Canisius-Kolleg in Berlin

Canisius-Kolleg in Berlin Mehr als 100 Missbrauchsfälle an Jesuiten-Schulen

Stand: 15.02.2010 18:44 Uhr

Am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin sind offenbar weit mehr Schüler sexuell missbraucht worden als bisher angenommen. Nach Angaben der Anwältin Ursula Raue, die vom Jesuiten-Orden mit der Untersuchung der Vorwürfe betraut wurde, sagte, bei ihr und beim Kolleg hätten sich bereits mehr als 100 Betroffene gemeldet.

Canisius-Kolleg in Berlin

Jahrelang wurde die Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg mit Schweigen bemäntelt.

Der Rektor des Gymnasiums, Pater Klaus Mertes, hatte der "Berliner Zeitung" zuvor gesagt, er halte es inzwischen für möglich, dass die Zahl der Opfer dreistellig sei. Auch die Berliner Anwältin Manuela Groll, die mehrere Opfer vertritt, sieht die Dimension des Falles wachsen. "Jeden Tag melden sich bei mir weitere Betroffene", sagte sie dem Blatt. Sie gehe längst von einer dreistelligen Opferzahl aus. Groll zeigte sich erfreut darüber, dass der Orden über eine finanzielle Entschädigung der Opfer nachdenke.

Die vom Jesuitenorden bestellte Missbrauchsbeauftragte Raue hatte zuletzt erklärt, 30 Betroffene hätten sie bisher kontaktiert. Mertes hatte Berichte über sexuelle Übergriffe zweier Patres am Canisius-Kolleg in den 70-er und 80-er Jahren öffentlich gemacht. In einem Brief an ehemalige Schüler der betroffenen Jahrgänge hatte er im Januar um Entschuldigung gebeten und dazu aufgerufen, das Schweigen zu brechen. Strafrechtlich sind die Fälle verjährt.