Schatten von Kanzlerin Merkel vor CDU-Logo | Bildquelle: REUTERS

Merkels Herausforderer Der Zwergenaufstand

Stand: 04.10.2018 20:24 Uhr

Der eine ist Student, der andere gestandener Unternehmer - beide haben sie ein Ziel: Sie wollen Merkel als Parteichefin stürzen. Aber haben die CDU-Herausforderer wirklich eine Chance?

Von Iris Marx, ARD-Hauptstadtstudio

Im September hat der unscheinbare Ralph Brinkhaus den gefühlt ewigen Fraktionsvorsitzenden Kauder erfolgreich herausgefordert, jetzt versuchen gleich zwei Mitglieder den ganz großen Wurf: Sie wollen Angela Merkel als Parteivorsitzende auf dem Bundesparteitag in Hamburg im Dezember ablösen.

Herausforderer Knoop

Der erste Herausforderer ist Jan-Philipp Knoop, 26 Jahre alt, er studiert im 13. Semester Jura an der Freien Universität Berlin. Knoop hatte während der Schulzeit keine Poster von CDU-Granden an der Wand hängen. Wirklich bekannt ist das bislang ja auch nur von Markus Söder, der Franz-Josef-Strauß in seinem Kinderzimmer hängen hatte.

Jan-Philipp Knoop | Bildquelle: dpa
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Einer von Merkels Herausforderern: Jan-Philipp Knoop

Knoop ist erst Anfang 2017 so richtig in der CDU aktiv geworden. Er engagierte sich im CDU-Ortsverband Kleistpark. Aber seine Ideen und Vorschläge blieben dort offenbar meist ungehört. "Es kam nie etwas zurück", sagt Knoop im Gespräch mit tagesschau.de. "Nach ein, zwei Bier mit einem Parteifreund im Mai kam ich dann auf die Idee, mich über Facebook stärker zu vernetzen."

Inzwischen hat Knoop dort mehr als 4000 Likes. Die Zahl der Likes und auch Follower ist eine Währung im politischen Betrieb geworden und entscheidet darüber, wie viele Menschen mit einem Post erreicht werden. Allerdings: Angela Merkel erreicht ungefähr 2,5 Millionen User auf Facebook.

Idee kam nach Wahl von Brinkhaus

Über seine Chancen, Merkel nach 18 Jahren an der Parteispitze zu verdrängen, sagt er: "Ich weiß, dass es ein Griff nach den Sternen ist, aber ich will die Aufmerksamkeit jetzt für mich nutzen und für meine Positionen werben." Einer dieser Positionen ist, dass der Jura-Student mit der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin unzufrieden ist. "Wir waren früher die Partei der inneren Sicherheit, das haben wir jetzt verbockt." Er stellt sich hinter den umstrittenen Bundesverfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen.

Es war dann die überraschende Wahl von Brinkhaus zum neuen Fraktionsvorsitzenden, die bei ihm auslöste, es doch auch zu probieren - und zwar direkt bei Merkel als Parteivorsitzende.

Kann Knoop kandidieren?

Er weiß, dass seine Chancen überschaubar sind. Im Moment ist noch nicht einmal klar, ob er überhaupt antreten kann. Denn beim Parteitag sind grundsätzlich nur Delegierte zugelassen. Also solche Parteimitglieder, die von ihren Orts-, Kreis- oder Landesverbänden dorthin entsendet, sprich delegiert, werden. Sie sind es, die den neuen Parteivorstand wählen.

Das Statut der CDU fordert alle zwei Jahre diese Wahl. Die Frage, wer sich zur Wahl stellen kann, regelt das Statut allerdings nichts. Die CDU-Pressestelle sagt, dass die Kandidaten entweder von den Delegierten oder von Vereinigungen der Partei wie zum Beispiel der Jungen Union vorgeschlagen werden müssen. Knoop kann beides noch nicht vorweisen.

Herausforderer Ritzenhoff

Kandidat Nummer 2 ist Andreas Ritzenhoff, 61 Jahre alt, aus Hessen. Er sagt von sich, dass er schon lange politisch aktiv sei. Aber parteipolitisch ist er ein richtiger Newcomer - erst seit Anfang 2018 ist er bei der CDU. Ritzenhoff ist Geschäftsführer eines Unternehmens im Bereich Aluminiumdesignprodukte.

Bei den politischen Themen treibt Ritzenhoff unter anderem Europa um: "Ich sehe viele Bücher, die sich mit dem Niedergang des Westens beschäftigen. Das besorgt mich", sagt er. "Ich will, dass die bald in der History-Abteilung verschwinden und wir vom Wiederaufstieg des Westens reden."

Andreas Ritzenhoff, CDU-Mitglied, steht in Berlin am Rande der Reinhardtstraße. | Bildquelle: dpa
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Merkel-Herausforderer Ritzenhoff: Er sorgt sich um Europa.

Mission erfüllt

Ritzenhoff möchte sich über die Frage, ob er genug Unterstützung für eine Wahl im Dezember hat, heute noch nicht so viele Gedanken machen.

Wie Knoop gehe es ihm mehr darum, dass er für seine Themen, seine Positionen Gehör findet. Wenn das das Ziel der Mission war, dann kann man heute schon sagen: mission accomplished. Sogar die "Washington Post" hat über die beiden berichtet.

Aus dem Nichts

Der Vergleich mit Brinkhaus hat allerdings einen Haken: Brinkhaus ist schon seit fast zehn Jahren Mitglied im Deutschen Bundestag und war bereits seit vier Jahren stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

So ganz aus dem Nichts ist er nicht gekommen. Richtig gefährlichen werden Ritzenhoff und Knoop der Kanzlerin wohl eher nicht. Aber bei der CDU weiß man in Zeiten wie diesen nie.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Oktober 2018 im "Mittagsecho" ab 13:05 Uhr.

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