Kardinal Reinhard Marx | dpa

Trotz scharfer Kritik Kardinal Marx erhält Bundesverdienstkreuz

Stand: 26.04.2021 14:31 Uhr

Ungeachtet schwerer Vorwürfe soll Kardinal Marx mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Vertreter von Opfern sexualisierter Gewalt sind empört und fordern: Wird Marx geehrt, sollten andere ihre Auszeichnungen zurückgeben.

Das Bundespräsidialamt hält an der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Münchner Kardinal Reinhard Marx fest. Marx habe sich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz in besonders profilierter Weise für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft eingesetzt, sagte eine Sprecherin. "Er hat sich für die Aufnahme von Geflüchteten eingesetzt, ist Populismus und Hetze entgegengetreten und hat zur Hilfe für Bedürftige in Deutschland und der Welt aufgerufen."

Betroffene sexuellen Missbrauchs pochen hingegen darauf, die geplante Verleihung auszusetzen. Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln betonte in einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Verleihung an Marx dürfe nur erfolgen, "wenn eindeutig nachgewiesen ist, dass er sich keiner Vertuschung schuldig gemacht und keine Aufklärung ver- oder behindert hat". Bereits am Wochenende hatte der Rat seine Forderungen erstmals publik gemacht.

Kritik an Missbrauchsaufklärung

Nach Ansicht des Betroffenenbeirats steht Marx nach wie vor in der Kritik, Fällen sexualisierter Gewalt in seinem früheren Bistum Trier nicht konsequent nachgegangen zu sein. Zudem wirft der Rat in seinem Brief Marx vor, ein Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum München und Freising seit 2010 unter Verschluss zu halten.

Das Bundespräsidialamt erklärte, Steinmeier habe seine Erwartungen zur Aufklärung des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche Anfang April bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Betroffenenvertreter Matthias Katsch und den Jesuitenpater Klaus Mertes klar formuliert.

Zugleich habe Steinmeier an die katholische Kirche und weitere Institutionen, in denen Kinder und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, die Aufforderung gerichtet, Konsequenzen zu ziehen.

Aufruf zur Rückgabe von Auszeichnungen

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Marx, der von 2014 bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, ist für Freitag geplant. Der Betroffenenbeirat erklärte, falls der Bundespräsident Marx das Bundesverdienstkreuz trotzdem verleihe, sollten alle, "die für ihre Verdienste um die Opfer sexualisierter Gewalt bereits das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen haben, dieses zurückgeben".

Unterzeichnet ist das Schreiben von Peter Bringmann-Henselder. Er verwies darauf, dass er selbst Träger des Bundesverdienstkreuzes ist. Er werde diesen Orden zurückgeben, sollte es zur Verleihung an Marx kommen. Das Schreiben an den Bundespräsidenten sei von den drei weiteren Mitgliedern des Betroffenenbeirates inhaltlich geteilt.

Der Beirat bestand ursprünglich aus neun Mitgliedern. Mehrere Personen haben das Gremium aber inzwischen verlassen, im Konflikt um das nicht veröffentlichte erste Missbrauchsgutachten. Mitte März wurde das zweite Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke präsentiert.