Frank-Walter Steinmeier |
Porträt

Bundespräsident Steinmeier wird 65 "Er ist unübersehbar"

Stand: 05.01.2021 10:44 Uhr

Vom Tischlersohn zum Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier wird 65. Schon früh hieß es, er sei für jedes Amt geeignet. Ein Porträt eines wortgewaltigen Mutmachers.

Von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

So ist das bei Bundespräsidenten: Wenn sie erst mal angekommen sind im höchsten Amt des Staates, dann erinnert sich kaum noch jemand an ihr früheres Leben in der Politik und in der Partei: "Ich will, dass wir wieder neue Mitglieder gewinnen und dass wir Wahlen gewinnen!", rief Frank-Walter Steinmeier 2009. Damals war er Kanzlerkandidat der SPD. Es blieb beim "Gewinnenwollen" - Steinmeier holte das bis dahin schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl für seine Partei. Aber der gebürtige Ostwestfale weiß, dass Beharrungsvermögen in der Politik dazugehört.

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

Vom Tischlersohn zum Bundespräsidenten

Steinmeier stammt aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater war Tischler in Brakelsiek im Kreis Lippe, seine Mutter Fabrikarbeiterin und Heimatvertriebene. Nach Abitur und Wehrdienst studierte Steinmeier Jura, orientierte sich politisch links und begann seine Berufslaufbahn in der niedersächsischen Staatskanzlei. "Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen: Ich habe mir vom Kindergottesdienst an gewünscht, Außenminister zu werden", kokettierte er später, als er das längst war - seit 2005 im ersten Kabinett von Angela Merkel.

Vorher hatte Steinmeier als Staatsekretär unter Gerhard Schröder gedient und war mit ihm von der Staatskanzlei in Hannover ins Kanzleramt nach Bonn gewechselt. "Der Steinmeier ist für jedes politische Amt geeignet", hieß es damals schon im Dunstkreis der Macht. Das war als Kompliment gemeint. Oder, wie es der damalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ausdrückte: "Wo man ihn hinstellt, findet er auch statt - das heißt, er ist jemand, der dann unübersehbar ist."

Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Frank-Walter Steinmeier, 1999 | picture alliance /

Frank-Walter Steinmeier gilt als enger Vertrauter des damaligen Bundeskanzlers Schröder (l.). Er war maßgeblich an den Hartz-Reformen und der Agenda 2010 beteiligt. Bild: picture alliance /

Die Macht des Wortes

Das gilt umso mehr für das Amt des Bundespräsidenten. 2017 wurde Steinmeier zum Staatsoberhaupt gewählt. Ein Amt, in dem es fast nur die Macht des Wortes gibt. Und übersehbar oder überhörbar ist Steinmeier tatsächlich nicht - er findet die passenden Worte und den richtigen Ton, zum Beispiel nach dem Anschlag auf die Synagoge von Halle: "Mich ergreift Zorn über die nicht enden wollende Dummheit, Feigheit und Brutalität der Angriffe auf jüdische Gemeinden in unserem Land." Nur Wochen später sprach Steinmeier als erstes deutsches Staatsoberhaupt in Yad Vashem, der israelischen Gedenkstätte für die Opfer der Shoa.

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, treffen sich mit Vertretern der jüdischen Gemeinde an der Synagoge. |

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, treffen sich im Oktober 2019 mit Vertretern der jüdischen Gemeinde an der Synagoge in Halle. | Bildrechte: dpa

Mutmacher mit Rennrad

Aber Steinmeier will nicht immer präsidial wirken, sondern auch schon mal wie der ganz normale Nachbar von nebenan, der im Lockdown neue Seiten an sich entdeckt: "Ich hab' in der Tat zwei Tage lang, drei Tage lang unseren Keller aufgeräumt, hab' bei der Gelegenheit mein altes Rennrad wiederentdeckt, versucht, es von Spinnweben zu befreien, und bin dann erstmal ein paar Tage lang viel Rad gefahren."

Doch dann holte ihn natürlich Corona wieder ein. Steinmeier sprach mit genesenen Covid-19-Patienten, besuchte ein neugebautes Impfzentrum in Berlin. Was die Bundeskanzlerin eher nüchtern die "größte Herausforderung in der Geschichte der Bundesrepublik" genannt hat, ist für Frank-Walter Steinmeier ein Anlass, den Deutschen Mut zu machen: "Wir werden diese Krise überwinden - das muss gelingen und es wird gelingen."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Januar 2021 um 09:31 Uhr.