Blick auf die Mosel | Bildquelle: picture alliance

Urlauber aus Hotspots Sechs Bundesländer machen dicht

Stand: 25.06.2020 19:11 Uhr

Zunächst waren es die Urlaubsregionen im Norden und in Bayern, nun zieht der Südwesten nach: Auch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz führen strenge Verordnungen für Reisende aus Corona-Hotspots ein. Ein weiteres Land könnte bald folgen.

Der deutsche Südwesten greift zu scharfen Maßnahmen für Urlauber, die aus Landkreisen kommen, in denen es viele Corona-Neuinfektionen gibt. Das betrifft aktuell Urlauber aus zwei Kreisen in Nordrhein-Westfalen.

Ein Corona-Ausbruch im Werk des Fleischfabrikanten Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hatte die Zahl der Fälle in der Region rasant ansteigen lassen. Dieser Anstieg könnte in Zusammenhang mit einem Gottesdienst-Besuch von Personen stehen, die einen direkten Bezug zur Firma Tönnies hätten, schrieb der Kreis Gütersloh in einer Mitteilung. Die Veranstaltung soll am 17. Mai stattgefunden haben.

Aufgrund des Ausbruchs bei Tönnies will Baden-Württemberg Reisende aus dem Corona-Hotspot nicht mehr im Land übernachten lassen. Die Verordnung gelte, sobald sie vom Sozial- und vom Wirtschaftsministerium notverkündet werde. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz teilte mit, wer aus Corona-Risikogebieten im In- und Ausland ins Bundesland komme, müsse sich ab Freitag unverzüglich nach der Einreise in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Die Regelung trete rechtzeitig zum Start der Schulferien in den ersten Bundesländern in Kraft.

Richtwert ist ausschlaggebend

Bereits zuvor hatten Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern Beherbergungsverbote beschlossen. Schleswig-Holstein erließ eine Quarantäneregelung, die de facto Urlaubsreisen dorthin für Menschen aus Corona-Hotspots ebenfalls weitgehend unmöglich macht.

Wie die anderen Bundesländer auch richten Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre Auflagen danach aus, ob die Zahl der Neuinfektionen in dem Heimatkreis der Reisenden in den vergangenen sieben Tagen vor der Anfahrt pro 100.000 Einwohner höher als 50 war. Das trifft aktuell auf zwei Kreise in Nordrhein-Westfalen zu: Im Kreis Gütersloh liegt der entsprechende Wert für Neuinfektionen aktuell bei 192,8, im benachbarten Kreis Warendorf bei 50,4.

Die Landesregierung in Stuttgart stellte klar, dass sich das Verbot auf Hotels, Gasthöfe und Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätze, Wohnmobilstellplätze und vergleichbare Einrichtungen beziehe. Ausnahmen gelten laut der Lenkungsgruppe für Personen, die mit einem ärztlichem Attest belegen können, nicht infiziert zu sein. Ebenso sollen Ausnahmen möglich sein, wenn der Infektionsausbruch in einem Landkreis räumlich klar eingegrenzt werden kann.

Sachsen-Anhalt erwägt Quarantäne-Regel

Ein Beherbergungsverbot könnte auch in Sachsen-Anhalt kommen: Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte im MDR: "Ich will nicht verhehlen, dass wir am nächsten Dienstag im Kabinett eine neue Verordnung beschließen - und dass wir durchaus auch derzeit sehr stark erwägen, in dieser Verordnung ein sogenanntes Beherbergungsverbot aufzunehmen." Als weitere Möglichkeit führte der CDU-Politiker Quarantäne-Regelungen an.

Haseloff sprach sich außerdem dafür aus, dass sich die Bundesländer im Umgang mit Menschen aus Risikogebieten auf gemeinsame Richtlinien einigen sollten.

Althusmann verteidigt Verbot

Aus Gütersloh kommen unterdessen neue Infizierten-Zahlen, die dort als Hoffnungsschimmer gedeutet werden dürften: Von 2000 aktuell durchgeführten Corona-Tests in dem Kreise sei nur einer positiv ausgefallen, sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann verteidigte das Verbot in seinem Bundesland. Im NDR sagte der CDU-Politiker, er könne die Verärgerung der betroffenen Menschen verstehen. "Aber wir haben einen Schutzauftrag als Landesregierung. Und wir müssen dafür sorgen, dass das Coronavirus sich nicht verbreitet. Wir müssen weiterhin vorsichtig bleiben."

Zugleich warnte der Minister vor möglichen negativen Folgen für die Tourismusregionen in Niedersachsen: "Stellen Sie sich vor, auf einer Nordseeinsel ist ein starker Corona-Ausbruch. Dann kommt das gesamte touristische Leben dort zum Erliegen. Und dies zu verhindern, erfordert vorsorgliche Maßnahmen."

Über dieses Thema berichtete am 25. Juni 2020 Deutschlandfunk um 18:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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