Teile der FDP- und AfD-Fraktionen bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags am 24. Oktober 2017 | picture alliance / SvenSimon

Neuer Bundestag FDP will nicht mehr neben AfD sitzen

Stand: 12.10.2021 17:42 Uhr

Wer sitzt neben wem im neuen Bundestag? Die FDP möchte in die Mitte rücken - weg von der AfD. Das aber löst Unmut bei der Union aus, die nicht mit den Liberalen tauschen will.

Von André Seifert, ARD-Hauptstadtstudio

Im alten Bundestag war es so: Rechts, ganz außen, saß die AfD, dann kam die FDP und in der Mitte waren Union und Bündnis 90/Die Grünen platziert. Weiter links folgten SPD und Linke.

Die FDP empfand den Platz neben der in großen Teilen rechtsextremen AfD allerdings als sehr unangenehm, blickt der liberale Abgeordnete Frank Sitta auf die vergangenen vier Jahre zurück:

Eine schöne Zeit war das nicht. Ich weiß, dass sie an vielen Stellen sehr deutlich sind in ihrer Ablehnung - zum Beispiel in Menschen, die zu uns kommen, Flüchtlinge. Oder wenn es um Dinge wie Impfen oder Gendern ging. Dann zeigt sich auch in den Zwischenrufen und in der Atmosphäre innerhalb der Fraktion, was für ein Menschenbild da vorhanden ist.

Die Abneigung gegen die AfD ist allerdings nur ein Grund, weshalb die Liberalen nun, im neuen Bundestag, die Sitzordnung gern ändern möchten. Ein weiterer lautet: "Wir glauben, dass die Sitzordnung im Parlament das klassische Links-Rechts-Schema - also von eher sozialistisch bis hin zu sehr, sehr konservativ - abdeckt und wir uns da als Partei der Mitte, als liberale Partei, eher mittig im Parlament verorten."

Plenarsaal des Bundestages

Der Plenarsaal des Bundestages: Wer wo sitzt - darüber streiten die Fraktionen noch.

Stühlerücken - auf Kosten der Union?

Würde die FDP im neuen Bundestag nach links rücken, dann müsste wohl die Union weiter nach rechts. Doch das will die Union nicht.

"Eine Veränderung der Sitzordnung halte ich nicht für erforderlich. Es kann auch nicht sein, dass eine Koalition, eine Ampelkoalition, sich selbst prominent komplett in die Mitte des Plenum setzt und der Opposition dann die Plätze am Rand zuweist. Deshalb lehnen wir das Ansinnen der FDP ganz deutlich ab", sagt Patrick Schnieder, Mitglied der CDU im Bundestag.

Im neuen Bundestag ist also ein Streit um die Mitte entbrannt - um den Platz, der die Mitte der Gesellschaft widerspiegelt. Zur konstituierenden Sitzung am 26. Oktober wird alles wohl erst einmal so bleiben, wie es ist. Doch danach könnte ein großes Stühlerücken beginnen.

Ampel könnte Sitzordnung ändern

Die mögliche Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP bringt Bewegung in die Sache. Sie könnte eine Änderung der Sitzordnung mit einfacher Mehrheit im Ältestenrat oder im Plenum beschließen. Dann würden die drei Ampelfraktionen zusammensitzen.

Albrecht von Lucke, Politologe und Publizist der "Blätter für deutsche und internationale Politik", hält das für gut möglich. SPD und Grüne könnten zustimmen:

Auch die SPD hat ein Interesse daran, die CDU/CSU an den rechten Rand zu drücken. Denn die Nähe zur AfD hat eine toxische Qualität. Die AfD ist eine Partei, die diejenigen, die neben ihr sitzen, in die Versuchung bringt, sich sehr stark inhaltlich mit ihr auseinanderzusetzen. Und das ist für eine CDU/CSU, die auch gerne auf eine Distanz zur AfD setzt, ein echtes Problem.

Die Mitte im Parlament sei nach der Bundestagswahl umkämpfter als jemals zuvor, sagt von Lucke. Und dieser Kampf könnte auch nach zukünftigen Wahlen immer wieder ausbrechen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Oktober 2021 um 06:22 Uhr.