SPD-Politiker Karl Lauterbach | EPA

Bundestagswahl Duelle, Premieren und Verlierer

Stand: 27.09.2021 11:32 Uhr

Zwei Bundesminister, die gegeneinander antreten, und eine Stadt, in der die AfD keine Chance hat - auch abseits der Berliner Politik-Bühne hat es gestern Überraschungen und Premieren mit prominenten Namen gegeben. Ein Überblick.

Bundesminister gegen Bundesminister

Im Wahlkreis Saarlouis haben gleich zwei Politpromis um ein Direktmandat gekämpft: Heiko Maas, Bundesaußenminister von der SPD, und CDU-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Gewonnen hat der Außenminister. Nach dem vorläufigen Ergebnis kam Maas auf 36,7 Prozent der Stimmen, Altmaier auf 28,0. Es ist das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2017 war es übrigens noch andersherum: Damals war Altmaier als Sieger vom Platz gegangen. Maas war damals über die SPD-Landesliste in den Bundestag gerückt. Sowohl Maas als auch Altmaier kommen gebürtig aus dem Kreis.

Wahlplakate zeigen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) direkt nebeneinander. | dpa

Zwei Promis, ein Wahlkreis: Das Duell in Saarlouis konnte Heiko Maas (SPD) gegen CDU-Politiker Peter Altmaier gewinnen. Bild: dpa

Potsdamer Duell

Eine Kanzlerkandidatin, ein Kanzlerkandidat, ein Wahlkreis: Auch im Wahlkreis Potsdam ist die Promidichte hoch. Nun ist klar: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz konnte Potsdam als Direktkandidat mit deutlichem Vorsprung für sich entschieden. Laut Landeswahlleiter Brandenburg kam Scholz auf 34,0 Prozent. Auf dem zweiten Platz lag Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock mit 18,8 Prozent.

Olympiasieger gewinnt gegen Maaßen

Kein Glück hatte der umstrittene Ex-Bundesverfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen in seinem Wahlkreis Südthüringen. Mit seiner CDU-Kandidatur für ein Direktmandat im Bundestag scheiterte er deutlich. Maaßen kam nach Auszählung aller Stimmen im südthüringer Wahlkreis 196 auf 22,3 Prozent der Erststimmen. Sein SPD-Kontrahent, der Olympiasieger und Ex-Biathlon-Bundestrainer, Frank Ullrich, holte das Direktmandat mit 33,6 Prozent der Erststimmen.

Hans-Georg Maaßen (r, CDU), früherer Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, und Frank Ullrich (l), SPD-Kandidat und ehemaliger Biathlon-Bundestrainer, stehen bei der Wahlarena der Zeitung "Freies Wort" im Congress Centrum Suhl (CCS) nebeneinander. | dpa

Das Duell zwischen Hans-Georg Maaßen (CDU) und Frank Ullrich (SPD) um den Wahlkreis Südthüringen konnte der ehemalige Biathlon-Bundestrainer für sich gewinnen. Bild: dpa

Schlappe für Kretschmann-Sohn

Auch Johannes Kretschmann, der Sohn des grünen Ministerpräsidenten hat sein Ziel verfehlt. Er verlor den Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen klar gegen den CDU-Kandidaten Thomas Bareiß. Der 43-jährige Grünen-Politiker holte 16,9 Prozent der Erststimmen, Bareiß dagegen 30,1 Prozent, wie das Landratsamt Sigmaringen am Sonntagabend mitteilte.

Der Grünen-Politiker Johannes Kretschmann | dpa

Grünen-Politiker Johannes Kretschmann, Sohn des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Bild: dpa

Der ewige Lauterbach

Dagegen kann sich SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach über eine treue Wählerschaft ein seinem Wahlkreis freuen. Der Mediziner sicherte sich mit großem Vorsprung das Direktmandat in seinem Wahlkreis Leverkusen - Köln IV. Lauterbach, der in der Pandemie bundesweit den Ton mit angegeben hatte, holte 45,6 Prozent der Erststimmen. Damit hat er seinen Wahlkreis bereits zum fünften Mal gewonnen. Die CDU-Kandidatin, NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler, kam auf 20,4 Prozent. Sie gilt als eine Vertraute von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet. Da Güler auf Platz acht der Landesliste der nordrhein-westfälischen CDU steht, dürfte ihr Einzug in den Bundestag gesichert sein.

