Ein Flugzeug mit Kondensstreifen am blauen Himmel  | Bildquelle: dpa

Dienstreisen per Flieger Abgeordnete flogen fast 17 Millionen Kilometer

Stand: 10.08.2019 19:48 Uhr

Trotz Klimaschutz-Debatte bleiben die Bundestagsabgeordneten Vielflieger. 2018 flogen sie einem Medienbericht zufolge deutlich mehr als 2017. Das allerdings hat Gründe. Die Grünen kommen auf die meisten Einzelreisen.

Bundestagsabgeordnete haben einem Zeitungsbericht zufolge im vergangenen Jahr für Dienstreisen stärker das Flugzeug genutzt als im Vorjahr. Im Rahmen ihrer Tätigkeit seien Abgeordnete 2018 rund 9,08 Millionen Meilen (etwa 16,8 Millionen Kilometer) geflogen, meldeten die Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe unter Berufung auf Angaben der Bundestagsverwaltung. 2017 waren es demnach noch 7,4 Millionen Meilen.

Insgesamt seien dabei nach Berechnung der Organisation Atmosfair etwa 4000 Tonnen klimaschädigendes Kohlenstoffdioxid ausgestoßen worden, hieß es weiter.

Eine Sprecherin der Bundestagsverwaltung sagte, bei den Berechnungen sei zu berücksichtigen, dass 2017 eine Bundestagswahl stattgefunden hat. In einem Wahljahr fänden in der Regel weniger Delegationsreisen statt. Delegationsreisen unternehmen Abgeordnete als Gruppe im Auftrag eines parlamentarischen Gremiums - beispielsweise für einen Ausschuss oder um an einer internationalen parlamentarischen Versammlung teilzunehmen.

13.000 Meilen pro Parlamentarier

Umgerechnet auf die 709 Parlamentarier waren das im vergangenen Jahr durchschnittlich 13.000 Meilen pro Kopf. Das entspricht etwa einem Flug von Frankfurt nach Singapur und zurück.

Allerdings wurde in den Jahren 2015 und 2016 noch deutlich mehr geflogen: 2015 legten Bundestagsabgeordnete 11,4 Millionen Flugmeilen zurück, 2016 waren es rund 11,1 Millionen.

Informationen vor Ort einholen

Mitglieder des Bundestages nutzen das Flugzeug dem Bericht zufolge teils für Reisen in ihren Wahlkreis oder um sich vor Ort über Entwicklungen in ihren Fachbereichen zu informieren. So reisten Mitglieder des Verteidigungsausschusses 2018 in den Kosovo, um dort stationierte Bundeswehrsoldaten zu besuchen. In die Flugmeilen-Statistik der Bundestagsverwaltung fallen dem Bericht zufolge auch Flüge der Abgeordneten in ihren Wahlkreis und zurück. Welchen Anteil sie einnehmen, sei von der Verwaltung nicht zu erfahren gewesen.

Kritik von Greenpeace

Der Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup kritisierte die "gewaltige Menge" der geflogenen Kilometer. Mit Blick auf Flüge zwischen Berlin und Wahlkreisen einzelner Abgeordneter wies er in den Funke-Zeitungen darauf hin, dass Kurzstreckenflüge besonders klimaschädlich seien.

Grüne offenbar mit meisten Einzelreisen

Unterschieden wird nach Flügen, die die Abgeordneten im Rahmen von Delegationsreisen unternahmen, und solchen, die sie auf eigene Initiative buchten und beim Bundestag abrechneten. Nach Angaben der "Bild" sind 328 solcher Delegationenreisen in der laufenden Wahlperiode bislang genehmigt worden. Dazu kommen laut der Zeitung 854 Einzeldienstreisen per Flugzeug, die meisten davon von Unions- und SPD-Abgeordneten.

Laut "Bild" unternahmen seit Beginn der Legislaturperiode die Grünen pro Kopf die meisten Einzelreisen: Seit Herbst 2017 flogen ihre 67 Abgeordneten 126 Mal in Eigenregie, jeder rechnerisch also 1,9 Mal. Im Durchschnitt aller Fraktionen waren es 1,2 Flüge pro Abgeordnetem.

Die Grünen teilten beiden Zeitungen mit, dass die Fraktion die Flüge ihrer Abgeordneten in Eigenregie mit Klimaschutz-Zahlungen kompensiere.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von umgerechnet rund 14,6 Millionen geflogenen Kilometern die Rede. Richtig sind aber etwa 16,8 Millionen Kilometer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2019 um 14:00 Uhr.

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