Eine Hand liegt auf einer Tastatur | Bildquelle: AFP

Cyberabwehr in der Regierung Dem Bund fehlen Hunderte IT-Experten

Stand: 13.02.2020 11:34 Uhr

In den Bundesministerien sind von knapp 2800 Stellen für IT-Sicherheit rund 700 unbesetzt. Die größten Lücken gibt es im Innenministerium. Die Linkspartei warnte vor einer "gravierenden Bedrohungslage".


In der Bundesregierung sind Hunderte Stellen für IT-Sicherheit nicht besetzt. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Zuerst hatte das ZDF darüber berichtet.

Demnach sind von den knapp 2800 Stellen für IT-Sicherheit in den Bundesministerien rund 700 nicht besetzt. Das sei sei jede vierte Stelle, erfuhr die Linkspartei und kommt zu dem Schluss: Die Bundesregierung nimmt das Problem offensichtlich nicht ernst.

Größte Lücken im Innenministerium und im BSI

Besonders prekär ist die Lage im Bundesinnenministerium und in dem ihm nachgeordneten Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Dort sind 577 IT-Sicherheitsstellen unbesetzt, das ist jede dritte Stelle. Aber auch im Verteidigungs- und Finanzministerium wird nach vielen IT-Spezialisten gesucht. Im Verteidigungsministerium sind 106 von 680 Stellen unbesetzt, im Finanzministerium 23 von 196.

Ministerium weist Kritik zurück

Das Bundesinnenministerium verwies in seiner Antwort darauf, dass in den Ministerien neue Stellen für IT-Sicherheit geschaffen wurden, für die die Ausschreibungen noch nicht oder erst kürzlich angelaufen seien. Vor allem am BSI gebe es "aufgrund seiner wachsenden Bedeutung einen rasanten Stellenaufwuchs".

Linken-Politikerin warnt vor Bedrohungslage

Die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Anke Domscheit-Berg, nannte dies eine Ausrede. So seien für 2020 im BSI nur 145 neue Stellen geplant, offen seien aber 577. "Die Bundesregierung hat offensichtlich keine Vorstellung davon, wie gravierend die Bedrohungslage bei ungenügender IT-Sicherheit in einer digitalen Gesellschaft ist, denn sie schützt sich nicht ansatzweise so, wie es geboten wäre", sagte sie.

Innenminister Horst Seehofer wolle mehr Sicherheit durch mehr Überwachung erreichen. Domscheit-Berg bezweifelt, ob er in der Lage ist, die massenhaft gesammelten Daten zu schützen und Grundrechte zu achten.

Die Linken-Politikerin verwies auf mehr als 114 Millionen neue Schadprogramme, die das BSI 2019 registriert habe. Die richteten sich auch gegen öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Universitäten oder Stadtverwaltungen.

Mit Informationen von Angela Tesch, ARD-Hauptstadtstudio

Linke Netzpolitikerin: Bundesregierung nimmt IT-Sicherheitsprobleme nicht ernst
Angela, Tesch (ARD, Berlin)
13.02.2020 10:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Februar 2020 um 21:00 Uhr.

Darstellung: