Armin Laschet und Jens Spahn | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Laschet will CDU-Chef werden "Müssen Partei und Land zusammenführen"

Stand: 25.02.2020 11:14 Uhr

Im Rennen um den CDU-Vorsitz ist einiges klarer: NRW-Ministerpräsident Laschet kandidiert - mit Gesundheitsminister Spahn an seiner Seite. Röttgen will im Team mit einer Frau antreten.

Bei der CDU kommt es zu einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet erklärte, für die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer anzutreten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verzichtet zugunsten Laschets auf eine Kandidatur. Er soll dafür - falls Laschet Parteichef wird - Stellvertreter werden. Das teilten beide auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin mit.

"Wir müssen unsere Partei und unser Land wieder zusammenführen, und dafür will ich kandidieren", sagte Laschet. Er unterstrich, dass er als CDU-Vorsitzender auch den Anspruch hätte, Kanzlerkandidat der Union zu werden. Dies müsse dann aber von den Vorsitzenden von CDU und CSU entschieden werden.

Laschet kündigte an, er wolle sich als Parteichef für die Industrie stark machen. "Mein Plädoyer ist: Wir müssen Industrieland bleiben", betonte er. Deutschland steige gleichzeitig aus Atom- und Kohlestrom aus. "Wenn uns das nicht gelingt, wird keiner in der Welt folgen." Eine neue Dynamik in der Energiewende sei möglich.

In der Innenpolitik betonte er eine "Null Toleranz" gegenüber Straftätern. Zugleich müsse Deutschland aber ein "liberales, weltoffenes Land bleiben". Beides sei möglich.

Spahn: "Die CDU ist größer als jeder einzelne von uns"

Spahn erklärte, nicht für den CDU-Vorsitz zu kandidieren. "Es kann nur einen Parteichef geben." Das bedeute auch, dass jemand zurückstehen müsse. "Die CDU ist größer als jeder einzelne von uns". Deshalb unterstütze er Laschet. "Wir müssen mehr denn je zusammenstehen."

Die CDU befinde sich "in der größten Krise unserer Geschichte" und müsse für einen "weltoffenen Patriotismus" stehen, sagte Spahn. Die Partei habe viel Vertrauen verspielt, es sei zu wenig über Inhalte gesprochen worden und zu viel über Personalfragen.

Günther unterstützt Laschet

Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther begrüßte Laschets Kandidatur. "Das Team Armin Laschet/Jens Spahn ist in diesen Zeiten das richtige Signal und wird von mir ausdrücklich unterstützt", sagte Günther. "Laschet ist die integrative Persönlichkeit, die wir als Union nun brauchen." Er verbinde wie kein Zweiter die unterschiedlichen Flügel in der Union. Dies habe er im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen erfolgreich unter Beweis gestellt. Mit Spahn an der Seite werde die Bandbreite der Union gut abgebildet.

Nach Einschätzung von ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kristin Joachim ergibt die Absprache zwischen Laschet und Spahn Sinn: "Es war durchaus ein cleverer Schachzug von Laschet, Spahn mit ins Team zu holen, weil er damit einen großen Teil der NRW-CDU hinter sich vereinen kann." Die Führungsfrage sei damit aber auch zu einem Richtungsstreit in der Partei geworden: "Spahn und Laschet stehen für eine CDU der Mitte, Merz für eine CDU, die einen deutlich konservativeren Weg geht."

Norbert Röttgen | Bildquelle: dpa
galerie

Der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte als Erster seine Kandidatur angekündigt.

Röttgen will mit Frau an der Seite kandidieren

Zuvor hatte nur der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen seine Kandidatur bekannt gegeben. Er kündigte während der Pressekonferenz von Laschet und Spahn auf Twitter an, mit einer Frau in seinem Team anzutreten. Wer die Frau ist, ließ er noch offen.

Dass es nun zu einer Kampfabstimmung kommen wird, begrüßte Röttgen: "Mein Eindruck war, es soll irgendwie gesprochen werden hinter verschlossenen Türen - und auf einmal regeln sich alle Fragen", sagte der frühere Bundesumweltminister am Montagabend im ZDF. "Ich glaube, dass das dem Ernst der Lage nicht gerecht geworden wäre. Es wird ja jetzt auch anders sein."

Als Dritter erklärte anschließend der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz, dass er antritt. Laschet kritisierte indirekt seine Gegenkandidaten. "Ich bedaure, dass sich nicht alle Kandidaten diesem Teamgedanken anschließen konnten."

Kramp-Karrenbauer hatte am Montag angekündigt, dass sich mögliche Kandidaten noch in dieser Woche erklären wollen. Gewählt wird die neue Parteispitze auf einem Sonderparteitag am 25. April in Berlin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Februar 2020 um 09:00 Uhr.

Darstellung: