Autos fahren am frühen Morgen an der CDU-Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus, vorbei. | dpa
Analyse

CDU und das Saar-Debakel Möglichst schnell vergessen

Stand: 27.03.2022 22:12 Uhr

Ein vermurkster Wahlkampf und mangelnde Rückendeckung aus Berlin: Die CDU hat die Wahl im Saarland schon früh abgeschrieben und setzt jetzt auf zwei hoffnungsvollere Landespolitiker.

Eine Analyse von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

So still war es im Konrad-Adenauer-Haus an einem Wahlabend wohl selten, selbst an den schlechten Tagen nicht. Es war schlichtweg leer. Der Parteichef Friedrich Merz verweilte in seiner Heimat - keine Interviews zur Saarland-Wahl.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Nicht mal eine handvoll Mitglieder aus Präsidium und Bundesvorstand waren anwesend. Eine Niederlage mit Ansage wollten oder sollten heute nur zwei erklären, der neue Generalsekretär Mario Czaja und der neue stellvertretende Bundesvorsitzende Andreas Jung. Wie groß oder klein, wie bedeutend oder weniger bedeutend das Saarland aus Sicht der Bundes-CDU an diesem Abend auch sein mag.

Dieses Wahldebakel kommt dem frisch gewählten CDU-Chef ungelegen. Merz war zuletzt nicht mal mehr ins Saarland gereist, um noch einmal mit Verve für den Ministerpräsidenten zu werben. Intern gab es Unmut über den Wahlkampf der Saar-CDU. Von Mobilisierungsschwierigkeiten war da die Rede.

Frustrierte Wahlkämpfer im Westen der Republik

Im Adenauer-Haus suchte man schnell Distanz, so schnell wie selten vor einer Landtagswahl. Der Schuldige stand öffentlich schon fest, bevor er überhaupt verlieren konnte. Da klingt es fast wie Hohn, wenn heute Czaja und Jung gebetsmühlenartig den Satz abrufen: "Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen."

Wochen zuvor wurde der Abstand zur CDU im Saarland größer und größer. Auch weil die Wahlkampfstrategien nicht zueinander passen wollten. Da hat es der amtierende Ministerpräsident den eigenen Leuten im Adenauer-Haus tatsächlich nicht leicht gemacht. Dem Wahlkampf im Saarland fehlte der Biss. Dazu kamen handwerkliche Fehler. Das Selfie über die Spritpreise ließ Tobias Hans nicht gut dastehen.

Sinnbild für einen vermurksten Wahlkampf

Vieles an dieser Wahlschlappe ist hausgemacht in der Saar-CDU. Doch die Bundes-CDU hat sich um das "schwarze Schaf" zuletzt auch nicht sonderlich bemüht. Dass es irgendwie nicht rund läuft, war schon bei der Bundesvorstandsklausur in Saarbrücken zu spüren. Eine angekündigte Diskussionsrunde mit Betriebsräten, eine echte Debatte, mit Streit um Inhalte, gab es nicht.

So hatte sich das Adenauer-Haus die Veranstaltung vorgestellt. Am Ende war es eine Parteiveranstaltung mit Reden von Hans und Merz, wo nicht einmal mehr der Wahlkampfmotor, die Junge Union, Lust hatte zu klatschen. Die eigens angefertigten Handschilder mit der Aufschrift "Hans wählen" blieben auf den Stühlen liegen. Ein Sinnbild für einen vermurksten Wahlkampf.

Die Hoffnungen ruhen auf Günther und Wüst

Jetzt wollen sie schnell nach vorn schauen. Nach dem Motto: Augen zu und durch sollen jetzt Erfolge her. In Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen müssen sich die Amtsinhaber, Daniel Günther und Hendrik Wüst, behaupten. Die Chancen, dass die CDU dort ihre Ministerpräsidenten verteidigen kann, stehen bislang gut.

Auch weil beide einen landespolitischen Kurs fahren. Vor allem von Günther war auf Bundesebene die letzten Wochen und Monate wenig zu hören. Der Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein setzt auf seinen Amtsbonus. Doch ein Selbstläufer wird es auch für ihn nicht.

Für Wahlerfolge im Norden und im Westen braucht es jetzt auch auf Bundesebene eine inhaltliche Kraftanstrengung. Was fehlt, ist der Auftakt der angekündigten Programmkommission. Wofür steht die CDU von Friedrich Merz? Das müssen die Parteistrategen im Adenauer-Haus klären. Denn ganz ohne Rückenwind aus Berlin ist jede Landtagswahl schwierig. Schließlich wollen sie nach dem einsamen Verlieren heute an der Saar künftig wieder gemeinsam Erfolge feiern.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. März 2022 um 23:00 Uhr.