Cannabis ist auch für medizinsche Zwecke gefragt.  | Bildquelle: dpa

Beschluss des Bundestags Cannabis auf Rezept künftig erlaubt

Stand: 19.01.2017 13:36 Uhr

Schwer kranke Menschen können Cannabis künftig auf Rezept in der Apotheke erhalten. Ein entsprechendes Gesetz von Gesundheitsminister Gröhe hat der Bundestag verabschiedet. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.

Der Bundestag hat einstimmig die Freigabe von Cannabis als Medizin auf Rezept beschlossen. Ärzte können damit schwerkranken Patienten künftig Cannabis verschreiben, wenn diese etwa unter chronischen Schmerzen und Übelkeit infolge von Krebstherapien leiden. Die Krankenkassen müssen die Therapie dann bezahlen.

Der Eigenanbau durch Patienten bleibt verboten. Mit der im März in Kraft tretenden Gesetzesänderung wird auch eine Begleitstudie begonnen, um weitere Erkenntnisse über die Wirkung von Cannabis zu gewinnen.

Bundestag beschließt Cannabis auf Rezept für Schwerkranke
tagesschau 20:00 Uhr, 19.01.2017, Arnd Henze, ARD Berlin

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Lob auch von der Opposition

Die Opposition lobte die Koalition für die Freigabe: Der Gesetzentwurf lasse "wenig Spielraum zum Meckern", sagte der Drogenexperte der Linkspartei, Frank Tempel, bei der abschließenden Beratung im Bundestag. Mit einem überschwenglichen "Chapeau, Frau Mortler!" bedachte Grünen-Experte Harald Terpe die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU). Schwächen des ursprünglichen Gesetzentwurfs seien im parlamentarischen Verfahren behoben worden.

Die Gesundheitsstaatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) erläuterte, dass Schwerkranke etwa nicht austherapiert sein müssen, bevor ein Arzt Cannabis verschreibt. Der Arzt könne genau hinschauen und sagen, jetzt sei der Punkt erreicht.

Keine Ausnahmegenehmigungen mehr nötig

Derzeit haben gut 1000 Patienten eine Ausnahmeerlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zum Erwerb von getrockneten Cannabisblüten und Cannabisextrakten zur medizinischen Anwendung. Solche Genehmigungen sollen künftig nicht mehr nötig sein. Die Kosten mussten die Patienten in der Regel selbst tragen. Durch das Gesetz wird sich die Zahl der mit Cannabis behandelten Patienten nach Erwartung der Deutschen Schmerzgesellschaft voraussichtlich erhöhen.

Um die Versorgung sicherzustellen, wird der Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland ermöglicht. Geplant ist dazu der Aufbau einer staatlichen Cannabisagentur, die den Anbau und Vertrieb koordiniert und kontrolliert. Diese Aufgabe wird dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte übertragen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Januar 2017 um 14:30 Uhr.

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