Smartphone mit Ausweis-App | picture alliance / Silas Stein/d

Bundesrat Ausweisen bald per Smartphone möglich

Stand: 25.06.2021 13:34 Uhr

Der Bundesrat hat den Weg für den elektronischen Identitätsnachweis frei gemacht: Wer sich ausweisen möchte, kann das also künftig per Smartphone oder Tablet erledigen. IT-Experten warnen jedoch vor möglichen Sicherheitslücken.

Der Bundesrat hat den Weg für den sogenannten elektronischen Identitätsnachweis freigemacht. Die Kammer verzichtete darauf, gegen das vom Bundestag schon beschlossene Gesetz den Vermittlungsausschuss anzurufen.

Künftig werden die Nutzer ihre persönlichen Informationen direkt auf dem Smartphone oder Tablet speichern können. Zur Identifizierung benötigen sie zusätzlich nur noch ihre PIN. Die bisher übliche Karte ist dann nicht mehr erforderlich, um sich auszuweisen. Der Personalausweis auf dem Smartphone soll unter anderem Behördengänge deutlich erleichtern.

"In den 20er-Jahren muss klar sein, dass der Bürger nicht aufs Amt geht, sondern das Amt zu ihm kommt", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl in der Länderkammer. Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, welche Vorteile es biete, "dass man sich nicht lange im Bürgeramt in die Wartestube setzen muss, sondern viele Angelegenheiten online erledigen kann". Auch die Wirtschaft warte auf sichere Identifizierungsverfahren, um mehr eigene elektronische Angebote machen zu können.

E-Personalausweis bislang nur mit Kartenlesegerät

Denn hier hinkt Deutschland im europäischen Vergleich hinterher. Das hat mehrere Gründe: Der elektronische Personalausweis, den es schon seit mehr als zehn Jahren gibt, hat sich nicht durchgesetzt. Schon heute sind rund 44 Millionen Personalausweise, eID-Karten für EU-Bürger oder elektronische Aufenthaltstitel mit Chipkarten im Umlauf, die man für die Nutzung von Online-Verwaltungsleistungen nutzen kann. Dazu braucht es allerdings bislang neben dem Ausweis ein Kartenlesegerät und eine Geheimnummer. Die Daten zur Person werden dabei aus dem Chip auf der Karte gelesen.

Es sei schlicht zu umständlich, heißt es vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Die digitale Funktion gerade des Personalausweises wird daher nur schwach genutzt. Außerdem ist vielen nicht klar, wofür sie ihren E-Personalausweis nutzen können. Theoretisch kann damit beispielsweise das Auto online umgemeldet oder eine Geburtsurkunde beantragt werden. Allerdings ist das noch längst nicht in allen Kommunen möglich. Bis Ende 2022 sind Bund und Länder verpflichtet, ihre Verwaltungsdienste auch online anzubieten. Damit sollen auch die Behörden entlastet werden.

Wenige Smartphones sind sicher genug

Allerdings muss dieses Verfahren auch sicher sein, um einen Missbrauch sensibler Daten zu verhindern. Kritik kommt diesbezüglich unter anderem vom Chaos Computer Club. Damit der Handy-Personalausweis sicher sei, brauche es bestimmte technische Voraussetzungen. Diese hätten bislang nur wenige Handy-Modelle. Und auch in Zukunft dürften vor allem neue, hochpreisige Geräte den Sicherheitsstandards genügen.

Die Bundesregierung will die Sicherheit des digitalen Identitätsnachweises durch zwei Faktoren gewährleisten: Erstens durch eine sechsstellige Geheimnummer und zweitens durch den Ausweis, der einmal ausgelesen werden muss. Eine digitale Kopie wird dann in einem sicheren Bereich auf dem Gerät - einem Smartphone oder Tablet - gespeichert. Ab Herbst soll das möglich sein.


Mit Informationen von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Juni 2021 um 11:41 Uhr.