Blick in den Bundestag | Bildquelle: dpa

Notfälle im Bundestag "Menschenfeindliche Arbeitsbedingungen"

Stand: 07.11.2019 21:41 Uhr

Zwei Abgeordnete sind im Bundestag zusammengebrochen - das sorgt für Diskussionen. Eine Linken-Abgeordnete beschwerte sich über die "menschenfeindlichen" Arbeitsbedingungen. Auch der Ex-Innenminister mahnte.

Nachdem es im Bundestag zu zwei medizinischen Notfällen binnen eines Tages gekommen ist, wird über die Arbeitsbedingungen für Parlamentarier diskutiert. Am Vormittag musste ein Abgeordneter der CDU seine Rede wegen gesundheitlicher Probleme abbrechen. Am Abend brach nach Angaben von Beobachtern eine Parlamentarierin der Linken während einer namentlichen Abstimmung zusammen. Beide Betroffene sollen aber auf dem Weg der Besserung sein.

Abgeordnete: Durfte kein Wasser trinken

Die Linken-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg nannte vor diesem Hintergrund die Arbeitsbedingungen "menschenfeindlich". Die Parlamentarier dürften während der Sitzungen nicht einmal Wasser trinken, schrieb sie auf Twitter. "Dehydrierung ist ungesund" und behindere Denken und Konzentration. Als sie als Bundestagsneuling eine Wasserflasche hervorgeholt habe, sei sie darauf hingewiesen worden, dass dies laut Hausordnung im Plenarsaal nicht gestattet sei.

Die Linken-Politikerin bemängelte die langen Plenarsitzungen und die zahlreichen Termine. "Wenn man gute Politik haben möchte, muss man auch gute Arbeitsbedingungen dafür schaffen", forderte sie. Sie erinnerte daran, dass sich Abgeordnete in der Vergangenheit wegen Burnouts aus der Politik zurückgezogen hätten.

Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière warb am Rednerpult dafür, Konsequenzen aus den Vorfällen zu ziehen. "Vielleicht sollten wir mal ein bisschen darüber nachdenken, wie wir manchmal miteinander unmgehen", sagte de Maizière. "Und vielleicht wird auch manche Häme gegenüber Politikern angesichts dessen, was heute passiert ist, auch etwas demütiger."

Besuchertribünen geräumt

Nach beiden Vorfällen waren die Besuchertribünen geräumt worden. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki appellierte an die Öffentlichkeit, keine Bilder oder Videos von dem Notfall in sozialen Medien zu verbreiten. "Im Netz kursieren bereits Posts mit teilweise erbärmlichen Kommentaren." Er bitte die Menschen aus Respekt vor der Würde des Abgeordneten, davon Abstand zu nehmen, den Zusammenbruch oder die Behandlung zu posten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. November 2019 um 14:20 Uhr.

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