Menschen stehen vor einem CDU-Logo. | Bildquelle: dpa

CDU-Strategie Mit neuem Kurs in Richtung Heimat

Stand: 24.02.2018 16:27 Uhr

Mit der Rückbesinnung auf Begriffe wie "Heimat" und "Leitkultur" erhoffen sich die Konservativen in der CDU auch Stimmen von ehemaligen AfD-Wählern. Doch der neue Kurs birgt Risiken.

Von Volker Schwenck, ARD-Hauptstadtstudio

Der süddeutsche Abgeordnete Armin Schuster lächelt zufrieden in seinem übersichtlichen Berliner Abgeordneten-Büro. Zufrieden und sehr selbstbewusst. Früher, sagt er, habe man ja die Begriffe Heimat und Werte öffentlich gar nicht in den Mund nehmen dürfen. Sofort habe man sich in einer bestimmten Ecke wiedergefunden, in der man gar nicht sein wollte. Aber jetzt sei alles anders. "Zum Glück haben wir in Deutschland gerade eine Renaissance. Die Gesellschaft empfindet es als wichtig, dass wieder der Fokus gelegt wird auf Begriffe wie Leitkultur, wie Heimat, Recht und Ordnung, öffentliche Sicherheit."

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn | Bildquelle: REUTERS
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Will die AfD überflüssig machen: Finanzstaatssekretär der Union Jens Spahn.

Jens Spahn gilt als Frontmann dieser konservativen Bewegung innerhalb der CDU. Er scheut sich nicht, Themen anzusprechen, die in der Regel eher am rechten Rand des Parteienspektrums gehegt und gepflegt werden. Es gebe ein "wahnsinniges Bedürfnis nach Heimat, Geborgenheit, Übersichtlichkeit", ruft er beim politischen Aschermittwoch im thüringischen Apolda einer jubelnden Menge zu. Dieses Bedürfnis soll offenbar auch die CDU wieder vermehrt befriedigen.

"In der Mitte schießt du die Tore"

Armin Schuster ist froh, dass Spahn der Bewegung Stimme und Gesicht gibt. Schuster gehörte während der sogenannten Flüchtlingskrise zu den schärfsten Kritikern seiner Parteivorsitzenden. Der Innenexperte ist fußballbegeistert, in seinem Büro sitzt ein Stofftier mit dem Schal des Freiburger SC. "Darf ich es in der Fußballersprache sagen? In der Mitte schießt du die Tore. Die Vorbereitung aber geht am besten über den rechten und den linken Flügel."

Armin Schuster | Bildquelle: dpa
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Der CDU-Abgeordnete Armin Schuster gehörte während der sogenannten Flüchtlingskrise zu den schärfsten Kritikern der Kanzlerin.

Am rechten Rand also soll die CDU neue Siege vorbereiten - und dabei Wähler der AfD zurückgewinnen. Wobei Schuster jeden AfD-Wähler gar nicht haben will. Manche sind offenbar derart weit rechtsaußen unterwegs, dass sie auch für den wertkonservativen Schuster nicht in die CDU zu integrieren sind. Doch bei einigen Abgeordneten der AfD will er schon Zeichen der "Verwirrung" festgestellt haben. Es gebe eine Gruppe von Wählern und Politikern der AfD, die irgendwann begreifen würden, wie plump die AfD sei, und die man gewinnen könne. Ob er davon ausgeht, dass die verwirrten AfD-Abgeordneten ins CDU-Lager wechseln, lässt Schuster im Ungefähren.

Heimisch in der Fremde werden

Aber der Kurs ist nicht ohne Risiko. Erstens ist der Begriff "Heimat" nicht so einfach und unkompliziert, wie es scheint, sagt Langner. Der muss es wissen, von Berufs wegen, denn er ist Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbundes. Die Organisation mit Sitz in Stuttgart beschäftigt sich mit Denkmalschutz, Landesgeschichte und Naturschutz in Baden-Württemberg. Heimat, so Langner, ist Mensch und Kultur, Natur und Landschaft, Gebäude, Vergangenheit und Gegenwart. Also ganz vieles, ganz Individuelles und sehr Wechselhaftes. Man kann heimisch werden, wo man vorher fremd war.

Dafür, dass er so wichtig ist, ist der Begriff "Heimat" ganz schön unscharf. "Heimat ist etwas, was die Menschen, die an einem Ort in einem Zusammenhang zusammenkommen, daraus machen," fasst Langner zusammen. Zweitens geht es bei der aktuellen Debatte in der CDU nicht nur um den Begriff "Heimat", sondern auch um Leitkultur, öffentliche Sicherheit und Werte. Preußische Tugenden wie Anstand, Pünktlichkeit, Sauberkeit. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass diese Begriffe etwas meinen, das an sich schlecht wäre.

"Heimat und Leitkultur passen nicht zusammen"

Doch "Heimat" ist ein Wohlfühlwort, das einen Sehnsuchtsort bloß beschreibt. "Leitkultur" hingegen hat das Leiten schon im Begriff - da wird festgelegt, wie etwas sein soll. Bei den Tugenden ist das nicht anders. "Heimat und Leitkultur passen nicht zusammen", sagt Bernd Langner. "Leitkultur setzt voraus, dass es Menschen gibt, die sagen, wie es zu sein hat. Und Heimat kann nicht etwas sein, das von jemandem oder einer Gruppe definiert wird, und alle hätten sich danach zu richten."

Und drittens kann das Fischen am trüben rechten Rand auch schiefgehen. Wer die "deutsche Heimat" schon gewohnheitsmäßig für den politischen Kampf missbraucht, der wird sich auch künftig nicht mit der Vielschichtigkeit des Begriffs aufhalten. Die AfD kann sich freuen, dass jetzt vermeintlich auch die CDU den gleichen Boden beackert. So falsch kann man also offenbar nicht liegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2018 um 16:00 Uhr.

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