Cannabis ist auch für medizinsche Zwecke gefragt.  | Bildquelle: dpa

Junge Start-ups Karriere mit Cannabis

Stand: 11.04.2017 00:51 Uhr

Die Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke hat einen Gründer-Boom ausgelöst. Neue Pharmaunternehmen und Therapiezentren hoffen auf einen Millionen-Umsatz. Ein Kongress in Berlin soll beim Start in einen neuen Markt helfen.

Von Maiken Nielsen, tagesschau.de

Dana Rohrabacher gilt als Mann mit starken Überzeugungen. Der republikanische Abgeordnete spricht sich öffentlich für Donald Trump, für Breitbart-News - und für Cannabis aus. Auf der Cannabis Business Conference in Berlin will er darlegen, warum der medizinische Einsatz von Marihuana heute so wichtig ist, und warum es sich lohnt, in den Anbau zu investieren.

Dana Rohrabacher | Bildquelle: imago stock&people
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Dana Rohrabacher - der republikanische Abgeordnete und frühere Sprecher von Präsident Reagan setzt jetzt auf Marihuana.

"600 Euro Teilnahmegebühr", winkt Vaclav Wenzel Cerveny ab. "Das ist in erster Linie für Amerikaner, die jetzt das große Geld wittern. Da müssen wir nicht dabei sein." Der Start-up-Gründer plant derzeit in München das deutschlandweit erste Cannabis-Therapie- und Informations-Centrum (CTIC). Per Crowdfunding hat der Gastronom bereits knapp 28.000 Euro zusammenbekommen, die Eröffnung ist schon für den kommenden Monat geplant. 

"Wir müssen einen neuen gesellschaftlichen Umgang mit Cannabis lernen", sagt er an seinem Informationsstand in der Münchner Innenstadt. "Cannabis ist hoch wirksam im Einsatz gegen Schmerzen und in der Rheumatherapie." Das möchte Cerveny in seinem geplanten Centrum auch zeigen. Eine medizinische Praxis soll Patienten beraten und ihnen Cannabinoide verschreiben können. Wirkstoffe also, die herkömmliche Schmerzmittel ersetzen. In einem Hanfrestaurant mit Bühne sollen Gäste ärztliche Vorträge hören können.

Und für das etwas herkömmlichere Einkaufserlebnis bietet er ein Modegeschäft an, das Kleidung aus Hanf vertreiben wird. Vormittags will er außerdem Schulklassen einladen, um sie über die biologischen Besonderheiten von Cannabis aufzuklären - aber auch über die Gefahren. "Bloß nicht rauchen", ist sein Rat an Teenager. "Cannabis ist im Zusammenhang mit Tabak Gift. Wobei eben vor allem der Tabak das Gift ist." Nachmittags und abends will er Senioren empfangen, um sie für den medizinischen Einsatz von Marihuana zu erwärmen.

Mit Cannabis gegen Parkinson?
nachtmagazin 00:15 Uhr, 11.04.2017, Lida Askari/Nil Cakmak, NDR

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Kosten für Cannabis von der Krankenkasse

Seitdem der Bundestag im März 2017 einstimmig das Gesetz "Cannabis als Medizin" beschloss, kommt Bewegung in die deutsche Hanf-Szene. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) richtete eine Cannabisagentur ein, um die Palliativversorgung von Patienten zu verbessern. Die Agentur sichert eine Qualitätskontrolle der Droge und gestattet Ärzten, Cannabis ganz legal zu verschreiben.

"Schwerkranke Menschen müssen bestmöglich versorgt werden. Dazu gehört, dass die Kosten für Cannabis als Medizin für Schwerkranke von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders wirksam geholfen werden kann", begründete Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Einrichtung der bundesdeutschen Cannabisagentur. Statt bisher 5000 Patienten könnten dann mehr als 800.000 von den neuen Medikamenten profitieren. Experten rechnen mit Umsätzen in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr, sollten Ärzte und Apotheker die geplanten Neuregelungen der Cannabisagentur umsetzen.

Eine Krankenschwester versorgt einen sterbenskranken Bewohner eines Hospizes, der im Bett liegt | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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5000 Patienten in Deutschland profitieren schon jetzt von Cannabis in der Palliativtherapie

Auch Banken ohne Berührungsängste

"Wir beobachten seit der Gesetzesänderung einen Trend", erklärt Cirino Marino von der Crowdfunding-Plattform transvendo. "Immer mehr Start-ups melden sich an, um in dem neuen Geschäftsfeld Cannabis tätig zu werden." Auch Nutzbauern beantragen Lizenzen, um Cannabis in pharmazeutischer Qualität anbauen zu können. Bislang darf der Anteil von Tetrahydrocannabinol in Hanfblüten nicht 0,2 Prozent übersteigen, das soll sich nun aber ändern, damit Cannabis wirksam in der Schmerztherapie eingesetzt werden kann.

Übrigens: Eine traditionelle Bank wie die Hamburger Sparkasse würde Gründer, die mit THC-haltigen Produkten handeln wollen, mit Krediten unterstützen. "Wir haben da keine Berührungsängste", sagt Stefanie Huppmann vom Haspa StartUp-Center. "So lange sich das Geschäft im legalen Rahmen bewegt." Letztlich wird es in Deutschland aber "nur eine Handvoll Unternehmen geben, die im Zuge der offiziellen Ausschreibungen der Cannabisagentur zum Zuge kommen", schätzt Dirk Rehahn, Mitbegründer des Deutschen Hanfverbands.

Für Cerveny ist es ein Segen, dass der Einsatz von Cannabis in der Schmerztherapie legalisiert wurde. Seine Mutter leidet an Rheuma und Alzheimer. "Nach neun Monaten Behandlung mit hochkonzentrierten Cannabisblüten, die in Alkohol destilliert werden und die man dann in Speisen träufelt, konnte sie wieder den Arm heben und sogar ein paar Worte sprechen. Ich bin sehr dankbar für diese Therapie."

"Endloses Potenzial"

Dass Marihuana nicht nur in der Krankenpflege eingesetzt werden kann, daran erinnert auf der internationalen Cannabis Business Conference "Kifferlegende" Tommy Chong. Der Auftritt des 79-jährigen kanadischen Musikers und Schauspielers, der die grünen Blätter schon als Hippie in den 1960ern konsumierte, zieht auch das "traditionelle" Publikum auf den Kongress.

Tommy Chong | Bildquelle: imago/ZUMA Press
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Tommy Chong gilt bei Cannabis-Konsumenten als Legende.

Gemeinsam mit dem Republikaner und Breitbart-News-Befürworter Rohrabacher tritt er auf der Konferenz als Sprecher auf. Rohrabacher sieht in der amerikanischen Marihuana-Industrie einen echten Wirtschaftsmotor, den auch Präsident Trump unterstützen wird, da ist er sicher. "Ein riesiger neuer Markt mit endlosem Potential", so wirbt die Cannabis Business Conference auf ihrer Webseite. "Mit einem Potential, Menschen zusammenzubringen, die sich normalerweise hassen", kommentiert das ein Konferenzteilnehmer lapidar.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 10. April 2017 um 00:15 Uhr.

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