder Männernamen. Diese Episoden müssen ihm jedoch nicht zwingend geschadet haben, denn seine Anhänger dürften spätestens durch die lauten Kontroversen, die auf solche Äußerungen folgen, mobilisiert werden.

Und schließlich ist da einer, dem man eine gewisse Nähe nicht absprechen kann zum Kurs der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel: "Was passiert jetzt eigentlich, wenn die dann irgendwann nicht mehr da ist oder am Ende des Jahres aufhört? Und deshalb müssen wir ausstrahlen: Wir wählen jetzt nicht den Bruch mit Angela Merkel. Wir wählen eine Kontinuität!", sagt Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er ist der "Machtmenschliche" - so lautet jedenfalls der Titel einer neuen Biographie über ihn.

Laschet will mit Kontinuität punkten

Laschet stellt seine Regierungserfahrung in den Mittelpunkt, seine Qualitäten als Krisenmanager während der Corona-Pandemie - und sieht sich trotz Kritik durch das Ergebnis der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen vor zwei Wochen bestätigt: "Diese Wahl ist auch eine Anerkennung. Der Weg von Maß und Mitte bei der Pandemie war richtig, ist richtig und bleibt auch in Zukunft richtig in Nordrhein-Westfalen."

Und was für das bevölkerungsreichste Bundesland funktioniert, so die Logik, kann auch für den Rest der Republik nicht so schlecht sein. Laschet muss allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten, etwa bei den ostdeutschen Delegierten und bei denen aus Baden-Württemberg, die überwiegend als Merz-Anhänger gelten. Der liberale Laschet will als Mann der Breite überzeugen, der die unterschiedlichen Strömungen der Partei hinter sich vereinen kann. Er hat sich bereits früh der Unterstützung Jens Spahns versichert, der in dieser Runde nicht erneut für den CDU-Vorsitz kandidiert, sondern Laschets Vize werden will - ein Signal an die Konservativen in der Partei: Hier will einer integrieren, nicht spalten. Das könnte ein Vorteil sein.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. September 2020 um 09:34 Uhr.

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Moderation 28.09.2020 • 11:44 Uhr

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