Auf einer Bundeswehruniform ist eine Deutschlandflagge aufgenäht. | dpa

Bundeswehr-Freiwilligendienst Militärischer "Kitt" für die Gesellschaft

Stand: 23.07.2020 16:41 Uhr

Mit einem neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr will Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer die Heimat schützen und die Gesellschaft stärken. Sozialverbände sind davon wenig begeistert.

Von Nina Barth, ARD-Hauptstadtstudio

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat den neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr vorgestellt. Das Angebot startet am 1. April kommenden Jahres für zunächst tausend Frauen und Männer. Mit dem neuen Dienst will die Ministerin dazu beitragen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. "Ein solcher Dienst - egal wie er geleistet wird - ist aus meiner Sicht der Kitt, der die Gesellschaft in schwierigen Zeiten zusammenhält", sagte die CDU-Politikerin. "Und dass wir im Moment gerade in besonders herausfordernden Zeiten leben, das ist, glaube ich, unumstritten."

Nina Barth ARD-Hauptstadtstudio

Nach der Spezialausbildung in die Reserve

Deshalb steht der Heimatschutz im Fokus des neuen Freiwilligendienstes - unter dem Motto "Dein Jahr für Deutschland". Der neue Dienst umfasst sieben Monate Ausbildung bestehend aus einer dreimonatigen Grundausbildung und einer Spezialausbildung. Danach sind die Teilnehmer sechs Jahre lang Reservisten der Bundeswehr und sollen in dieser Zeit mindestens fünf Monate lang im Heimatschutz zum Einsatz kommen - also zur Unterstützung der Bevölkerung, bei Einsätzen wie in der Corona-Pandemie.

Das Prinzip "Helfende Hände" könne nur dann gewährleistet werden, wenn es ausreichend viele Reservisten gebe, betonte Kramp-Karrenbauer. "Das ist deshalb wichtig, weil wir jetzt gerade bei Corona das Glück hatten, dass diese Lage nicht zusammengetroffen ist mit einem noch größeren Engagement im internationalen Bereich, mit möglicherweise noch anderen Fragen im Inneren", sagte sie. "Denn dann hätten wir auch Probleme gehabt, aus der aktiven Truppe heraus diejenigen, die helfen, auch zur Verfügung stellen zu können."

Freiwillige sollen nah am Wohnort eingesetzt werden

Es gibt bereits einen freiwilligen Wehrdienst der Bundeswehr. Einer der Unterschiede zum neuen Dienst ist, dass die Freiwilligen des neuen Dienstes möglichst nah an ihrem Wohnort eingesetzt werden sollen. Für Reserveübungen solle man eben nicht 400 Kilometer durch die Republik fahren müssen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Peter Tauber. Außerdem seien Verwendungen im Ausland ausgeschlossen. Kramp-Karrenbauer erklärte, mit diesem Angebot werde in der Bundeswehr eine Lücke geschlossen.

Skepsis bei den Wohlfahrtsverbänden

Genau dieses zusätzliche Angebot stößt aber auf Kritik - zum Beispiel von den Wohlfahrtsverbänden. Sie sehen Konkurrenz zu Angeboten wie dem sozialen oder dem ökologischen Jahr. Diese Kritik kann die Verteidigungsministerin nicht nachvollziehen: "Es ist jedem unbenommen, eigene Angebote zu machen. Ich glaube, dass wir mit diesem Angebot insbesondere junge Leute ansprechen, die sowieso eine Affinität zur Bundeswehr haben", so Kramp-Karrenbauer. Außerdem bleibe für diejenigen, die innerhalb von sechs Jahren fünf Monate aktiven Reservedienst leisteten, noch genug Zeit, sich anderweitig sozial zu engagieren, wenn sie das wollten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2020 um 14:00 Uhr.