Die einen CDU-Promis gewinnen, ...

Auch CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz hat das Direktmandat geholt. Nach Auszählung fast aller Stimmbezirke im Hochsauerlandkreis kommt er auf 40,5 Prozent der Erststimmen und distanziert damit den SPD-Kandidaten Dirk Wiese (32,2 Prozent). In der CDU-Hochburg schneidet Merz deutlich besser ab als seine Partei, die 33,5 Prozent der Zweitstimmen erreicht.

Sein Direktmandat verteidigen konnte der bisherige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Im Wahlkreis Offenburg bekam Schäuble 34,9 Prozent der Erststimmen. Das sind deutlich weniger als 2017, da hatte er noch 48,1 Prozent der Erststimmen geholt, 2013 sogar 56 Prozent. Der 79 Jahre alte Schäuble ist bereits seit Ende 1972 Mitglied des Bundestags. Damit ist er das dienstälteste Mitglied des deutschen Parlaments.

Philipp Amthor (l), CDU-Bundestagsabgeordneter, und Friedrich Merz (CDU), ehemaliger Bundestagsfraktionsvorsitzender der Union, stehen neben einer Bühne beisammen. | dpa

Friedrich Merz holte das Direktmandat im Hochsauerlandkreis. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor verlor dagegen in seinem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern. Bild: dpa

... andere verlieren

Mit Kanzleramtschef Helge Braun, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer verpassten dagegen drei weitere CDU-Polit-Promis die Direktmandate. Klöckner erreichte im Wahlkreis Kreuznach in Rheinland-Pfalz laut Landeswahlleiter 29,1 Prozent - und verlor damit gegen den Konkurrenten der SPD. So erging es auch Braun, der in seinem hessischen Wahlkreis Gießen 29,6 Prozent der Erststimmen bekam.

Im Wahlkreis Saarbrücken verlor Kramp-Karrenbauer mit 25,1 Prozent der Stimmen. Kramp-Karrenbauer hatte Direktmandat in diesem Wahlkreis für die CDU zurückerobern wollen, nachdem dieses 2017 an die SPD gegangen war. Und: Auch der CDU-Bundestagabgeordnete Philipp Amthor verlor in seinem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern gegen den SPD-Politiker Erik von Malottki. Amthor landete damit nur auf dem dritten Platz - noch hinter dem AfD-Politiker Enrico Komning (24,3 Prozent).

Kein Laschet-Bonus in Aachen

Die Prominenz des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet hat bei den Bewohnern seiner Heimatstadt Aachen nicht gezogen. Dort hat ein Grüner das Direktmandat gewonnen. Der stellvertretende Bundestags-Fraktionschef Oliver Krischer landete nach Auszählung fast aller Stimmen mit 30,1 Prozent vor dem langjährigen CDU-Abgeordneten Rudolf Henke (25,6). Laschet selbst hatte sich nicht als Wahlkreiskandidat zur Wahl gestellt. Er kandidiert nur auf der CDU-Landesliste in Nordrhein-Westfalen. Ob er über diese in den Bundestag kommt, ist allerdings noch unklar.

SPD-Vorsitzende erneut ohne Direktmandat

Sicher in den Bundestag zieht dagegen die Spitzenkandidatin der SPD, Saskia Esken, ein. Allerdings über die Landesliste in Baden-Württemberg. Das Direktmandat ihn ihrem Wahlkreis Calw erhielt der CDU-Politiker Klaus Mack (48). Der Bürgermeister der Stadt Bad Wildbad errang den Angaben des Landkreises Calw zufolge nach Auszählung aller Stimmen 33,8 Prozent in der traditionellen CDU-Hochburg. Saskia Esken kam mit 17,2 Prozent auf den zweiten Platz; sie konnte damit ihr Ergebnis im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl leicht verbessern (2017: 16,9 Prozent).

