Schutzbedürftige Menschen gehen kurz nach dem Flug aus Kabul zu einem Bus. (Archivbild vom 26.08.2021)  | dpa

Bericht zu Afghanistan Bundesregierung fliegt weiter Ortskräfte aus

Stand: 31.05.2022 07:30 Uhr

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan gibt es immer wieder scharfe Kritik am deutschen Umgang mit den ehemaligen Ortskräften. Laut Auswärtigen Amt werden jedoch weiterhin Tausende nach Deutschland ausgeflogen.

Die Bundesregierung fliegt weiterhin verfolgte Afghanen und ehemalige afghanische Ortskräfte mit deren Familien nach Deutschland aus. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Auswärtigen Amts. Demnach werden im Durchschnitt "etwa 200 Afghaninnen und Afghanen pro Woche allein aus Pakistan nach Deutschland gebracht.

Auch über den Iran würden demnach weiterhin regelmäßig Personen ausreisen. Laut Auswärtigem Amt konnten deutsche Visastellen seit der Machtübernahme der Taliban "mehr als 18.000 Visa für Ortskräfte, besonders gefährdete Personen, die eine Aufnahmezusage seitens der Bundesregierung erhalten haben, und deren Familienangehörige" ausstellen.

Allein Anfang 2022 seien innerhalb von zwei Monaten etwa 5000 Personen ohne Pässe bei der Ausreise aus Afghanistan auf dem Landweg und anschließend bei ihrer Weiterreise nach Deutschland unterstützt worden.

Alleinreisende Frauen haben es schwer

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hatte es immer wieder scharfe Kritik an der Evakuierungsmaßnahme der Bundesregierung gegeben. Noch immer halten sich laut Medienberichten afghanische Ortskräfte etwa der Bundeswehr in dem Land am Hindukusch oder in Nachbarstaaten auf. Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl hatte zuletzt angemahnt, die Ortskräfte und deren Angehörige in Afghanistan "nicht zu vergessen".

Vor allem für allein reisende Frauen ist es schwierig, überhaupt aus Afghanistan auszureisen. Seit der Schließung der Visastelle in der Hauptstadt Kabul im Jahr 2017 können Visa zur Familienzusammenführung an den Botschaften im indischen Neu-Delhi und im pakistanischen Islamabad beantragt werden.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass weiterhin Tausende Afghanen auf einen Termin zur Beantragung eines deutschen Visums zum Familiennachzug warten. Bei den zuständigen Visastellen an den deutschen Botschaften in Islamabad und Neu-Delhi sind derzeit knapp 5000 Personen registriert, wie aus einer der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger hervorging. Dabei betrage die Wartezeit mehr als ein Jahr.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Mai 2022 um 08:00 Uhr.