Der Schriftsteller Sasa Stanisic ist für seinen Roman "Herkunft" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden.  | dpa

Für den Roman "Herkunft" Stanisic erhält Deutschen Buchpreis

Stand: 14.10.2019 20:03 Uhr

Der Schriftsteller Sasa Stanisic ist für seinen Roman "Herkunft" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Seine Dankesrede nutzte er für heftige Kritik an Literaturnobelpreisträger Handke.

Der Deutsche Buchpreis 2019 geht an den Schriftsteller Sasa Stanisic. Damit gilt sein Buch "Herkunft" als bester deutschsprachiger Roman des Jahres. Der 1978 im bosnischen Visegrad geborene und 1992 nach Deutschland geflüchtete Stanisic schreibt darin über seine Kindheit in Bosnien. Das Buch behandelt aber auch den Zerfall Jugoslawiens und die schwierige Ankunft in Deutschland.

2014 hatte der in Hamburg lebende Autor bereits den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman "Vor dem Fest" bekommen. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass Stanisic seine Leser "mit seiner großen Fantasie" adele: "Unter jedem Satz dieses Romans wartet die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist." Mit viel Witz setze er den "Narrativen der Geschichtsklitterer" seine eigenen Geschichten entgegen.

Kritik an Literaturnobelpreisträger Handke

Seine Dankesrede nutzte Stanisic, um die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke zu kritisieren. Die Entscheidung habe ihm die Freude über den Deutschen Buchpreis "vermiest", sagte der 41-Jährige im Kaisersaal des Frankfurter Römer. Handke hatte sich im Balkankonflikt wiederholt auf die Seite der Serben gestellt. 2006 hatte er eine Grabrede auf den ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic gehalten.

"Dass ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die sich dieser Mensch nicht angeeignet hat." Er könne nicht nachvollziehen, "dass man sich die Wirklichkeit, mit der man behauptet, Gerechtigkeit für jemanden zu suchen, so zurechtlegt, dass dort nur Lüge besteht".

Auftakt der Frankfurt Buchmesse

Den Deutschen Buchpreis gibt es seit 2005. Verliehen wird er vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse. Das Verfahren ist mehrstufig: Erst wird eine Liste mit 20 Titeln veröffentlicht, die später auf eine sogenannte Shortlist von sechs Titeln verkürzt wird.

Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro. Im vergangenen Jahr ging der Preis an Inger-Maria Mahlkes Roman Archipel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2019 um 19:00 Uhr.