Soldaten stehen in einer Reihe

Personalprobleme Bundeswehr will EU-Bürger anwerben

Stand: 27.12.2018 13:56 Uhr

Die Bundeswehr leidet unter Fachkräftemangel. Medienberichten zufolge will sie nun Fachleute aus dem EU-Ausland anwerben - vor allem Polen, Italiener und Rumänen. Osteuropa reagiert skeptisch.

Die Bundeswehr treibt einem Medienbericht zufolge ihre Pläne für die Anwerbung von EU-Bürgern voran. Das Ziel ist es offenbar, Fachleute aus anderen europäischen Staaten zu rekrutieren. Die Anwerbung von EU-Bürgern für spezielle Tätigkeiten sei eine Option, die geprüft werde, zitieren die Zeitungen der Funke-Mediengruppe den Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn. "Wir reden hier beispielsweise von Ärzten oder IT-Spezialisten", erläuterte der ranghöchste Militär demnach. In Zeiten des Fachkräftemangels müsse die Bundeswehr "in alle Richtungen blicken" und sich um den passenden Nachwuchs bemühen.

Eberhard Zorn | Bildquelle: AFP
galerie

Eberhard Zorn zeigt sich offen für Fachkräfte aus anderen Nationen.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, sagte den Funke-Zeitungen, die Rekrutierung von EU-Ausländern sei "eine Art Normalität". In der Truppe gebe es bereits viele Soldaten mit Migrationshintergrund oder Doppelstaatler.

Polen, Italiener und Rumänen

Aus einem vertraulichen Ministeriums-Konzept, das dem "Spiegel" vorliegt, geht hervor, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor allem Polen, Italiener und Rumänen anwerben will. Unter jungen Männern aus diesen Ländern gebe es "ein quantitatives Potential" für die Bundeswehr, so das als Verschlusssache eingestufte Papier.

Demnach leben in Deutschland etwa 255.000 Polen, 185.000 Italiener und 155.000 Rumänen zwischen 18 und 40 Jahren, zusammen stellen sie etwa die Hälfte aller EU-Ausländer. Könnte man in dieser Gruppe bei zumindest zehn Prozent Interesse an der Bundeswehr wecken, wären dies rund 50.000 mögliche neue Bewerber, so das Papier.

Laut dem Konzept will das Ministerium die Gruppe möglicher Rekruten auf EU-Ausländer begrenzen, die bereits mehrere Jahre in Deutschland leben und fließend Deutsch sprechen. So soll vor allem EU-Nachbarn die Angst genommen werden, dass Deutschland potentielle Soldaten mit besseren Gehältern abwirbt.

Sorge in Osteuropa

Das Ministerium hatte in den vergangenen Monaten über die Verteidigungsattachés in der EU bereits sondiert, was man dort von der Idee hält. Die Gespräche hätten "zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen geführt", so das Papier. Vor allem die Osteuropäer fürchteten "erhebliche negative Auswirkungen auf die eigene Bedarfsdeckung". Aus Polen kommt Kritik. Der Armee-Dienst sei "eng verbunden mit der Nationalität", sagte Außenminister Jacek Czaputowicz dem "Spiegel". Auch im diplomatischen Dienst oder in der Polizei seien nur Staatsbürger erlaubt, das sei überall die Regel. "Im Militär ist sie noch wichtiger, weil dort eine gewisse Loyalität erwartet wird", warnte der Minister.

Czaputowicz zeigte sich überrascht, wie konkret die Pläne von der Leyens bereits sind. "Sollte Deutschland ein solches Gesetz einführen, ohne Polen vorher zu konsultieren, wäre das nicht gut", warnte er, "denn natürlich hat Deutschland Arbeitern und wahrscheinlich auch Soldaten mehr zu bieten".

203.000 Soldaten und Soldatinnen bis 2025

Die Zahl der Soldaten bei der Bundeswehr nahm zuletzt wieder zu. "Wir erreichen am Ende dieses Jahres die Marke von 182.000 Soldatinnen und Soldaten, das sind 2500 mehr Zeit- und Berufssoldaten als noch vor einem Jahr und ein Plus von 6500 gegenüber dem Tiefststand 2016", sagte von der Leyen der "Rheinischen Post". Mit zwölf Prozent Frauenanteil sei ein neuer Höchststand erreicht. Bis 2025 soll die Zahl der Soldaten nach neuen Planungen auf 203.000 steigen.

Bundeswehr will Fachkräfte aus EU-Staaten anwerben
Cecilia Reible, ARD Berlin
27.12.2018 10:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Dezember 2018 um 04:40 Uhr.

Darstellung: