Eine "Fridays for Future"-Demonstration in Bremen. | dpa

Umweltverbände zur Wahl "Schicksalswahl fürs Klima"

Stand: 11.05.2021 14:26 Uhr

Wenige Monate vor der Bundestagswahl melden sich die Umweltverbände zu Wort: Die Parteien täten nicht genug für die Klimawende - selbst die Grünen nicht. Auch die Bürgerinnen und Bürger könnten mehr beitragen.

Von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

"Diese Wahl wird zur Schicksalswahl fürs Klima" prognostiziert Christoph Bautz vom Aktionsbündnis "Campact". Denn die Große Koalition habe bei der Reduzierung von Treibhausgasen versagt.

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

Man kriege doch keine Energiewende hin, urteilt Bautz, wenn sich die Regierungsparteien gegenseitig im Weg stünden: "Es kann ja nicht sein, dass jetzt die SPD den CO2-Preis blockiert und die Union den schnelleren Ausbau der Erneuerbaren - wir brauchen einfach beides und wollen beides jetzt durchsetzen."

"Die Stimme für die Zukunft"

Nur wie? Der Bürger und die Bürgerin sollen es bewerkstelligen, in dem sie ein Online-Votum abgeben mit einem Versprechen: "Ich wähle im September die Partei mit den ambitioniertesten Umweltzielen." "Klima-Pledge" nennt das Aktionsbündnis das auf Denglisch.

"Wir wollen schon so eine Wortmarke setzen. Pledge ist vielleicht eher aus dem anglo-amerikanischen Kontext, aber wir sagen dazu auch: Die Stimme für die Zukunft", sagt Christoph Bautz. Das hieße aber "Vote for the future".

Wie auch immer: Eine halbe Million Menschen habe schon beim "Klima-Pledge" online zugestimmt, sagt das Aktionsbündnis, in dem auch die "Fridays for Future"-Bewegung mitmacht sowie die Naturschutzverbände BUND und WWF.

"Eine neue Raketenstufe"

Sie alle sehen sich bestätigt durch den Spruch des Bundesverfassungsgerichts, das der Bundesregierung eine ambitioniertere Klimaschutzpolitik aufgegeben hat - der jetzigen Bundesregierung, die am Mittwoch ihre neuen Klimaziele im Kabinett beschließen will, aber auch der künftigen, wie Viviane Raddatz vom WWF betont: "Jede Bundesregierung hat den Auftrag, ab Tag eins im Prinzip eine neue Raketenstufe der Klimaschutz-Umsetzung zu zünden." 

Und das müsse die Einhaltung des Pariser Abkommens sein, das die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen will. Also keine Kohleverstromung mehr ab 2030 und kein Verbrennungsmotor.

Für Jörg Andreas Krüger, den Präsidenten des NABU, kann auch jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen - durch eine fleischarme Ernährung zum Beispiel. Den erhobenen Zeigefinger brauche es dafür gar nicht, sagt Krüger: "Wenn man sich anguckt, wie bitter das in den 1990er- und in den 2000er-Jahren diskutiert worden ist und wie elegant und locker wir heute über vegane Produkte und Fleischersatzprodukte reden - was sich da schon getan hat! Da bin ich ganz guten Mutes."

Kritik auch an den Grünen

Was für die Klimaschutz-Politik insgesamt aber nicht gilt. Keine der Parteien, die zur nächsten Bundestagswahl antreten, tue oder fordere genug für die Klimawende, sagen die Verbände. Die Grünen schlossen sie bei diesem Urteil ausdrücklich ein.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 11. Mai 2021 um 13:12 Uhr.