Ein F-35-Kampfflugzeug der US-Luftwaffe auf einem Stützpunkt im US-Bundesstaat Nevada.  | REUTERS

US-Tarnkappenflugzeug Bundeswehr soll F-35-Kampfjets bekommen

Stand: 14.03.2022 15:57 Uhr

Um die alten Tornados der Luftwaffe zu ersetzen, hat Ministerin Lambrecht die Anschaffung amerikanischer F-35-Tarnkappenjets bekannt gegeben. Die Entscheidung ist schon länger angedacht, aber auch eine Antwort auf die neue Lage.

Als erstes großes Beschaffungsprojekt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine will die Bundeswehr F-35-Tarnkappenjets kaufen. Bis zu 35 Maschinen des US-Herstellers Lockheed Martin seien vorgesehen, bestätigte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht am Nachmittag in Berlin entsprechende Medienberichte.

"Die F-35 bietet ein einzigartiges Kooperationspotenzial mit unseren NATO-Verbündeten und weiteren Partnern in Europa", sagte die SPD-Politikerin bei der Verkündung zur Tornado-Nachfolge. Zu den möglichen Kosten des Projekts machte die Ministerin keine Angaben.

Atombomben-fähiges Kampfflugzeug

Die Flugzeuge sollen die deutlich in die Jahre gekommen Tornados der Bundeswehr ersetzen - sie sind vor allem für die sogenannte nukleare Teilhabe Deutschlands wichtig. Bei diesem Abschreckungskonzept der NATO können deutsche Kampfflugzeuge mit US-Atombomben ausgerüstet werden.

Damit könnten die F-35 auch diese Aufgabe übernehmen: Offiziell zwar nie bestätigt, gilt es aber als offenes Geheimnis, dass auf einem US-Stützpunkt in der Eifel 20 thermonukleare Bomben lagern sollen, die bislang von deutschen Tornados transportiert und abgeworfen werden könnten.

Beispiel für beschleunigte Modernisierung der Streitkräfte

Geschlossenheit in der NATO und glaubwürdige Abschreckung seien die angemessene Reaktion auf die russische Aggression, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz bei der Verkündung der Anschaffungen. "Gerade deshalb ist unsere Entscheidung für die F-35 ohne Alternative."

Viele Partner in Europa hätten sich ebenfalls für diese Maschine entschieden. "Es stärkt die Fähigkeit, mit unseren Partnern den NATO-Luftraum zu sichern und das Bündnis zu verteidigen." Die Beschaffung eines bereits marktverfügbaren Kampfflugzeugs sei zudem "beispielgebend für eine Beschleunigung der Modernisierung unserer Streitkräfte".

Ursprünglich andere Pläne für Tornado-Nachfolge

Die F-35 gilt als derzeit modernstes Kampfflugzeug der Welt. Wegen ihrer speziellen Form und Außenbeschichtung reflektiert sie nur wenig Radarstrahlung und ist deshalb für gegnerische Truppen nur schwer zu erkennen.

Nach früheren Plänen hatte die Bundesregierung vor, als Tornado-Ersatz amerikanische F-18 zu kaufen. Diese hätten allerdings für den Einsatz der Atombomben erst noch zertifiziert werden müssen, was bei der F-35 bereits erfolgt ist.

Zudem soll es in Berlin Bedenken gegeben haben, dass ein Kauf von F-35 ein eigenes deutsch-französisches Rüstungsprojekt konterkarieren könnte: Den Bau eines europäischen "Kampfflugzeugs der Zukunft" (FCAS/ Future Combat Air System). Aber auch diese Bedenken sollen nun in den Hintergrund getreten sein. Da auch andere NATO-Partner die F-35 nutzen, seien so "Synergie-Effekte" im Betrieb möglich.

Eurofighter-Upgrade geplant

Neben der "nuklearen Teilhabe" setzt die Bundeswehr die Tornados auch für den elektronischen Luftkampf ein: das Stören, Niederhalten und Angreifen gegnerischer Luftabwehrstellungen. Für diese Aufgabe will Lambrecht Eurofighter einsetzen. Allerdings müsse der Hersteller Airbus sie in den kommenden Jahren erst noch technisch ausstatten, was als sehr anspruchsvoll gilt. Die F-35 sind bereits begrenzt für den elektronischen Kampf ausgerüstet.

Tornado-Nachfolge im Koalitionsvertrag vereinbart

Wegen der russischen Aggression ist eine deutliche Aufrüstung der Bundeswehr geplant. Bundeskanzler Scholz hat ein einmaliges "Sondervermögen" von 100 Milliarden Euro und eine deutliche Aufstockung der jährlichen Verteidigungsausgaben angekündigt. Künftig sollen Jahr für Jahr mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investiert werden.

Die Beschaffung eines Tornado-Nachfolgers hatten die Ampelfraktionen im Koalitionsvertrag vereinbart. Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hatte vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine Ende Februar gefordert: "Als ersten Schritt gehört heute noch die Tornado-Nachfolge auf den Tisch. Jetzt muss die F-35 her, das modernste Kampfflugzeug der Welt und von vielen unserer Partner genutzt." Der Krieg in der Ukraine zeige deutlich, "Angriffe werden aus der Luft geführt und müssen entsprechend beantwortet beziehungsweise verhindert werden".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. März 2022 um 09:50 Uhr in den Nachrichten.