Michael Kretschmer | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX/Shutt

Bürgergespräch in Chemnitz Vor allem Frust und Skepsis

Stand: 31.08.2018 02:14 Uhr

Drinnen wie draußen gab es für Kretschmer beim Bürgerdialog viel Gegenwind: Man habe Angst, nachts durch die Straßen zu laufen. Auch die Berichterstattung wurde kritisiert.

Von Ine Dippmann, MDR

Der Raum im Gebäude am Chemnitzer Fußballstadion ist voll besetzt, als Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kurz nach 19 Uhr mit seinem Kabinett eine kleine Bühne betritt. Die Sachsengespräche sind seit Beginn des Jahres Gelegenheiten, miteinander zu diskutieren, was politisch in Zukunft erreicht werden soll.

Die kritische Bestandsaufnahme gehöre dazu, so Kretschmer. Doch zunächst ist ihm wichtig, des Getöteten Daniel H. mit einer Schweigeminute zu gedenken.

Während sich drinnen die Anwesenden erheben, dringen leise die Rufe von der Demonstration vor dem Stadiongelände in den Saal. Die rechtspopulistische Wählervereinigung "Pro Chemnitz" hat zum Protest aufgerufen. "Haut ab", ist von draußen zu vernehmen. Dort stehen knapp 1000 Menschen, die das Angebot zum direkten Dialog nicht annehmen wollten. "Ich würde schon reingehen. Das Problem ist, es wird nichts dabei rauskommen", sagt einer.

Buhrufe gegen die Oberbürgermeisterin

Doch viele Kritiker suchen die Auseinandersetzung mit den Politikern im Sachsengespräch. Das bekommt auch Barbara Ludwig, die Oberbürgermeisterin von Chemnitz, zu spüren - schon in dem Moment, in dem sie ans Mikrofon tritt, ertönen Buhrufe. Den ganzen Tag war sie mit Ministerpräsident Kretschmer in Chemnitz unterwegs, hatte unter anderem in einem Viertel, in dem viele Migranten leben, eine Kita besucht.

"Wenn alle so miteinander umgehen, wie das hier passiert, dann hätten wir die Bilder, die wir gesehen haben, nicht", sagt sie. Ein Vater habe erzählt, dass sein Sohn gefragt worden sei, ob eigentlich Ausländer in seinem Kindergarten seien. "Und da hat der Sohn geantwortet: Nee, nur Kinder."

Wut, Protest, Gewalt - Chemnitz und die Folgen
Brennpunkt, 30.08.2018

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Kritik an Berichterstattung

Eine Sichtweise, die nach Ansicht vieler Chemnitzer, die an diesem Abend das Wort ergreifen, zu einseitig ist. Sie verabscheue jede lebens- oder menschenverachtende Aktionen, sagt eine Frau. "Und das wird aber leider von den Migranten oft durchgeführt, man kann das nicht einfach wegwischen."

Ein älterer Mann sagt, die Leute gingen ihrer Arbeit ordentlich nach und hätten abends Angst, vom Theater nach Hause zu laufen. "Wenn man an der Roten Turm-Passage lang geht und man wird von oben bis unten gemustert, ob man vielleicht ein potentieller Rauschgiftkunde ist - das geht nicht mehr, das lassen wir uns nicht mehr gefallen." Immer wieder wird auch die Berichterstattung über die Demonstrationen in Chemnitz heftig kritisiert.

Wenn die Emotionen hoch kochen, versucht Kretschmer zu beruhigen, mahnt einen anständigen Umgang an. Mehrere Dinge nehme er mit. "Das eine ist die Frage, wie wir mit einem unangemessenen Verhalten von Leuten umgehen. Wir haben gesagt, wenn hier Kriminalitätsschwerpunkte sind, müssen wir aktiv sein - wir werden das auch machen, stärker als bisher, mit einer Sicherheitspartnerschaft. Und ich möchte gern, dass wir Polizei und Justiz auch in die Lage versetzen, richtig objektive Fakten zu bringen."

Bürgerdialog und weitere Proteste in Chemnitz - "Die Stadt kocht"
tagesthemen 22:25 Uhr, 30.08.2018, Susann Blum, MDR

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1200 Beamte im Einsatz

Nach anderthalb Stunden kündigt Glockenklang das Ende der offiziellen Diskussionsrunden an. Was es gebracht hat? "Zumindest hat er sich andere Meinungen angehört, ob es was bringt, werden wir sehen", sagt eine Zuhörerin. Eine andere meinte, es sei für sie in Ordnung gewesen. "Für mich war es eine ehrliche Meinung, und ich will in einer Stadt leben, friedlich miteinander. Multikulti gerne. Aber ich möchte auch sagen dürfen, dass Ausländer, die sich daneben benehmen, hier nichts im Land zu suchen haben."

Es sei eine große Aufgabe, hier gesellschaftlichen Zusammenhalt zu organisieren, sagt Ministerpräsident Kretschmer in seinem Fazit.

Der Protest am Stadion verlief an diesem Abend weitgehend störungsfrei. 1200 Beamte sicherten beide Veranstaltungen ab. Dabei erkannten Polizisten Personen wieder, die sich am Montag bei der Versammlung von "Pro Chemnitz" am Karl-Marx-Monument strafbar gemacht haben.

Kretschmer zu Besuch in Chemnitz
Ine Dippmann, MDR
31.08.2018 01:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der Brennpunkt am 30. August 2018 um 20:15 Uhr.

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