Ein Unternehmensberater sitzt telefonierend in einem Biergarten. | Bildquelle: dpa

Ausgaben im ersten Halbjahr Regierung zahlte 186 Millionen an Berater

Stand: 25.10.2020 11:12 Uhr

Um mit mehr Expertise arbeiten zu können, engagiert die Bundesregierung immer wieder externe Berater. Im ersten Halbjahr kostete das fast 200 Millionen Euro. Kritiker halten diese Praxis für zu teuer und überflüssig.

Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr mindestens 186,1 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Spitzenreiter bei diesen Ausgaben sind das Innenministerium mit 79,8 Millionen Euro und das Finanzministerium mit 48,2 Millionen Euro. Das Verteidigungsministerium gibt als einziges Ressort an, gar kein Geld für Berater ausgegeben zu haben. Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Berater-Praxis hoch umstritten

Das Engagement von Unternehmensberatern und anderen Experten von außen durch die Bundesregierung ist umstritten. Kritiker meinen, dass der Einkauf dieser Expertise zu teuer und angesichts der mehr als 20.000 Mitarbeiter in den Ministerien auch nicht zwingend notwendig sei. Außerdem wird zu großer Einfluss auf die Regierungsarbeit befürchtet. Befürworter versprechen sich dagegen einen Mehrwert durch den Blick von außen oder setzen Experten für Spezialaufgaben ein, für die dann keine festen Mitarbeiter benötigt werden.

Verteidigungsministerium gibt nicht mehr alle Kosten an

Ein Vergleich der aktuellen Zahlen mit dem Vorjahreszeitraum ist nicht möglich, weil 2019 bei der Erfassung teilweise andere Kriterien angelegt wurden. Hiermit lässt sich auch erklären, dass das Verteidigungsministerium im ersten Halbjahr 2019 mit Ausgaben von 154,9 Millionen Euro für "Beratungs- und Unterstützungsleistungen" noch Spitzenreiter in der Statistik war, in diesem Jahr aber 0 Euro angab. Eine Sprecherin sagte, diesmal seien gemäß einer Definition des Haushaltsausschusses nur "externe Beratungsleistungen", also keine Unterstützungsleistungen mehr angegeben worden.

Der Linken-Abgeordnete Matthias Höhn kritisierte das Vorgehen. "Die Bundesregierung versucht die Öffentlichkeit irrezuführen, indem sie die wahren Beraterkosten unter Verschluss hält", sagte er.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Oktober 2020 um 08:00 Uhr.

Darstellung: