Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen schreitet am 05.04.2017 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) beim Dienstappell des neuen Generalleutnant Ludwig Leinhos die Mitglieder des neuen Kommando Cyber- und Informationsraum ab. | Bildquelle: dpa

Bundeswehr-Führung Von der Leyens Wachwechsel

Stand: 16.03.2018 14:28 Uhr

Kaum ist die Verteidigungsministerin wieder regulär im Amt, ordnet sie ihre Führungsmannschaft neu. Auch auf dem Posten des Generalinspekteurs gibt es einen Wechsel. Manche Entscheidung ist allerdings umstritten.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben, die es derzeit im Verteidigungsministerium gibt: die Neugestaltung des milliardenschweren Rüstungswesens. Bislang war Staatssekretärin Katrin Suder für diesen Bereich verantwortlich. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte die Unternehmensberaterin in das Wehrressort geholt, um die Beschaffung von Kriegsgerät vollkommen neu zu strukturieren - eine Herkulesaufgabe. Und Suder hat sich in den vergangenen Jahren durch konsequente und kluge Entscheidungen viel Respekt erarbeitet.

Katrin Suder | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Die Staatssekretärin für Rüstungsfragen Katrin Suder, verlässt das Ministerium.

Doch nun verlässt Suder auf eigenen Wunsch das Ministerium. Aus Sicht etlicher Fachleute innerhalb und außerhalb des Bendlerblocks ist das eine schlechte Nachricht. "Da verlässt jemand im laufenden Rennen den Wettkampf", formuliert es ein hoher General und verweist darauf, dass Suders Aufräumarbeiten im Beschaffungswesen noch keineswegs beendet sind.

Nachfolger wird Generalleutnant Benedikt Zimmer, derzeit Abteilungsleiter Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung und einer der engsten Mitarbeiter Suders. Fachlich gibt es an Zimmers Qualifikation wenig Zweifel, aber der Wechsel vom aktiven General in das Amt eines Staatssekretärs ist zumindest ungewöhnlich und politisch nicht ganz einfach. Zuletzt wechselte im Jahr 1992 Jörg Schönbohm aus dem militärischen Dienst als Inspekteur des Heeres in das zivile Amt als Staatssekretär.

Zimmer betont heute, den Kurs seiner Vorgängerin fortsetzen zu wollen: "Unsere Verantwortung ist, die bestmögliche Ausrüstung für die Truppe und die dringend notwendige Digitalisierung der Bundeswehr voranzutreiben. Für beides sind die begonnenen Strukturreformen eine wichtige Grundlage".

Zorn soll Wieker als Generalinspekteur folgen

Bereits länger bekannt ist, dass Generalinspekteur Volker Wieker nach mehr als acht Jahren im Amt demnächst in den Ruhestand verabschiedet wird, der Termin seines Großen Zapfenstreichs ist bereits für Mitte April festgesetzt. Wieker hätte eigentlich schon 2016 in den Ruhestand gehen können, seine Dienstzeit war mehrfach verlängert worden. Er gilt als gewichtiger und einflussreicher Berater auch der Bundeskanzlerin. Nachfolger wird nun Generalleutnant Eberhard Zorn, momentan Abteilungsleiter Personal.

Volker Wieker und Ursula von der Leyen | Bildquelle: dpa
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Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker (hier mit Verteidigungsministerin von der Leyen) geht in den Ruhestand.

Eberhard Zorn (Foto: dpa/Jörg Carstensen)
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Nachfolger wird Generalleutnant Eberhard Zorn.

Zorn wird als offener und kommunikativer Charakter vielerorts geschätzt und ist nach übereinstimmender Meinung vieler in der Truppe und im Ministerium eine sehr gute Wahl. Die Berufung könnte auch ein Hinweis darauf sein, wie wichtig von der Leyen die schwierige Nachwuchssituation der Bundeswehr nimmt.

Womöglich nicht ganz freiwillig geht auch der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, in den Ruhestand. Müllner hatte sich in Rüstungsfragen mehrfach klar und teilweise auch gegen seine Ministerin positioniert. So sprach er sich etwa für den Kauf des US-Kampfjets F35 aus, obwohl das Ministerium eine Weiterentwicklung des Eurofighters favorisiert.

Einer der prominentesten Kritiker muss gehen

Generalleutnant Karl Müllner
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Auch Luftwaffeninspekteur Müllner verabschiedet sich in den Ruhestand - womöglich nicht ganz freiwillig.

Mit der Ablösung Müllners entledigt sich von der Leyen also eines ihrer prominentesten militärischen Kritikers. Nachfolger wird der erst 53-jährige Generalmajor Ingo Gerhartz, derzeit stellvertretender Abteilungsleiter Strategie und Einsatz. Gerhartz hat eine rasante Karriere hinter sich und gilt als exzellenter Kommunikator. Der Jetpilot war unter anderem stellvertretender Pressesprecher der Ministerin und Büroleiter des Generalinspekteurs.

Außerdem hat er reichlich Einsatz- und Truppenerfahrung, war Kommodore des Einsatzgeschwaders Masar-e-Scharif und kommandierte das Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke".

Bereits vor einigen Tagen hatte von der Leyen die Positionen der beiden Parlamentarischen Staatssekretäre neu besetzt - mit Thomas Silberhorn von der CSU, bislang in gleicher Funktion im Entwicklungsministerium, und dem bisherigen CDU-Generalsekretär Peter Tauber - letzterer übrigens Oberleutnant der Reserve.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 16. März 2018 um 15:38 Uhr.

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