Eine Menschengruppe steht vor einem CDU-Logo. | Bildquelle: dpa

CDU Das Brodeln an der Basis

Stand: 04.11.2018 15:37 Uhr

Im Dezember entscheidet die CDU über ihren neuen Chef. Mehrere Bewerber gibt es, doch wer führt die CDU in die richtige Richtung? Da liegen die Meinungen an der Basis weit auseinander.

Von Iris Marx und Lea Busch, ARD-Hauptstadtstudio

Die Junge Union Neckar Enz bei ihrem alljährlichen Kleinkaliberschießen. Das Gewehr im Anschlag, das Ziel klar vor Augen und Schuss. Die Vorsitzende Fridericke Jähnichen hat fast mitten ins Schwarze getroffen. Ihre Freude ist groß.

Und irgendwie ist dieser Treffer auch ein Symbol: Die Mitte! Diese Ausrichtung wünscht sich Jähnichen auch wieder von ihrer Partei: "Wichtig ist, die Mitte der Gesellschaft wieder zu erreichen", sagt die 26-Jährige. "Die haben wir in letzter Zeit immer mehr verloren." Sie lädt das Gewehr noch einmal nach.

Für Jähnichen ist bereits jetzt klar, dass diese Mitte Friedrich Merz am ehesten treffen kann. Aber nicht, weil der 62-Jährige eine andere oder bessere Politik machen kann: "Wir brauchen einfach einen neuen Kopf." Dass er lange nicht politisch aktiv war, sieht sie als Vorteil.

CDU und SPD stecken bei Klausuren Kurs ab
tagesschau 20:00 Uhr, 04.11.2018, Kirsten Girschick, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die Jungen wünschen sich Merz

Hauptsache neu, das steht hier im Fokus. Und der Wunsch, wieder geschlossener zu werden. Das ist ein wichtiger Punkt für die Gruppe aus dem kleinen Ort in Baden-Württemberg. Sie fühlten sich bei manchen Entscheidungen von Merkel nicht genügend einbezogen, so wie etwa bei der Migrationspolitik.

Merkel hätte sich mehr in der Partei abstimmen müssen, meint JU-Mitglied Lukas Tietze. "Mit Sicherheit ist bei der Migrations- und Flüchtlingskrise nicht alles korrekt gelaufen." Mehr Absprache hätte sich sein Parteikollege Richard Grill in Sachen Umweltpolitik gewünscht: "Fukushima, da haben wir von einem Tag auf den anderen den Atomausstieg beschlossen, ohne Plan und mit dem Ergebnis, dass wieder mehr Kohlemeiler ans Netz müssen."

Tietze hat inzwischen vom Luftgewehr zur Pistole gewechselt, es knallt im Raum. Die Politik macht eine kurze Pause. Beim Mittagessen wird noch einmal lebhaft diskutiert, trotzdem sind sie sich hier alle einig: Friedrich Merz sei jetzt der richtige Mann. Die meisten hier sind unter 30. Kaum einer hat Merz in seiner heißen politischen Phase richtig miterlebt. Aber er lässt sie träumen von den Zeiten, als die CDU noch bei knapp 40 Prozent stand.

Sendungsbild
galerie

Fridericke Jähnichen von der Jungen Union beim Kleinkaliberschießen: "Wir brauchen einfach einen neuen Kopf."

Prominenter Gast beim Südpfalztreffen

Einen Tag später und rund Hundert Kilometer weiter findet im pfälzischen Landau das traditionelle Südpfalztreffen statt. Die Veranstaltung ist eigentlich immer gut besucht. Vor zwei Jahren war sogar einmal die Kanzlerin da, "da war es schon heftig", sagt Mitveranstalterin Dorothea Müller, "aber heute, wenn die Kramp-Karrenbauer kommt, ist es sogar noch mehr."

Es ist der erste öffentliche Auftritt von "AKK", nachdem sie ihre Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben hat. Eigentlich hat die CDU-Generalsekretärin schon vor Monaten zugesagt, eine Rede zum Ehrenamt zu halten. Der helle Saal ist bereits eine Stunde vor ihrer Ankunft gut gefüllt. Mit etwas Bier und Wein überbrücken die Gäste die Zeit, bis es losgeht. Ein klarer Favorit für die Merkel-Nachfolge zeichnet sich unter ihnen noch nicht ab.

Der Wunsch nach Erneuerung steht im Mittelpunkt

Einer, der sich positioniert ist Mike Kaufmann. Er ist für Gesundheitsminister Jens Spahn, den dritten Anwärter. "Er bringt vielleicht frischen Wind in die CDU rein." Melanie Simon findet, dass nach 18 Jahren nicht mehr unbedingt eine Frau die Partei lenken muss. Mehr als konkrete Themen steht hier der Wunsch nach Erneuerung im Mittelpunkt.

Annegret Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: dpa
galerie

Annegret Kramp-Karrenbauer kommt beim Südpfalztreffen der CDU gut an.

Friedrich Merz | Bildquelle: dpa
galerie

Die Junge Union Neckar Enz einigt sich auf Friedrich Merz als Favoriten.

Jens Spahn | Bildquelle: REUTERS
galerie

Jens Spahn ist der jüngste Kandidat. Einige an der Basis wünschen sich frischen Wind.

Um kurz vor 19 Uhr startet dann das Blitzlichtgewitter. Kramp-Karrenbauer betritt die Jugendstil-Festhalle. In ihrer Rede geht sie nicht direkt auf ihre Kandidatur ein: "Ich muss alle die, die mit dieser Erwartung gekommen sind, heute Abend enttäuschen und hoffe auf Ihr Verständnis." Zwischen den Zeilen lässt Kramp-Karrenbauer aber durchaus Akzente erkennen. Zum Thema Armut etwa: "Das kann uns nicht ruhen lassen, weil darin auch ein Sprengsatz beinhaltet ist. Und wenn wir über soziale Ausgrenzung in diesem Zusammenhang reden, über 15,5 Millionen Menschen, dann reden wir nicht nur über Erwachsene, dann reden wir auch über eine große Zahl von Kindern."

"AKK kommt gut rüber"

Eine mögliche Positionierung, die weit weg von Spahn und Merz liegt, die eher mit Migration und Wirtschaft aufschlagen. Ihre Anhänger hat Kramp-Karrenbauer heute mit ihrer Rede nicht enttäuscht. "AKK kommt gut rüber. Sie ist eine toughe Frau. Und deswegen finde ich sie gut", sagt Hans Herbst. Die Ähnlichkeit mit Merkel störe nicht, auch nicht die damit verbundene Politik.

Nanni Silvanus findet sogar, dass Merkel doch eigentlich wenig falsch gemacht habe. "Frau Merkel war nur menschlich. Sie hat das gemacht, was eine Regierungschefin von der CDU und als christlicher Mensch machen musste." Aber auch sie sieht die Notwendigkeit für einen Wechsel.

Spahn, Merz oder Kramp-Karrenbauer - kaum einer erwartet hier von ihnen eine komplette politische Neuausrichtung. Nur irgendwie anders und vor allem wieder Volkspartei soll sie werden, ihre CDU.

Mehr zu diesem und weiteren Themen heute um 18.30 Uhr im Bericht aus Berlin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2018 um 17:15 Uhr.

Darstellung: