Spahn, Laschet und Merz | Bildquelle: dpa

Kandidaten für CDU-Vorsitz Wo sind die Frauen?

Stand: 21.02.2020 10:43 Uhr

Vier Männer und keine Frauenquote: In das Rennen um die Nachfolge von Kramp-Karrenbauer hat sich bisher keine Frau eingemischt, trotz jahrelanger weiblicher Führung. Woran liegt das?

Von Ann-Kristin Schenten, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet, Jens Spahn, Friedrich Merz, Norbert Röttgen: vier Mal Männer, vier Mal NRW. Sie sind im Gespräch um den Parteivorsitz der CDU. Von einer Frau ist nicht die Rede. Dabei ist die CDU derzeit ja - noch - sehr weiblich.

Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen stehen für die Partei wie kaum andere Politiker. Nadine Schön sitzt seit 11 Jahren für die CDU im Bundestag und glaubt nicht, dass ein männlicher Vorsitzender etwas an diesem Bild der CDU verändern wird. Wichtig sei, das Thema nicht aus den Augen zu verlieren, sich weiterhin breit aufzustellen - für Männer und Frauen, sagt sie.

"Und eben auch das weiterführen, was Angela Merkel ja angefangen hat - dass eben das Kabinett weiterhin paritätisch besetzt ist. Und das wir das auch auf die Landesregierungen und die Listenaufstellungen runterbrechen."

Magwas: Frauenförderung muss stattfinden

Gerade einmal jedes vierte CDU-Mitglied ist weiblich. Dass zurzeit keine Frau im Gespräch für den Parteivorsitz ist, ist für die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas auch ein Symptom - in Deutschland gibt es in keinem Bundesland zurzeit eine CDU-Ministerpräsidentin.

Frauenförderung müsse von unten stattfinden, findet Magwas: "Wie dann auch Frauenförderung in der Partei von unten angesprochen wird. Dass wir vielleicht als Union in Zukunft wieder Ministerpräsidentinnen stellen können. Oder auch dass die Anzahl der Bürgermeisterinnen steigt. Wir haben bis jetzt zehn Prozent Bürgermeisterinnen überhaupt in Deutschland."

Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen und Angela Merkel | Bildquelle: imago images / Xinhua
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Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen stehen für die Partei wie kaum andere Politiker.

Familienfreundlicher Politikbetrieb gefordert

Dazu gehöre auch dass Sitzungszeiten mit einem festen Ende geplant werden würden. Dass Politikerinnen und Politiker mit Kindern oder pflegebedürftigen Familienmitgliedern besser in die politische Arbeit mit eingebunden würden, erklärt Magwas.

Kinderbetreuung, die Möglichkeit einer Abstimmung im Plenum via Skype - wenn man die Möglichkeiten, auch die der Digitalisierung nutze, könne man Volkspartei der Mitte bleiben, stellt die CDU-Politikerin fest.

Nein zur Frauenquote aber faire Verteilung der Listenplätze

Bei der letzten Bundestagswahl haben deutlich mehr Frauen die CDU gewählt als Männer. Die Frauen-Union warnt deshalb davor, diese zu verprellen, wenn es keine weiblichen Identifikationspersonen mehr an der Spitze der Partei gibt.

Die Bundeskanzlerin ist so eine Figur. Ursula von der Leyen war es, während ihrer Zeit als Familienministerin.

Nathalie Herberger von der Jungen Union wünscht sich selbstbewusste Nachwuchspolitikerinnen, die sich später für ebensolche Führungsposten bewerben: "Wenn eine Frau gefragt wird, ob sie Kreisvorsitzende werden möchte, überlegt sie, ob sie das managen kann, ob sie sich das zutraut, ob sie selbstbewusst genug ist. Ein Mann schreit sofort ja. Und ich glaube, da muss mehr getan werden."

Für eine Frauenquote innerhalb der CDU sei sie trotzdem nicht, sagt Herberger. Die ist in der Union auch nicht in Sicht, aber: die CDU will ihre Listenplätze für die Bundestagswahl künftig immerhin gerechter zwischen Männern und Frauen aufteilen. Dazu hat sie eine Kommission eingerichtet.

Trotzdem gibt es bisher keinen Vorschlag für eine Frau, die den Posten der CDU-Parteivorsitzenden übernehmen könnte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Februar 2020 um 12:20 Uhr.

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