Bundeswehrstiefel | PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX

Nach Skandal in Litauen Bundeswehr zieht Panzergrenadierzug ab

Stand: 16.06.2021 16:13 Uhr

Rassistische Beleidigungen, Gewalt, sexuelle Nötigung: Wegen des Verdachts auf schweres Fehlverhalten unter deutschen Soldaten zieht die Bundeswehr einen ganzen Panzergrenadierzug aus dem NATO-Einsatz in Litauen ab.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Nach den für sie mehr als peinlichen Vorfällen in Litauen will sich die Bundeswehr zumindest nicht vorwerfen lassen, in der Folge tatenlos geblieben zu sein: Was die Hauptverdächtigen betrifft, so prüft das Verteidigungsministerium jetzt, ob diese fristlos entlassen werden können. Parallel dazu wird morgen der gesamte Panzergrenadierzug die Heimreise ins niedersächsische Munster antreten, insgesamt sind das rund 30 Personen.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Bei einer alkoholgeschwängerten Skandal-Party in einem litauischen Hotel Ende April sollen einige Kameraden rechtsextreme und antisemitische Lieder angestimmt haben, auch soll es zu einem Fall sexueller Nötigung gekommen sein. Einem Anfangsverdacht auf Straftaten wird nachgegangen. Wie der "Spiegel" berichtete, sollen Soldaten aus demselben Zug am 20. April ein "Geburtstagsständchen" für Hitler angestimmt haben.

Vorfälle könnten Verhältnis zu Litauen nachhaltig schaden

Im Laufe der Ermittlungen kam nun auch ans Licht, dass 569 Schuss Handwaffen-Munition bei der Bundeswehr in Litauen abhanden kamen. Ob sie entwendet oder einfach falsch verbucht wurden, wird nun geprüft.

"Das Fehlverhalten einiger Soldaten in Litauen ist ein Schlag ins Gesicht aller, die Tag für Tag in der Bundeswehr der Sicherheit in unserem Land dienen", erklärte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

In Berlin ist man vor allem deshalb alarmiert, weil die Vorfälle nicht nur dem Ansehen der Truppe, sondern auch dem Verhältnis zum EU- und NATO-Partner Litauen nachhaltig schaden könnten. Russland versucht seit langem, auch mit dem Verbreiten von Falschmeldungen über die Deutschen, einen Keil in die Allianz zu treiben.

Insgesamt sind rund 600 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Litauen stationiert, um die NATO-Ostflanke zu schützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2021 um 16:00 Uhr.