Armin Laschet besucht ein Krankenhaus | Bildquelle: dpa

Kandidaten für CDU-Vorsitz Schaulaufen in der Corona-Krise

Stand: 24.04.2020 09:33 Uhr

Eigentlich wollte die CDU morgen ihren neuen Vorsitzenden wählen. Doch Corona hat den Zeitplan durchkreuzt. Was wiederum den Kandidaten die Möglichkeit liefert, sich als Krisenmanager zu profilieren.

Eine Analyse von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Die Kandidaten sprechen nicht über ihre Ambitionen, aber jeder kann sie spüren. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch findet das schwierig: "Es ist außerordentlich problematisch, wenn die Corona-Krise zusammenfällt mit der Kür des CDU-Kanzlerkandidaten. Und da sind Herr Söder und Herr Laschet leider ein Stück weit verhaltensauffällig."

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet | Bildquelle: AFP
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Laschet drängt auf schnelle Lockerungen.

Es geht um Sympathie- und Umfragewerte. Der "verhaltensauffällige" Herr Söder fällt da als strenger Lockdowner auf, der "verhaltensauffällige" Herr Laschet hingegen eher als hastiger Lockerer. Armin Laschet sagt dazu:

"Das ist doch wirklich albern. Ich meine, das ist gar nicht populär und deshalb ist es mir völlig egal, ob mir das politisch nutzt oder nicht, ob das Umfragen nach vorne bringt oder nicht und ob jemand, der strenger ist, bessere Umfragen hat oder nicht - das ist mir ganz egal."

Merz setzt auf Wirtschaftsthemen

Das Kanzlerkandidaten-Schaulaufen ist tatsächlich im Moment egal. Laschet muss dazu erstmal CDU-Chef werden. Und das streben außer ihm ja noch zwei weitere Kandidaten an.

Friedrich Merz etwa. Ihm geht es wieder gut. Er war an Covid-19 erkrankt und durch Corona ins Abseits geraten. Laschet ist als Ministerpräsident und Krisenmanager derzeit omnipräsent. Merz versucht im Gespräch zu bleiben, gibt Interviews per Videoschalte - etwa bei n-tv. Der CDU-Vorsitz interessiere zur Zeit nicht, sagt Merz: "Wir haben in diesem Land zur Zeit ganz andere Probleme, die gelöst werden müssen. Wenn die Gesundheitsthemen im Griff sind, dann werden die Wirtschaftsthemen im Vordergrund stehen."

Heißt übersetzt: Er, Merz, wird später in der Krise als Wirtschaftsexperte gefragt sein. Zu einer Videokonferenz mit der Auslandspresse in Berlin schalten sich rund 40 Korrespondenten zu.

Warten auf die Fehler der anderen

Merz mischt mit. Anders als der dritte Kandidat, Norbert Röttgen. "Jetzt voran" war das Motto seiner Bewerbung um den Vorsitz der CDU Deutschlands. "Jetzt stillgestanden" ist der aktuelle Status des Außenseiterkandidaten. Röttgen werden ohnehin kaum Chancen eingeräumt. So bleibt ihm nur, auf Fehler der anderen zu warten.

Armin Laschet ist ein Fehler-Kandidat. Sein Kurs gilt als forsch. Zu forsch, sagt die Kanzlerin, ohne Laschet beim Namen zu nennen. Auf Twitter muss sich Laschet Häme und Spott gefallen lassen, weil er nicht weiß, wie man einen Mundschutz trägt. Laschet schlingert: Heute will er den Mundschutz freiwillig, morgen macht er ihn zu Pflicht.

Politiker legen Munschutzmasken an | Bildquelle: dpa
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Momente in Corona-Zeiten: Mit den obligatorischen Masken hat in diesen Wochen nicht nur Armin Laschet zu kämpfen.

Söder und der "nette Kollege aus NRW"

Berührungspunkte zwischen Laschet, Merz und Röttgen gibt es nicht. Sie sind auf Abstand. Anders als Laschet und Söder. "Das ist ein netter Kollege und wir verstehen uns gut", sagt Laschet über Söder. Was Söder tendenziell ähnlich sieht: Auch er spricht vom "netten Kollegen aus NRW" und schiebt hinterher: "Wir arbeiten alle hervorragend zusammen."

Die ziemlich netten Kollegen stehen unter Beobachtung. Ihr Krisenmanagement wird eine entscheidende Rolle spielen. Für Laschet im Dezember, wenn er sich zur Wahl als CDU-Chef stellt. Für Söder vielleicht im nächsten Jahr, wenn ein Merkel-Nachfolger gesucht wird. Ihr Regierungsmotto jedenfalls hat sich Söder schon zu eigen gemacht: "In der Ruhe liegt die Kraft."

Auch ohne Parteitag: C-Kandidatenschaulauf in der Corona-Krise
Sabine Henkel, ARD Berlin
24.04.2020 07:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Hörfunk am 24. April 2020 um 10:37 Uhr.

Korrespondentin

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Sabine Henkel, WDR

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