Hintergrund

Hintergrund Die Geschichte von Schloss Bellevue

Stand: 26.06.2010 13:02 Uhr

Vor mehr als 200 Jahren erbaut, königliche Galerie, Gästehaus des Deutschen Reichs und im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört: Heute ist Schloss Bellevue der erste Amtssitz des Bundespräsidenten. Ein Gebäude mit wechselvoller Geschichte.

Von Klaus Sturm, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Bellevue am Rande des Tiergartens ist ein schlichtes Schloss - Glamour und Baukunst halten sich in Grenzen. Und an neue Aufgaben musste das Schloss immer wieder angepasst werden: Zwei Jahre lang wurde an der ersten Version des Schlosses gebaut, die war 1787 fertig. Es hatte nur einen Hauptgebäude und einen Seitenflügel und schon beim Stil war der Architekt eher etwas unentschlossen: Am Ende stand da am Ufer der Spree etwas, das Bauhistoriker irgendwo zwischen Barock und Klassizismus ansiedelten - und auf jeden Fall ziemlich viele preußisch klare Linien hatte.

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Erster Hausherr war Prinz August Ferdinand von Preußen. Und wie die Preußens nun mal so waren, wollte auch er in diesem Schloss nicht großartig residieren und präsentieren, der Preußen-Prinz brauchte eine Bleibe und wollte wohnen und das klappte damals im Bellevue noch ziemlich gut. Ein paar prominente Gäste schauten dann, Anfang des 19. Jahrhunderts, vorbei - Friedrich Schiller und Napoleon kamen zu Besuch, ein paar Gartenparties im Sommer wurden auch schon gegeben, aber schicker und ehrwürdiger wurde es damals nicht im Tiergarten.

Der nächste Hausherr hatte offenbar auch nicht so richtig dringenden Bedarf für Bellevue: Preußen-König Friedrich-Wilhelm IV. eröffnete eine Galerie für zeitgenössische Kunst drinnen und draußen durfte sich das Volk erholen - der Schlosspark war offen für alle.

Die Besitzer und die Bewohner wechselten, offiziellen Status bekam das Schloss erst 1938 wieder: als Gästehaus des Deutschen Reiches. Im Zweiten Weltkrieg wurde Bellevue dann beinahe ausradiert: Nach 1941 standen nur noch ein paar Außenmauern, das Hauptgebäude war zerstört, die Seitenflügel zwar standen noch, waren nur noch Ruinen und wurden, wie alle Ruinen damals in Berlin, trotzdem als Wohnungen genutzt während draußen, im abgeholzten Schlosspark Gemüse wuchs.

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