Die Hauptwache an der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall (Bayern)  | Bildquelle: picture alliance / Sven Hoppe/dp

Streit um Wehrmachts-Erbe "Bilderstürmerei" bei der Bundeswehr?

Stand: 16.05.2017 15:44 Uhr

Verteidigungsministerin von der Leyen will das Verhältnis der Bundeswehr zur Wehrmacht komplett neu gestalten. Doch Kritiker werfen ihr vor, über das Ziel hinauszuschießen. Ihr Vorgänger Scharping fühlt sich an eine Hexenjagd erinnert.

Die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angeordnete Suche nach Wehrmachts-Devotionalien bei der Bundeswehr stößt bei ihrem Vorgänger Rudolf Scharping auf scharfe Kritik. Der Ex-Verteidigungsminister bezeichnete das Abhängen eines Bildes des 2015 gestorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform als "empörend". Zudem sprach er von einer "bildstürmerischen Aktion". "Hexenverbrennung hätte man das früher wohl genannt", schrieb Scharping in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Helmut Schmidt im Frühjahr 1940 als Leutnant der Luftwaffe | Bildquelle: dpa
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Das Foto von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform.

Durchsuchungen abgeschlossen

Als Folge der Affäre um den unter Terrorverdacht stehenden rechtsextremen Oberleutnant Franco A. lässt die amtierende Verteidigungsministerin Kasernen und Liegenschaften der Truppe auch nach Andenken an die Wehrmacht durchsuchen. In der nach Helmut Schmidt benannten Bundeswehruniversität Hamburg wurde deshalb vergangene Woche ein Bild des Altkanzlers entfernt, weil es ihn in Wehrmachtsuniform zeigt. Das Bild hing im Flur eines Studentenwohnheims der Bundeswehruniversität. Bis heute sollten alle Standorte durchkämmt sein. Morgen will die Ministerin die Mitglieder des Verteidigungsausschusses informieren.

Kritik aus den Reihen der CSU

Nicht nur der SPD-Mann Scharping, sondern auch CSU-Politiker wehren sich dagegen, jedes Andenken an die Wehrmacht und ihre Soldaten zu verdammen. Politischer Missbrauch der Wehrmacht durch die Nationalsozialisten dürfe nicht zu einer "Pauschalverurteilung" führen, schrieb der Unionspolitiker Hans-Peter Uhl in einem Gastbeitrag für den "Münchner Merkur". "Dies fordert die Achtung gegenüber unseren Vätern und Großvätern."

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer sagte dem "Münchner Merkur", Millionen Deutsche bewahrten Fotos ihrer Väter in Wehrmachtsuniform auf. Diese seien "unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten eingezogen" worden. "Eine pauschale Verurteilung ihrer Väter empfinden viele Deutsche als ungerecht", so der CSU-Politiker.

Rudolf Scharping am 23.3.2013 | Bildquelle: dpa
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Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping spricht von "bildstürmerischen Aktionen" und "Hexenverbrennungen".

Neue Namen für Kasernen

Als Zeichen für einen neuen Umgang der Bundeswehr mit ihrer Tradition will von der Leyen auch die Namensgebung von Kasernen auf den Prüfstand stellen. Die Truppe müsse nach innen und außen klar signalisieren, dass sie nicht in der Tradition der Wehrmacht stehe. Mehr als 20 Kasernen sind heute noch nach Männern benannt, die einst in der Wehrmacht gedient hatten. Seit 1995 sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereits 16 Kasernen umbenannt worden.

Die Umbenennung von Bundeswehrkasernen soll nach dem Willen der Regierung von den Soldaten vor Ort angestoßen werden. Sie könnten grundsätzlich mit Zustimmung des Verteidigungsministeriums nach bereits verstorbenen Persönlichkeiten der Geschichte, nach Landschaften, Regionen, Gemarkungen sowie nach Truppengattungen benannt werden. Bei der Beurteilung von Persönlichkeiten der Militärgeschichte zählten nicht nur die soldatische Haltung und militärische Leistungen, sondern die Persönlichkeit und das gesamte Verhalten seien ausschlaggebend.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Mai 2017 um 19:15 Uhr

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