Saskia Eseken und Olaf Scholz auf einer SPD-Wahlkampfveranstaltung | AP

SPD-Vorsitzende jubelt Saskia Esken über den Erfolg ihres Kanzlerkandidaten. Als Direktkandidatin hatte Esken allerdings weniger Glück. Bild: AP

CDU verliert Direktmandat in symbolträchtigem Wahlkreis

Nach mehr als 30 Jahren hat die CDU bei einer Bundestagswahl nicht das Direktmandat in Angela Merkels bisherigem Wahlkreis geholt. Für den Wahlkreis 15 zieht nun die 27-jährige Anna Kassautzki von der SPD mit 24,3 Prozent der Erststimmen in den Bundestag ein. Auf Platz zwei landete im Wahlkreis Vorpommern-Rügen - Vorpommern-Greifswald I Merkels Nachfolger als CDU-Direktkandidat, der 33-jährige Georg Günther. Für ihn stimmten 20,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Er lag damit nur knapp vor Leif-Erik Holm von der AfD (19,9 Prozent). Die scheidende Bundeskanzlerin holte seit 1990 acht Mal in Serie das Bundestagsdirektmandat in Vorpommern. Dieses Jahr war sie nicht mehr zur Wahl angetreten.

Zwei Transgender-Frauen schaffen es in den Bundestag

Mit Tessa Ganserer und Nyke Slawik ziehen zum ersten Mal bekennende Trans-Personen in den Bundestag ein. Ganserer, die bisher für die Grünen im bayerischen Landtag sitzt und im Wahlkreis Nürnberg-Nord antrat, sicherte sich das Mandat auf Platz 13 der bayerischen Landesliste. Sie hatte sich im November 2018 als transsexuell geoutet. Slawik war in Nordrhein-Westfalen auf Platz elf der Grünen-Landesliste erfolgreich.

Die Transgender-Frau Tessa Ganserer | dpa

Transgender-Frau Tessa Ganserer zieht für die Grünen in den Bundestag ein Bild: dpa

Ein Abgeordneter für den SSW

Und es gibt eine weitere Neuerung in der kommenden Legislaturperiode: Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) zieht wieder in den Bundestag ein - mit einem Abgeordneten. Die Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen ist als Partei der nationalen Minderheit von der Fünf-Prozent-Hürde befreit und musste nur so viele Stimmen gewinnen, dass ihr nach dem Berechnungsverfahren ein Sitz zusteht. Gewählt werden konnte der SSW nur in Schleswig-Holstein.

Für den SSW sitzt künftig der Flensburger Stefan Seidler formal als fraktionsloser Abgeordneter im Parlament. Für den SSW ist es eine Rückkehr in den Bundestag nach sehr langer Zeit. Im Jahr 1949 schaffte Hermann Clausen als bislang einziger Abgeordnete für eine Legislaturperiode den Einzug. 1961 beschloss die Partei dann, nicht mehr für das Bundesparlament anzutreten. Seitdem wurde ein Comeback regelmäßig diskutiert, jedoch stets mehrheitlich abgelehnt. Im September 2020 stimmte ein Parteitag dann mehrheitlich für eine Teilnahme an der Bundestagswahl 2021.

Münster - kein gutes Pflaster für die AfD

Münster in Nordrhein-Westfalen bleibt weiterhin kein gutes Pflaster für die AfD. Laut vorläufigem Endergebnis kommt die Partei bei der Bundestagswahl auf gerade mal 2,9 Prozent der Zweitstimmen. Damit liegt sie 2,1 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2017. Bundesweit hatte die Alternative für Deutschland in der Studenten- und Bischofsstadt bereits bei der Bundestagswahl 2017 mit 4,9 Prozent die wenigsten Zweitstimmen bekommen. Schwächer waren die Rechtspopulisten bei der Wahl vor vier Jahren in keinem anderen Wahlkreis.