Menschen stehen an einem Wahllokal in Loitz an | dpa

Bundestagswahl "Jede Stimme zählt"

Stand: 26.09.2021 14:28 Uhr

Mehrere Spitzenpolitiker haben ihre Stimme bereits abgegeben - und betonten dabei die Bedeutung dieser Bundestagswahl. Bis 18 Uhr sind die Wahllokale geöffnet. Der neu gewählte Bundestag soll am 26. Oktober erstmals zusammenkommen.

Am Morgen hat die Bundestagswahl begonnen, um 8 Uhr öffneten die rund 60.000 Wahllokale in Deutschland. Bis 18 Uhr sind knapp 60,4 Millionen Bürger aufgerufen, an der Wahl teilzunehmen.

Am Vormittag gaben mehrere Spitzenpolitiker ihre Stimmen ab: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender wählten in Berlin. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ging mit seiner Frau Britta Ernst, der Brandenburger Bildungsministerin, an seinem Wohnort Potsdam ins Wahllokal. Nach der Stimmabgabe bat er noch einmal um Stimmen für die SPD: "Damit die Bürgerinnen und Bürger mir den Auftrag geben, der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden."

Ebenfalls an ihrem Wohnort Potsdam ging Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock begleitet von ihrem Mann Daniel Holefleisch wählen. Sie sagte, sie hoffe noch auf ein paar Stimmen mehr als in den letzten Umfragen. Sie lade "alle ein, noch wählen zu gehen, um einen echten Aufbruch zu schaffen" und sprach von einem "Feiertag der Demokratie".

Laschets Stimmzettel trotz Fauxpas gültig

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nahm mit seiner Frau Susanne in Aachen an der Wahl teil. Er sagte, die Bundestagswahl entscheide über die Richtung Deutschlands in den nächsten Jahren. "Und deshalb kommt es auf jede Stimme an." Wo er selbst seine Kreuze gesetzt hatte, war für alle Anwesenden deutlich sichtbar: Laschet hatte den Wahlzettel falsch gefaltet. Bundeswahlleiter Georg Thiel sieht darin kein Problem: "Ein bundesweit bekannter Politiker hat wie erwartet seine eigene Partei gewählt. Eine Wählerbeeinflussung kann darin nicht gesehen werden", twitterte Thiel. Der Stimmzettel sei gültig.

Steinmeier ruft zum Wählen auf

CSU-Chef Markus Söder und seine Frau Karin wählten in Nürnberg. "Es gibt keinen schwierigeren Tag als den Wahltag, weil man wartet und wartet und wartet und hofft, irgendein gutes Signal zu bekommen", sagte Söder.

Zuvor hatte Steinmeier zur Wahl aufgerufen. "Lassen Sie uns gemeinsam abstimmen - für eine starke Demokratie und eine gute Zukunft", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". "Jede Stimme zählt - Ihre Stimme zählt. Daher bitte ich Sie: Gehen Sie heute zur Wahl!" Die Wähler könnten mit ihrem Kreuz mitbestimmen, welche Regierung Deutschland künftig führen werde.

Es wird damit gerechnet, dass diesmal so viele Menschen wie nie zuvor ihre Stimme per Briefwahl abgeben werden. Nach Angaben der Bundeswahlleitung könnten es ein Anteil von mindestens 40 Prozent sein. 2017 machten bereits 28,6 Prozent der Wahlberechtigten von der Briefwahl Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag vor vier Jahren bei 76,2 Prozent.

Konstituierende Sitzung wohl am 26. Oktober

Der neu gewählte Bundestag kommt voraussichtlich am 26. Oktober erstmals zusammen. Das hat nach Angaben der Bundestagsverwaltung der Ältestenrat einstimmig beschlossen. In der konstituierenden Sitzung werden vor allem der Bundestagspräsident und seine Stellvertreter gewählt. Im Ältestenrat sind das Präsidium und alle Fraktionen vertreten. Er legt die Sitzungswochen und die Tagesordnungen fest. Der 26. Oktober ist der letzte mögliche Tag für diese erste Sitzung. Denn nach Artikel 39 des Grundgesetzes tritt der neu gewählte Bundestag spätestens 30 Tage nach der Wahl erstmals zusammen.

Parallel zur Bundestagswahl wird in Mecklenburg-Vorpommern auch ein neuer Landtag gewählt und im Land Berlin das Abgeordnetenhaus. In beiden Bundesländern kann die SPD mit Wahlsiegen rechnen. In Berlin findet zudem eine Volksabstimmung über die Enteignung von Wohnungsbeständen großer Immobilienkonzerne statt. Das Ergebnis ist für den Senat allerdings rechtlich nicht bindend.

SPD in Umfragen vorn

Die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz führte in letzten Umfragen knapp vor der Union mit ihrem Kandidaten Armin Laschet (CDU). Deutlich dahinter lagen die Grünen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Die FDP strebt erneut ein zweistelliges Ergebnis an.

Meinungsumfragen sind allerdings nur Momentaufnahmen der politischen Stimmungslage und sagen nichts über das Wahlergebnis aus. Dies gilt bei dieser Wahl wegen der hohen Zahl noch unentschlossener Wählerinnen und Wähler umso mehr. Bei der Bundestagswahl im Jahr 2017 waren CDU und CSU mit 32,9 Prozent stärkste Kraft geworden. Die SPD kam auf 20,5 Prozent, die AfD wurde mit 12,6 Prozent drittstärkste Kraft. Dahinter folgten FDP (10,7 Prozent), Linke (9,2) und Grüne mit 8,9 Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2021 um 12:00 Uhr.